Politik : Indonesien stellt Milizenchef wegen Osttimor vor Gericht Angeklagter soll Massaker

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Jakarta. Eurico Guterres ist der erste Milizenchef, der sich beim Osttimor-Verfahren verantworten muss. Seit knapp drei Monaten laufen in Jakarta mehrere Prozesse gegen indonesische Militärs, Polizisten, Beamte und gegen Milizen. Indonesien hat einen Gerichtshof für Menschenrechte eingerichtet, der sich ausschließlich mit Verbrechen beschäftigt, die 1999 in Osttimor begangen wurden. Damals hatte Indonesien das Gebiet besetzt. Als die Bevölkerung sich in einem Volksentscheid für die Unabhängigkeit entschied, zerstörten Milizen das Land. Indonesische Soldaten und Beamte sollen sie dabei unterstützt haben, rund 1000 Menschen starben.

„Wenn die Staatsanwaltschaft glaubt, genug Beweise zu haben, bitte schön“, sagte Sunaryo Saruddin, der Anwalt von Eurico Guterres. Der Milizenchef führte 1999 in der osttimoresischen Hauptstadt Dili die „Aitarak“ an, eine paramilitärische Truppe mit mehreren Tausend Mitgliedern. Seine Männer sollen 80 Prozent der Stadt zerstört und viele Menschen getötet haben.

„Euricos Anklage kommt spät, aber immerhin kommt sie“, sagte Asmara Nababan, der Generalsekretär der indonesischen Menschenrechtskommission. „Die Verfahren haben viele Mängel, aber sie sind wichtig. Endlich beschäftigt sich die indonesische Justiz mit Menschenrechtsverletzungen in unserem Land.“

Viele Prozessbeobachter kritisieren den Osttimor-Gerichtshof, die Verfahren entsprächen nicht internationalen Standards, so der Vorwurf. Alle Angeklagten sind auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft hat bisher kaum Beweise für Verbrechen vorlegen können, die Anklagen stützen sich hauptsächlich auf Zeugenaussagen.

Bislang waren nur drei Angehörige von Opfern bereit, aus Osttimor nach Indonesien zu reisen und vor Gericht zu erscheinen. In der vergangenen Woche sagten drei Osttimoresen aus, dass sie Augenzeugen von Massakern gewesen seien. „Milizen haben gemordet, die indonesische Soldaten standen dabei und taten nichts“, sagte eine Hausfrau vor Gericht. Moritz Kleine-Brockhoff

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