Politik : Indonesien: Jagd auf Amerikaner

Moritz Kleine-Brockhoff

Vier Bomben, zwei Tote, 15 Verletzte: In Ambon, auf den Molukken, starben am Freitag und am Montag zwei Männer; in Jakarta gab es am Sonntag Verletzte, als zwei Sprengsätze im Parkhaus eines Einkaufszentrums explodierten. Rund 500 Kilometer östlich der Hauptstadt stürmten gleichzeitig Hunderte islamischer Extremisten Hotels in Solo. Sie suchten Amerikaner. Als sie keine fanden, klebten die Männer Poster an die Wände: "Sobald Afghanistan angegriffen wird, müssen Amerikaner und ihre Verbündeten raus aus Solo."

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA Die Bombenanschläge waren zwar nicht gegen US-Bürger gerichtet. Auf den Molukken bringen sich seit zwei Jahren Christen und Moslems gegenseitig um - die große Ausnahme in einem Land, in dem verschiedene Religionen ansonsten friedlich zusammenleben. Doch auch in Indonesien, der mit 200 Millionen Moslems größten moslemischen Nation der Welt, melden sich nach den Terroranschlägen in den USA radikale islamische Gruppen mit antiamerikanischen Parolen und Drohungen zu Wort. "Wenn Amerika eine Patrone gegen Afghanistan schießt, werden wir alle US-Einrichtungen hier auslöschen", sagte Muhammad Kalono, der Chef der "Laskar Jundullah", einer von vielleicht zehn Gruppen, deren Mitglieder islamische Extremisten sind. Wie viele Unterstützer sie haben, weiß niemand. In den vergangenen Tagen wurden jedoch in Jakarta sehr viele T-Shirts mit dem Abbild von Osama bin Laden verkauft.

Die amerikanische Botschaft in Jakarta gab bekannt, dass "die Regierung Informationen erhalten hat, wonach extreme Elemente planen könnten, auf US-Interessen in Indonesien zu zielen." Dies könne, so die Warnung, auch amerikanische Touristen betreffen. Die Botschaft wird seit dem Wochenende von Scharfschützen der indonesischen Polizei bewacht.

Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang zwischen den jüngsten Bomben und den Ereignissen in den USA. Ex-Präsident Wahid, ein islamischer Geistlicher, war gegen die Mächtigen des Landes vorgegangen: gegen Militärs und korrupte Geschäftsleute. Die Politik der Nachfolgerin Megawati könnte anderen, nämlich islamischen Extremisten, nicht gefallen. Megawati führt eine säkulare Partei an und hat den USA Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zugesagt. Am Montag traf die Präsidentin UN-Generalsekretär Annan. Sie kündigte an, Anti-Terrorismus-Konventionen zu unterzeichnen, die Indonesien bislang nicht ratifiziert hat.

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