Politik : Indien setzt Friedensgespräche mit Pakistan aus

Regierung in Neu Delhi fordert nach den Anschlägen von Bombay mehr internationalen Druck auf den Nachbarn

Christine Möllhoff[Neu-Delhi]

Wenige Tage nach den schweren Attentaten auf Pendlerzüge in Bombay hat Indien die Friedensgespräche mit dem Nachbarland Pakistan vorerst ausgesetzt. Ein für diese Woche anberaumtes Treffen der Außenstaatssekretäre wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Am Montag hatten insgesamt sieben Bombenexplosionen in Bombay 179 Menschen getötet. Die Regierung betonte aber, sich weiter zum Friedensprozess zu bekennen.

Indiens Premier Manmohan Singh hatte Pakistan indirekt mitverantwortlich für den Terrorakt gemacht. Die Täter seien von Extremisten in Pakistan unterstützt worden, sagte er. Beim G-8-Gipfel in Sankt Petersburg will Singh zu „Null-Toleranz“ gegenüber Terror auf der ganzen Welt aufrufen. Aus indischen Regierungskreisen hieß es, Singh wolle bei dem Treffen auch mehr Druck auf Pakistan fordern.

Angesichts hunderter Toter und Verletzter nach den Anschlägen steht Singh im eigenen Land unter starkem Druck, Härte zu demonstrieren. Die Anschläge tragen wieder einmal die Handschrift der islamischen Terrorgruppe Lashkar e Toiba (Armee der Reinen), die nach Einschätzung von Sicherheitsexperten aus Pakistan und Kaschmir heraus operiert. Ihr werden auch die Attentate in der heiligen Stadt Varanasi im März und die Attentate in Delhi im Oktober 2005 angelastet, bei denen 89 Menschen starben.

Die Anschläge in Bombay sind zwar ein Rückschlag für das Verhältnis zwischen den beiden Ländern. Zugleich zeigen sie aber auch, wie belastbar der Friedensprozess inzwischen ist. Im Jahr 2002 hatte ein Anschlag auf das indische Parlament die beiden Atommächte noch fast in einen Krieg getrieben. Damals hatten Kommentatoren gewarnt, jedes weitere Attentat könne zur Eskalation führen. Dies sieht heute anders aus. Trotz der Anschläge in Delhi, Varanasi und Bombay sind die beiden Staaten von einem Krieg weit entfernt.

Vor allem Indiens Regierung bewies bisher Stärke und ließ sich nicht von den Terroristen zu Kurzschlusshandlungen treiben. Allerdings werden Rufe nach einem härteren Kurs gegenüber Pakistan lauter. In Indien sieht man die instabile Lage im Nachbarland mit Sorge. Indische Kommentatoren warnen bereits vor einem Sturz von Pakistans Präsident Pervez Musharraf, dem die Kontrolle über den Staat zusehends zu entgleiten scheine.

„Musharraf steht gefährlich alleine da“, schreibt Prem Shankar Jha, einer der angesehensten Kolumnisten Indiens. Er wirft vor allem dem Westen vor, Musharraf in der „Stunde der Not“ im Stich zu lassen und ihn zum Sündenbock zu machen, um von eigenen Fehlern abzulenken. Damit verliere Musharraf seine „letzte, entscheidende Basis an Unterstützung“. Sein Sturz würde jedoch die Extremisten stärken. „Hauptnutznießer wären Lashkar-e-Toiba und andere Extremisten“, warnt Jha.

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