Indien : Tod im Freizeitpark

Bei Terroranschlägen in Indien sterben mehr als 40 Menschen. Polizei entschärft 19 weitere Sprengsätze

Christine Möllhoff[Delhi]

Bei zwei Terroranschlägen in der südindischen Millionenstadt Hyderabad sind am Samstagabend mindestens 42 Menschen, darunter auch kleine Kinder, getötet worden. Die beiden Bomben explodierten nur wenige Minuten hintereinander in einem Vergnügungspark und in einem einige Kilometer entfernten Straßenlokal. Beide Orte sind beliebte Ausflugsziele. Mindestens 50 Menschen wurden verletzt. Einige schweben weiter in Lebensgefahr, insgesamt 19 Sprengsätze konnten nach Agenturberichten rechtzeitig entschärft werden.

Offiziell hat sich noch niemand zu der Tat bekannt. „Die verfügbaren Informationen deuten darauf hin, dass Terrororganisationen aus Bangladesch und Pakistan hinter der Tat stecken“, sagte der Regierungschef von Andhra Pradesh, Y.S. Rajasekhara Reddy. Medien nannten die verbotene Terrororganisation Harkat-ul-Jehadi-Islamia. Für frühere Bombenanschläge in Indien wurde die islamische Rebellengruppe Lashkar-e-Tayyaba verantwortlich gemacht, die vom pakistanischen Teil Kaschmirs aus operiert.

Extremistische Muslime und radikale Hindu-Nationalisten verüben in Indien immer wieder Anschläge, um Spannungen zwischen den beiden größten Religionsgruppen zu schüren. Auch die Stadt Hyderabad hat eine Geschichte von gewalttätigen Zusammenstößen. Zuletzt waren Mitte Mai elf Muslime nach dem Freitagsgebet bei einem Anschlag auf die Mekka-Moschee getötet worden. Nach dem Bombenanschlag auf die Moschee hatten muslimische Demonstranten der Polizei vorgeworfen, sie nicht ausreichend zu schützen. Bei den darauffolgenden Straßenschlachten wurden fünf Menschen getötet. Die Hauptstadt des Bundesstaates Andhra Pradesh hat 6,5 Millionen Einwohner mit einer großen muslimischen Minderheit. Die Mehrheit der Einwohner ist hinduistisch. Mehr als 80 Prozent der insgesamt 1,1 Milliarden Inder sind Hindus, in Hyderabad stellen Muslims aber 40 Prozent der Bevölkerung.

Gegen 19 Uhr 45 hatte am Samstagabend zunächst eine ohrenbetäubende Explosion das voll besetzte Freiluft-Theater des Lumbini-Vergnügungsparks erschüttert, wo sich etwa 200 Menschen, darunter viele Familien, eine Lasershow ansahen. Zehn Menschen starben. „Stühle und Körper flogen durch die Luft“, erzählte ein Überlebender den Reportern. Nur wenige Minuten später ging in einem einige Kilometer entfernten Straßenrestaurant die zweite Bombe hoch. Dort starben nach Berichten 32 Menschen. Das Lokal wird von Hindus und Muslimen besucht. Fernsehbilder zeigten blutüberströmte Menschen. Die Explosionen waren so stark, dass vielen der Opfer ganze Körperteile abgerissen wurden. Vor den Krankenhäusern warteten am Sonntag verzweifelte Angehörige auf Nachrichten über das Schicksal ihrer Verwandten.

Die Polizei entdeckte in Kinos, Bushaltestellen und Fußgängerbrücken weitere 19 Sprengsätze, die entschärft wurden. Wären sie explodiert, wären „hunderte Menschen getötet worden“, sagte Polizeichef Balwinder Singh. Bei Anschlägen auf Pendlerzüge waren am 11. Juli 2006 in Bombay 184 Menschen getötet worden. Es war die schlimmste Terrorattacke seit 13 Jahren in Indien. Am 19. Februar dieses Jahres hatte ein Anschlag auf den „Friedenszug“ zwischen Indien und Pakistan 65 Menschenleben gefordert.

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