Politik : In Würde, ohne Trommeln

Die Bundeswehr erweist die letzte Ehre

Dorothea Siegle

Berlin - Hier landen die Toten der amerikanischen Kriege: Auf der Luftwaffenbasis in Dover, in dem kleinen US-Staat Delaware, kommen die meisten Soldaten der US-Armee an, die in Kampfhandlungen getötet wurden – mehr als 60 000 sind seit 1955 hierher geflogen worden. Doch eine Feier für die Toten gibt es nicht. 2003 hat die Bush-Regierung verfügt: Keine Ankunftszeremonie, keine Medienberichterstattung in Dover – zu sehr könnten diese Bilder die öffentliche Meinung gegen den Irakkrieg wenden.

In Deutschland ist das anders. Nach dem Tod der drei bei einem Anschlag in Kundus getöteten Soldaten gab es am vergangenen Mittwoch eine Trauerfeier in Köln-Wahn. Sie starben bei einem Einsatz, für den sich eine große Mehrheit des Deutschen Bundestages entschieden hat. Deswegen sind die Hinterbliebenen nicht allein mit ihren Toten, deswegen liegt die Flagge der Bundesrepublik über den Särgen, deswegen spricht der Verteidigungsminister, deswegen stehen TV- Übertragungswagen vor der Halle.

Wie eine solche Trauerfeier abläuft, damit befasst sich eine Zentrale Dienstvorschrift, „Militärische Formen und Feiern der Bundeswehr“. Fester Bestandteil sind die Soldaten, die an den Särgen Totenwache halten und die Särge zur Feier hinein- und wieder hinaustragen. Sie alle stammen aus dem Wachbataillon der Bundeswehr, das auch bei hohem Staatsbesuch antritt. Das Musikkorps der Bundeswehr, die Bundesdienstflagge sowie die Anwesenheit von Militärgeistlichen und des Verteidigungsministers gehören ebenfalls fest dazu.

Dass die Angehörigen der Toten an der Trauerfeier teilnehmen, sei erwünscht, aber ihre private Entscheidung, so das Verteidigungsministerium. Die Zeremonie werde vorher mit ihnen abgesprochen. So wollten die Hinterbliebenen der in Kundus getöteten Soldaten nicht, dass die Särge unter Trommelwirbel in die Halle getragen würden, die Särge standen bereits aufgebahrt dort. Das Trommeln bei der Trauerfeier verfolge sie bis heute, sagt die Frau eines bei dem Anschlag 2003 in Kabul getöteten Soldaten. Beerdigt werden die Soldaten im Kreise ihrer Angehörigen. Die Bundeswehr nimmt auf Wunsch daran teil. Entweder haben die Verstorbenen im Testament verfügt, ob sie ein Begräbnis mit militärischen Ehren wollen, oder die Hinterbliebenen entscheiden dies.

Das Streitkräfteunterstützungskommando, das Protokollreferat des Verteidigungsministeriums, die Psychologen der Bundeswehr, die Militärseelsorge, die Flugbereitschaft, das Wachbataillon, das Musikkorps, Feldjäger, Sanitäter, der Presse-Info-Stab der Luftwaffe – viele Stellen sind an der Vorbereitung einer Trauerfeier beteiligt. Eine zentrale Einheit „Trauerfeier“ gibt es nicht im Verteidigungsministerium. Anders im Pentagon, da kümmert sich eine eigene Unterabteilung („Military Community & Family Policy“) – neben anderem – um die Begräbnisse der gefallenen Soldaten. Dorothea Siegle

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