Indien : Schlacht gewonnen oder schlimmstmögliches Ergebnis?

In Indien stieß das Ergebnis des Klimagipfels in den Medien auf ein geteiltes Echo.

Christine Möllhoff

New Delhi - Während der Klimagipfel insgesamt eher als gescheitert angesehen wurde, gab es für den von Delhi mitgetragenen, umstrittenen Mini-Kompromiss auch Lob. Die „Times of India“ machte Indien als einen der Gewinner des Treffens aus – „jedenfalls für den Moment“. Die Zeitung deutete den Minimalkonsens als „Allianz des Verstandes zwischen Washington, Peking, Delhi, Brasilia und Pretoria“. Indien habe gemeinsam mit den drei anderen Schwellenländern „hart gekämpft und die Schlacht gewonnen“. Zugleich habe Delhi aber in einigen Kernfragen seine Position gelockert.

Dagegen nannte der „Indian Express“ das ausgehandelte Abkommen lediglich einen Versuch, das Gesicht zu wahren und das Scheitern des Gipfels zu vertuschen. Allerdings wähnte auch der „Indian Express“ Delhi eher auf der Gewinner- denn auf der Verliererseite in Kopenhagen. Pragmatisch äußerte sich die „Mail Today“. Der Deal sei „besser als nichts“ und müsse deshalb begrüßt werden, kommentierte die Zeitung. Erstmals überhaupt hätten sich damit die größten Emittenten von Treibhausgasen auf einen Minimalkonsens geeinigt.

Harsche Kritik kam von indischen Umweltschützern. Vom „schlimmstmöglichen Ergebnis“ sprach das in Delhi ansässige Zentrum für Wissenschaft und Umwelt. Das Kopenhagener Abkommen, das Indien mittrage, werde alle wirksamen Maßnahmen verhindern, die Klimaerwärmung zu bremsen. „Dies bedeutet ein Desaster für die Welt, für Indien und besonders für die armen und am meisten vom Klimawandel betroffenen Menschen“, urteilte das CSE. Einig waren sich Kritiker und Befürworter, dass der Kompromiss bei Weitem nicht ausreicht und nur ein erster Schritt sei. Aber wie es nun weitergehen soll, blieb unklar. „Viel hängt nun davon ab, wie ernsthaft die einzelnen Länder die Probleme angehen“, schrieb „Mail Today“. „Die Vereinbarung sollte eher als der Beginn eines Prozesses statt dessen Ende angesehen werden.“ Christine Möllhoff

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