Indien : Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit

In Indien beginnt der Prozess gegen die Mörder einer jungen Studentin – das Interesse ist groß, am Montag verhandelte das Gericht jedoch zunächst hinter verschlossenen Türen.

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Klare Botschaft. Menschenrechtsaktivisten fordern die Todesstrafe für die Angeklagten im Mord- und Vergewaltigungsprozess.
Klare Botschaft. Menschenrechtsaktivisten fordern die Todesstrafe für die Angeklagten im Mord- und Vergewaltigungsprozess.Foto: dpa

Alle wollen einen Blick auf sie erhaschen. Auf jene Männer, die die Medien auch „die Bestien“ nennen. So gerammelt voll ist der Gerichtssaal 207 an diesem Wintermontag, dass man in der Menge kaum atmen kann. Mehr als 150 Menschen drängen in den holzgetäfelten Raum, der gerade für 30 gedacht ist. Bis vor die Tür stauen sich die Menschen. Journalisten, Anwälte in schwarzen Anzügen, Neugierige, sogar ein Sadhu, ein heiliger Mann in orangefarbener Robe, ist gekommen.

„So einen Auflauf habe ich in all meinen Jahren noch nicht gesehen“, sagt ein indischer Reporter. Es ist der Auftakt zu einem Prozess, den ganz Indien gebannt verfolgt. Erstmals sollen jene fünf Männer vor Gericht erscheinen, deren bestialische Gewalttat an einer 23-jährigen Studentin das Land bis ins Mark erschütterte. Doch das Warten ist vergeblich. Richterin Namrita Aggarwal lässt den überfüllten Saal räumen. Die Anhörung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Der Schauplatz hat etwas schmerzlich Berührendes. Das Bezirksgericht liegt in Saket, einem Wohn- und Einkaufsgebiet im unteren Süden Delhis. Gleich gegenüber, auf der anderen Straßenseite, sieht man das Multiplex-Kino, in dem die 23-jährige Inderin mit ihrem 28-jährigen Freund am 16. Dezember den Film „Schiffbruch mit Tiger“ sah, bevor die Täter das Paar in ihren Bus lockten. An der Straße ruft ein Plakat dazu auf, Frauen wertzuschätzen: „Lasst sie uns respektieren.“

So zügig kam wohl noch keine Vergewaltigung, kein Mord in Indien vor Gericht – drei Wochen ist die Tat her. Schon in wenigen Tagen soll der offizielle Prozess beginnen. Den Angeklagten wird ein Pflichtverteidiger gestellt, sollten sie nicht selbst einen Anwalt finden. Den fünf Männern droht die Todesstrafe. Sie sind der Vergewaltigung und des Mordes angeklagt. Ein sechster Täter kommt gesondert vor ein Jugendgericht, weil er erst 17 Jahre alt ist.

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