Politik : In Saudi-Arabien wird die Macht neu verteilt

Kronprinz Sultan stirbt mit 85 Jahren

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Trauer um Prinz Sultan. Er war 41 Jahre lang Verteidigungsminister. Foto: Fahad Shadeed/Reuters
Trauer um Prinz Sultan. Er war 41 Jahre lang Verteidigungsminister. Foto: Fahad Shadeed/ReutersFoto: REUTERS

Der Tod des 85-jährigen saudischen Kronprinzen Sultan bin Abdul Aziz hat schlagartig die fragilen Machtverhältnisse an der Spitze des ölreichen arabischen Königreiches offenbart. König Abdullah liegt nach einer neuerlichen Operation am Rückgrat im Krankenhaus in Riad. Schon vor seiner Einlieferung konnte der 87-jährige Monarch nur noch wenige Stunden am Tag arbeiten. Der zwei Jahre jüngere Kronprinz Sultan war seit 41 Jahren Verteidigungsminister und schon länger schwer krebskrank. Er starb im Presbyter-Krankenhaus in New York, wie das saudische Fernsehen am Samstag meldete. Seine Beerdigung soll am Dienstag stattfinden. Ob König Abdullah teilnehmen kann, ist unklar. Saudische Zeitungen zeigten den Monarchen vergangene Woche in seinem Krankenzimmer auf einem Spezialstuhl, umringt von der ebenfalls sehr betagten Führungselite seines Landes.

Der fällige Umbau an der Machtspitze Saudi-Arabiens kommt in einer Zeit der Umwälzungen des Arabischen Frühlings, die die gesamte Region erschüttern. Das Königreich hat innere Unruhen bisher durch eine Mischung aus harter Polizeipräsenz und milliardenschweren Sozialgeschenken abwenden können. Doch die Diskussionen über Reformen und mehr Rechte für die Bevölkerung, vor allem für Frauen und die schiitische Minderheit im Osten, werden in den sozialen Medien Twitter und Facebook immer intensiver geführt. Gemessen daran fielen die jüngsten königlichen Reformdekrete eher zögerlich und halbherzig aus.

So gestand König Abdullah in September per Dekret den Frauen bei den Kommunalwahlen 2015 das aktive und passive Wahlrecht zu – eine Regelung, die ein konservativer Nachfolger wieder rückgängig machen kann. Gleichzeitig kündigte Abdullah an, er werde für die nächste Sitzungsperiode des Schura-Rates ab 2013 zum ersten Mal auch Frauen ernennen.

In Saudi-Arabien wird der Herrschaftsanspruch nicht auf den jeweils ältesten Königssohn vererbt, sondern geht zunächst nach Alter gestaffelt auf alle Brüder des Herrschers über. Als der Gründer des modernen Saudi-Arabiens, König Abdul Aziz Ibn Saud, im Jahr 1953 starb, hinterließ er 34 Söhne, die von 17 seiner 22 Frauen zur Welt gebracht worden waren. Auf den Thron folgte ihm damals sein ältester Sohn Saud, dann kamen Faisal, Khaled, Fahd und am 1. August 2005 der damals 81-jährige Abdullah. Nach dem Tod von Kronprinz Sultan ist vom Alter her nun der 78-jährige Prinz Nayef an der Reihe, seit 36 Jahren Innenminister Saudi-Arabiens. Er gilt als reformfeindlich und mit einer großen Nähe zur reaktionären wahhabitischen Klerikerkaste.

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