Politik : Indonesien: Präsident lässt Suhartos Sohn festnehmen

Der indonesische Präsident Abdurrahman Wahid hat nach dem Bombenanschlag auf die Börse in Jakarta angeordnet, den jüngsten Sohn des früheren Staatschefs Suharto festzunehmen. Das meldete am Freitag die indonesische Nachrichtenagentur Antara. Bei dem Anschlag, der mit einem Korruptionsprozess gegen den 79-jährigen Suharto in Verbindung gebracht wird, waren am Mittwoch 15 Menschen getötet worden.

Wahid ordnete die Festnahme des Suharto-Sohnes Hutomo "Tommy" Mandela Putra auf einer Kabinettssitzung am vergangenen Donnerstag an. Neben Tommy Suharto solle auch ein weiterer Mann verhaftet werden, sagte Wahid am Freitag. "Das heißt nicht, dass sie auch schuldig sind." Es gebe jedoch genügend Gründe, die das Vorgehen rechtfertigten. So könnten "weitere Anschläge verhindert werden." Der 38-jährige Tommy Suharto ist ein prominenter Geschäftsmann. Auch gegen ihn laufen Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts. Ein Anwalt der Familie Suharto sagte, Tommy befinde sich in Jakarta und wisse nichts von einem Haftbefehl gegen ihn. Nach Medienberichten scheiterte am Freitag die Festnahme des zweiten Verdächtigen.

Schon seit Tagen hatte es Spekulationen über einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Anschlag und dem derzeit gegen Suharto laufenden Korruptionsprozess gegeben. Regierungsbeamte meinten, militärische und politische Extremisten, die loyal zu Suharto stehen, stünden hinter einer Serie von Sprengstoffanschlägen in den vergangenen Wochen, um den Prozess gegen den Ex-Diktator zum Scheitern zu bringen.

Bereits am Freitagmorgen hatte Wahid "drastische Maßnahmen" gegen die Attentäter angekündigt. Bei der Telefonüberwachung eines Verdächtigen hätten sich Hinweise auf weitere geplante Anschläge in der indonesischen Hauptstadt ergeben. Bei der Suche nach den Schuldigen für das Attentat werde es "keine Heiligen Kühe" geben, betonte der Staatschef. Die Hintermänner würden unnachgiebig verfolgt.

In den vergangenen Wochen gab es mehrere Bombenanschläge in Jakarta: Am 1. August wurde der philippinische Botschafter bei einem Bombenanschlag auf seine Residenz verletzt, zwei Menschen kamen ums Leben. Im Juli explodierte eine Bombe vor dem Büro des Generalstaatsanwalts, der die Ermittlungen gegen Suharto leitet. Einen Tag vor Beginn des Suharto-Prozesses ging zudem in der Nähe des Gerichtsgebäudes ein Sprengsatz hoch. Nach Polizeiangaben gibt es zumindest zwischen den Anschlägen auf die Börse und die Botschafterresidenz Parallelen. Suhartos Anwälte wiesen indes die Spekulationen zurück, Anhänger des Ex-Präsidenten seien für die Anschläge verantwortlich.

Am Donnerstag, einen Tag nach dem Anschlag auf die Börse, sollte Suharto zu seinem zweiten Verhandlungstag vor Gericht erscheinen. Er blieb dem Prozess aber erneut aus Gesundheitsgründen fern. Seine Ärzte sagten, er sei wegen der Folgen eines Schlaganfalls nicht verhandlungsfähig. Das Gericht ordnete daraufhin eine Untersuchung Suhartos durch unabhängige Mediziner an. Der Ex-Präsident ist angeklagt, während seiner 32-jährigen Herrschaft umgerechnet 1,3 Milliarden Mark veruntreut und Familienangehörigen und Freunden zugeschanzt zu haben. Ihm droht lebenslange Haft. Mit Massenprotesten hatte die Bevölkerung 1998 Suhartos Rücktritt erzwungen.

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