Politik : In Treue fest (Kommentar)

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Was hat sich der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Erhard Geyer, wohl gedacht, als er gestern die Gehaltsforderung präsentierte? Vielleicht etwas in diesem Sinn: Dienst ist Dienst, Ritual ist Ritual, und was sonst in der sozialen und politischen Welt der Bundesrepublik passiert, das betrifft uns Beamte eher nicht. Bei Tarifverhandlungen gehört es zum Ritual, erheblich mehr zu fordern, als nachher rauskommt - bisher. Aber nachdem sich die Situation im Land grundlegend verändert hat, muss sich auch die Haltung der Beamten ändern. Vier Prozent mehr wollen die Beamten und die Arbeiter und Angestellten des öffentlichen Dienstes im kommenden Jahr. Dass der Staat, dem die Beamten Treue schwören, zu viel Geld ausgibt und sich deshalb anstrengt, zu sparen - dem müssen auch die Beamten Rechnung tragen. Ebenso wie dem Unmut von Bürgern, die selbst für ihre Altersvorsorge aufkommen müssen. Der Vergleich mit der freien Wirtschaft, der nach Geyers Meinung den Nachholbedarf beweist, hilft den Beamten nicht. Denn vor der neuen Härte, die in der Wirtschaft herrscht, sind sie gut geschützt: Ihre Jobs sind sicher. Aber das ist ja das Schöne an der Freiheit, die deutsche Beamte genießen: Keiner verbietet ihnen, alles Mögliche zu fordern. Ohne an ihren Ruf zu denken.

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