Politik : Indien besorgt über Putsch in Nepal

Christine Möllhoff

Neu-Delhi - Wenige Tage nachdem König Gyanendra die Regierungsmacht in Nepal an sich gerissen hat, wächst die Kritik an dem Putsch. Vor allem außenpolitisch ist der Monarch dabei, sich ins Abseits zu manövrieren. Nicht nur die USA und Großbritannien haben bisher das Königshaus im Kampf gegen die aufständischen Maoisten finanziell und militärisch unterstützt, auch Indien. Der große Nachbar Nepals kämpft selbst mit maoistischen Rebellen und sieht das Erstarken der Maoisten in dem Himalaya-Land mit Sorge. Das indische Außenministerium ließ jede diplomatische Zurückhaltung fallen und sprach offen von einem „schweren Rückschlag für die Demokratie“ in Nepal. Die Zeitung „The Hindu“ spekulierte, dass der Herrscher mit seinem „reaktionären Akt“ am Ende seinem eigenen Sturz und dem Ende der Monarchie den Weg geebnet haben könnte. Indien wäre klug beraten, sich auf Nepal ohne einen König einzustellen, hieß es.

Währenddessen lässt der Monarch kaum Zweifel daran, dass er nicht bereit ist, Macht abzugeben. In absolutistischer Manier hat er sich selbst für drei Jahre zum Regierungschef aufgeschwungen, demokratische Grundrechte über Nacht außer Kraft gesetzt und das Land von der Außenwelt abgeschnitten. Ihm stehen die Maoisten gegenüber, die die Monarchie abschaffen oder zumindest faktisch entmachten und eine verfassungsgebende Versammlung einberufen wollen. Nach Gyanendras Putsch prallen nun beide Pole frontal aufeinander.

25 nepalesische Menschenrechtsgruppen appellierten unterdessen am Wochenende an die internationale Gemeinschaft, den König zum Einlenken zu zwingen. Sie warfen ihm vor, Panik und Terror zu verbreiten. Die Parteien im Lande kündigten friedliche Proteste gegen den Monarchen an.

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