Politik : Indonesische Milizen töten über 100 Menschen

Nach der Entscheidung der Bürger Ost-Timors für die Unabhängigkeit haben zu Indonesien haltende bewaffnete Banden die Inselhälfte mit Gewalt und Terror überzogen. Nach Schätzungen vom Montag wurden über 100 Menschen getötet. Tausende ergriffen die Flucht; auch ausländische Journalisten verließen die Hauptstadt Dili. Nach Angaben der indonesischen Polizei ist die Situation außer Kontrolle geraten. Bischof Belo wurde nach Angaben seiner Kirche von der indonesischen Polizei ausgeflogen, nachdem Milizen seine Residenz überfallen hatten. Ausländer berichteten, sie hätten auf Stangen aufgespießte Menschenköpfe gesehen. Neben den Straßen hätten verstümmelte Leichen gelegen.

Unterdessen werden im Ausland immer mehr Stimmen laut, die das Eingreifen der UN in Ost-Timor fordern. Ein Vertreter des britischen Außenministeriums sagte, die Spirale der Gewalt müsse durchbrochen werden. Ähnlich äußerte sich US-Außenministerin Albright, die eine Intervention nicht ausschloss. Für die Sicherheit der UN-Mitarbeiter könne angesichts der jüngsten Entwicklungen nicht mehr garantiert werden, erklärte ein UN-Sprecher im australischen Canberra. Daher habe die UN beschlossen, am Montag und Dienstag 204 ihrer Mitarbeiter auszufliegen.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer, warnte vor einer Belastung der deutsch-indonesischen Beziehungen wegen der Krise in Ost-Timor. Wenn sich die Regierung in Jakarta weigere, das Unabhängigkeitsvotum anzuerkennen, werde sich dies auf die "traditionell sehr guten Beziehungen" zwischen beiden Ländern auswirken.

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