Politik : Indien auf dem Weg zur Atommacht

Drei unterirdische Explosionen bekanntgegeben / USA "tief enttäuscht" / Pakistan warnt vor Rüstungswettlauf NEU-DELHI (AFP).Trotz internationaler Warnungen hat Indien am Montag drei atomare Sprengsätze unterirdisch zur Explosion gebracht.Es waren die ersten Atomtests seit 1974, die von Indien offiziell bekanntgegeben wurden.Die USA drohten umgehend mit Strafmaßnahmen.Die Regierung Pakistans kritisierte die Atomtests scharf und warnte vor einem "Rüstungswettlauf".Der indische Regierungschef Atal Behari Vajpayee teilte in Neu-Delhi mit, die Atomtests hätten um 12 Uhr 15 MESZ auf dem Gelände in Pokhran im überwiegend aus Wüste bestehenden Bundesstaat Rajasthan stattgefunden.Nach Angaben des Regierungschefs wurde bei den drei Atomexplosionen keine Radioaktivität in der Atmosphäre freigesetzt.Der Versuchsort Pokhran ist nur 150 Kilometer von der Grenze zu Pakistan entfernt.Die drei Atomtests hätten bewiesen, daß das Land zu einem Atomwaffenprogramm in der Lage sei, sagte Brijesh Mishra, ein enger Mitarbeiter von Vajpayee, in Neu-Delhi.Mit Hilfe der Tests könnten indische Wissenschaftler nun Nuklearwaffen verschiedener Art entwickeln.Die neue, von den Hindunationalisten geführte indische Regierung hatte erst Mitte März erklärt, sie werde nicht zögern, Indien mit Atomwaffen auszustatten, wenn dies zur Wahrung von "Sicherheit, territorialer Integrität und Einheit" notwendig sein sollte.Indien hat weder den Atomwaffensperrvertrag, noch das Atomteststopp-Abkommen unterzeichnet.Die amerikanische Regierung hat "tief enttäuscht" auf die indischen Atomwaffenversuche am Montag reagiert.Dies laufe den internationalen Bemühungen für ein umfassendes Testverbot zuwider, erklärte Präsidentensprecher Mike McCurry in Washington.Er schloß Konsequenzen für den noch in diesem Jahr geplanten Indienbesuch von Präsident Bill Clinton nicht aus.Ein Vertreter des Außenministeriums sagte in Washington, es würden Sanktionen gegen Indien erwogen.Die USA hatten Indien wiederholt davor gewarnt, Atomtests durchzuführen.Der pakistanische Außenminister Gohar Ayub Khan sagte in Islamabad, seine Regierung verurteile das Verhalten des Nachbarlandes scharf.Auch die gesamte Staatengemeinschaft sei aufgerufen, Indien zu verurteilen.Die Regierung in Neu-Delhi zwinge sein Land in einen Rüstungswettlauf, warnte Khan.Die Regierung wollte noch am Montag in einer Sondersitzung über die Reaktion Pakistans befinden.Die Bundesregierung sowie Bündnis90/Die Gründen haben am Montag den neuen indischen Atomversuch scharf verurteilt.In einer Erklärung von Bundesaußenminister Kinkel heißt es, die Zündung der drei atomaren Sprengsätze bedeute "einen Rückschlag für die internationalen Bemühungen um internationale Abrüstung und Nichtverbreitung".In einer am Montag in Bonn verbreiteten Erklärung forderten die Grünen- Parlamentarierinnen Beer und Köster-Loßack die indische Regierung auf, keine weiteren Atombombenversuche durchzuführen.Die Tests seien ein "Spiel mit dem Feuer".Indien gilt wie Pakistan als atomares Schwellenland.Es verfügt bereits über Raketen, die Atomsprengköpfe transportieren können.Im vergangenen Jahr weigerte sich Indien, dem Atomteststopp-Abkommen beizutreten, weil das Abkommen diskriminierend sei und ein Programm zur weltweiten Abrüstung ausspare.

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