Politik : Indonesiens Diktator Suharto soll Milliardenstrafe zahlen

Moritz Kleine-Brockhoff

Jakarta - Indonesiens Staatsanwaltschaft hat Zivilklage gegen General Suharto erhoben. Dem Diktator wird vorgeworfen, dem Staat während seiner 32-jährigen Amtszeit 441 Millionen US-Dollar gestohlen zu haben. Diese Summe sowie Schadenersatz in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar soll Suharto nun zahlen.

Laut Klage überführte Suharto Geld von Indonesiens Zentralbank über staatliche Banken zu einer Stiftung, die er kontrollierte. Die „Yayasan Supersemar“ finanziert nach eigenen Angaben Studienstipendien. „Wir haben Beweise dafür gefunden, dass Mittel nicht nur für Stipendien, sondern auch für andere Zwecke verwandt wurden“, sagte Staatsanwalt Dachamer Munthe, der auch die Stiftung verklagte. Alex Tobya, ein ebenfalls mit dem Fall befasster Staatsanwalt, hatte Ende Mai gesagt, es sei erwiesen, dass Stiftungsgeld auf Konten von Firmen der Familie Suharto floss.

Die Zivilklage folgt dem gescheiterten Versuch der Justiz, Suharto strafzuverfolgen. Er war im Jahr 2000 wegen Korruption angeklagt, erschien aber nicht vor Gericht. Suharto ist 86 Jahre alt, hat Schlaganfälle erlitten und Darmoperationen hinter sich. Ärzte attestierten Verhandlungsunfähigkeit, das Verfahren brach zusammen. Die nun angestrebte Zivilverhandlung kann in Suhartos Abwesenheit stattfinden, Anwälte können ihn vertreten.

General Suharto hatte im Jahr 1965 die Macht übernommen. Er wurde 1967 offiziell Präsident, herrschte autoritär, sorgte für enormes Wirtschaftswachstum und trat erst 1998 unter dem Druck der Asienkrise zurück. Die Antikorruptionsorganisation „Transparency International“ hält Suharto für den schlimmsten Dieb aller Zeiten, er habe seinem Volk bis zu 35 Milliarden US-Dollar gestohlen. Menschenrechtler fordern seit Jahren Schritte gegen Suharto, außer Korruptionsaufklärung auch die Aufarbeitung der blutigen Diktatur. Moritz Kleine-Brockhoff

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