Politik : Indonesien: Wahid verlässt das Land - und fliegt in die USA

Moritz Kleine-Brockhoff

Der abgesetzte indonesische Präsident Wahid hat am Donnerstag sein Heimatland verlassen. Mit einem Gebet verabschiedete er sich von einigen hundert Anhängern, die zum Präsidentenpalast gekommen waren. Wahid, der Indonesien knapp zwei Jahre lang regierte, will angeblich Ärzte in den USA aufsuchen. Nach zwei Schlaganfällen ist er fast blind und teilweise gelähmt. Drei Tage lang hatte sich der islamische Gelehrte geweigert, seinen Amtssitz zu verlassen, weil er nicht akzeptieren wollte, dass er abgesetzt worden war. Am Montag hatten die Abgeordneten der Volksversammlung Wahid gestürzt und Vizepräsidentin Megawati Sukarnoputri vereidigt. Das war nur möglich, weil das Militär Wahids Befehle ignorierte und der oberste Gerichtshof einen Notstandserlass von Wahid für verfassungswidrig befand. Einer der Verfassungsrichter wurde am Donnerstag in Jakarta in seinem Auto erschossen.

Kurz bevor Wahid am Donnerstag den Palast verließ, entschieden die Abgeordneten der Nationalversammlung, dass Hamzah Haz neuer Vizepräsident Indonesiens wird. Haz gehört der islamischen "Vereinigten Entwicklungspartei" an. Seine Wahl dürfte viele Moslems im Land versöhnen, die der Partei von Präsidentin Megawati reserviert gegenüberstehen, weil dort viele Politiker Christen sind. Indonesien ist die größte islamische Nation der Welt, rund 200 der 220 Millionen Einwohner sind Moslems. Während des Machtkampfes in den vergangenen Tagen waren in der Hauptstadt vor zwei voll besetzten Kirchen Bomben explodiert, 60 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Hamzah Haz hatte noch vor zwei Jahren geholfen, Megawati Sukarnoputri als Präsidentin zu verhindern. Genau wie Wahid hatte er gesagt, dass der Präsident der erste "Sohn" Indonesiens sein sollte. Eine Frau an der Spitze des Staates war für ihn damals noch undenkbar. Wahid wurde Präsident, Haz Minister. Haz trat jedoch später zurück, als er der Korruption beschuldigt wurde. Wie er jetzt zum Vizepräsidenten gewählt worden ist, zeigt, dass die Koalition, die noch Anfang der Woche geeint gegen Wahid stand, brüchig ist. Erst im dritten Wahlgang und nach einer harten Debatte setzte Haz sich durch. Auch der Vorsitzende der Golkar-Partei, die die Diktatur des früheren Präsidenten Suharto unterstützt hatte, und zwei ehemalige Generäle bekamen viele Stimmen.

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