Politik : Indien droht Pakistan Vergeltung an

Trotz internationaler Mahnungen zur Mäßigung hat Indien Pakistan erneut gedroht. Der indische Innenminister Lal Krishna Advani kündigte am Freitag eine "Schlacht" an, weil Pakistan mit dem Terroranschlag auf das indische Parlament vom 13. Dezember alle Grenzen überschritten habe. Bundesaußenminister Joschka Fischer verlangte in einem Telefongespräch mit seinem pakistanischen Amtskollegen Abdul Sattar, alle Anstrengungen für eine friedliche Lösung zu unternehmen. Die sieben wichtigsten Industriestaaten und Russland (G-8) forderten die Atommächte Indien und Pakistan auf, eine Eskalation zu vermeiden.

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Trotz der scharfen Töne Indiens und weiterer Truppenverstärkungen erwarteten Beobachter keinen unmittelbar bevorstehenden Militärschlag. Indien verband seine jüngsten Forderungen an Pakistan nicht mit einem Ultimatum. Die Frist für die Reduzierung des Botschaftspersonals um die Hälfte wurde bis zum 5. Januar verlängert. Der indische Regierungschef Atal Behari Vajpayee und Pakistans Militärmachthaber Pervez Musharraf wollen in der nächsten Woche an einer Regionalkonferenz in Nepal teilnehmen. Aus Indien hieß es, dafür könne Musharraf eine besondere Überflugerlaubnis erhalten.

Indien hatte am Donnerstag als weitere Sanktionen gegen Pakistan alle direkten Flüge zwischen beiden Ländern vom 1. Januar an gekappt, indem es der pakistanischen Gesellschaft PIA die Überflugrechte strich. Auch die Zug- und Busverbindungen werden gestoppt. Jeweils die Hälfte der Diplomaten verlassen Islamabad und Neu Delhi.

Indien verlangt von Pakistan, die extremistischen Moslemgruppen Lashkar-e-Toiba und Jaish-e-Mohammed zu zerschlagen. Sie haben ihre Hauptquartiere in Pakistan und sollen für den Terroranschlag auf das indische Parlament vor zwei Wochen verantwortlich sein, bei dem 14 Menschen ums Leben kamen. Die Gruppen werden auch von den USA als terroristisch eingestuft.

Advani sagte, nach den drei Kriegen seit 1947 - der bisher letzte endete 1971 mit einer pakistanischen Niederlage - habe Pakistan einen Stellvertreterkrieg begonnen. "Nun werden wir eine entschiedene Schlacht gegen den Stellvertreterkrieg schlagen", sagte Advani. "Wenn andere Länder uns unterstützen, ist das gut. Wenn nicht, kümmert uns das nicht", fügte Advani hinzu. Die USA und die Vereinten Nationen hatten Indien und Pakistan zu Zurückhaltung ermahnt.

Angesichts der Spannungen wird Indien die Verstärkung seiner Truppen entlang der Grenze in den nächsten zwei bis drei Tagen abschließen. Das sagte der indische Verteidigungsminister George Fernandes. Die Luftwaffe habe bei einem Treffen mit Fernandes Vorschläge unterbreitet, wie Lager extremistischer Moslems auf pakistanischem Gebiet angegriffen werden könnten, berichtete die Zeitung "Indian Express".

Die moslemische Separatisten-Organisation Hurriyat-Konferenz im indischen Teil Kaschmirs protestierte mit einem Generalstreik gegen Morde an fünf Hindus und Sikhs. Mutmaßliche Moslem-Extremisten hatten fünf Frauen getötet. Hindus und Sikhs sind im Kaschmir-Tal, wo fast nur Moslems leben, Minderheiten. In der Hurriyat-Konferenz sind Organisationen zusammengeschlossen, die für die Abspaltung Kaschmirs von Indien plädieren. Sie distanzieren sich immer häufiger von militanten Gruppen, die Indien mit Gewalt bekämpfen.

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