Politik : Indonesiens Hauptstadt ist der Macht Suhartos weitgehend entglitten

Regime nimmt Preiserhöhungen zurück / Bonn ruft Deutsche zum Verlassen des Landes auf / USA evakuieren JAKARTA (rtr/Tsp).Die Lage in Indonesien hat sich am Freitag dramatisch zugespitzt.In der Hauptstadt Jakarta herrschten Anarchie und Chaos.In den Flammen eines von Plünderern in Brand gesteckten Einkaufszentrums starben mindestens 110 Menschen.Unter dem Eindruck der eskalierenden Gewalt ordnete Präsident Suharto eine Rücknahme der drastischen Preiserhöhungen für Benzin an.US-Präsident Bill Clinton forderte Reformen in Politik und Wirtschaft Indonesiens.Deutschland und andere Länder riefen ihre Staatsangehörigen zum Verlassen des Inselstaats auf.Die USA und Japan bereiten Evakuierungen vor.Präsident Suharto traf am Morgen in Jakarta ein, nachdem er einen Ägypten-Besuch verkürzt hatte.Auf einer Krisensitzung mit Ministern und Beratern habe er angeordnet, "entschlossen gegen Kriminelle und Plünderer" vorzugehen, sagte Informationsminister Alwi Dahlan.Suharto betonte, er werde nicht auf Waffengewalt setzen, um im Amt zu bleiben.Es gab aber keine Hinweise auf einen baldigen Rücktritt Suhartos.Energieminister Kuntoro Mangkusubroto sagte vor dem Parlament, die drastischen Preiserhöhungen für Benzin, Diesel und Kerosin würden ab Mitternacht zurückgenommen.Indonesien hatte im Rahmen eines mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) abgestimmten Reformprogramms zur Bewältigung seiner Wirtschaftskrise die Preise für Benzin um 71 Prozent, für Diesel um 58 und für das vor allem zum Kochen genutzte Kerosin um 25 Prozent erhöht.Dies hatte auch zu Preiserhöhungen im Nahverkehr und beim Strom geführt.Die Unruhen waren als Protest gegen die Preiserhöhungen entstanden.Die Plünderungen gingen auch am Freitag weiter.Auch Wohnungen von Ausländern in den vornehmen Südbezirken Jakartas sowie ein internationales Hotel wurden von den zumeist aus den Armenvierteln stammenden Plünderern nicht verschont.Plünderungen wurden auch aus anderen Teilen des Landes gemeldet.Clinton erklärte vor dem Gipfeltreffen der führenden Industrieländer (G 8) im britischen Birmingham zur Lage in Indonesien, es sei wichtig, "daß die gegenwärtige Regierung einen Dialog mit allen Teilen der Gesellschaft" beginne und daß dieser zu realen politischen Reformen führe.Wegen der Unruhen hat Deutschland wie auch andere Staaten seinen Bürgern empfohlen, Indonesien zu verlassen.Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Bonn leben rund 3500 Deutsche in dem südostasiatischen Land, 2200 davon in Jakarta.Das Auswärtige Amt weitete seine Reisewarnung auf ganz Indonesien aus.Deutsche Reiseveranstalter kündigten an, sie würden ihre Kunden möglichst rasch ausfliegen.Bei den großen Touristikunternehmen wurden Krisenstäbe gebildet.Die USA und Japan bereiten die Evakuierung ihrer Bürger aus Indonesien für die nächsten Tage vor.

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