Indien : Todesurteil für Attentäter von Bombay

Die Anschläge von Bombay haben das Land traumatisiert. Der einzig überlebende Attentäter wurde nun zum Tod verurteilt.

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Neu-Delhi - Als er das Wort „Tod“ hört, fängt er an zu weinen. Ob er noch etwas sagen wolle, fragt ihn der Richter. Mohammed Ajmal Kasab verneint und blickt zu Boden. Rund 17 Monate nach der Terrorattacke auf Bombay wurde der einzig überlebende Attentäter am Donnerstag zum Tod „durch den Strick“ verurteilt – und Indien jubelte vor Freude. In Bombay tanzten Menschen auf den Straßen, verteilten Süßigkeiten und ließen Freudenböller hochgehen. „Er wird hängen, er wird hängen bis zum Tod“, schrien Reporter in die Kameras.

Auch seine Jugend half dem „Schlächter von Bombay“, wie ihn die Medien nennen, am Ende nichts: Das Sondergericht in Bombay erkannte keine mildernden Umstände an und folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft nach der Höchststrafe. Kasab habe sein Recht auf Leben und menschliche Behandlung verwirkt, befand Richter ML Tahaliyani. Er sprach damit dem Volk aus der Seele. Nicht nur Polizisten und Opfer der Terrorserie, auch Medien und Bollywood- Stars hatten in den Vortagen laut nach der Todesstrafe für den 22-jährigen Pakistaner gerufen.

Die Beweislast war von Anfang an so erdrückend, dass niemand an einem Schuldspruch zweifelte. Mit neun Mitstreitern hatte er Ende November 2008 in Indiens Finanz- und Filmmetropole Hotels, Lokale, eine U-Bahn-Station und ein jüdisches Zentrum attackiert und 166 Menschen abgeschlachtet. Ein Foto von Kasab, das ihn mit Maschinengewehr auf Menschenjagd zeigt, ging damals um die Welt. Die Attentäter sollen von einer pakistanischen Terrorgruppe trainiert worden sein, die Kontakte zu Al Qaida haben soll.

Bereits am Montag hatte das Gericht Kasab in allen 86 Anklagepunkten für schuldig befunden. Dieser habe nicht nur gemordet, sondern „Krieg gegen Indien“ geführt. Die Frage aber, die Indien wirklich bewegte, war, ob der Terrorist mit dem kindlichen Jungengesicht die Todesstrafe erhält oder mit lebenslänglich davonkommt. Die Attacke hat das Land schwer traumatisiert. Über drei Tage verfolgten die Menschen geschockt live am Fernsehen, wie die Terroristen mordend durch die Stadt zogen. Die Bilder von schreienden, blutenden Menschen und vom brennenden Nobelhotel Tal, das als Symbol indischen Stolzes gilt, brannten sich tief in die Seele der Nation ein.

Und für die meisten scheint nur die Todesstrafe die angemessene Antwort zu sein. Besiegelt ist Kasabs Schicksal aber noch nicht. Er kann das Urteil bei zwei höheren Gerichten anfechten und, wenn dies scheitert, ein Gnadengesuch einreichen. Die Volksseele mag das Urteil besänftigen, aber der Schatten des Terrors liegt weiter über Indien. Nach dem Anschlag hat Neu-Delhi die Friedensgespräche mit Pakistan abgebrochen. Indien will, dass der Nachbar härter gegen Terroristen vorgeht.

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