Politik : Industrie will Panther retten

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Berlin. Nach dem Rückzug des Verteidigungsministeriums vom Panzer-Projekt „Panther“ hat die deutsche Rüstungsindustrie neue Vorschläge gemacht. Entsprechende Verhandlungen fanden am Montag im Ministerium statt. Dies teilte ein Sprecher in Berlin mit. Zum Inhalt machte er keine Angaben. Das Verteidigungsministerium hatte das milliardenteure Rüstungsprojekt überraschend mit der Begründung gestoppt, die Entwicklung des neuen Schützenpanzers dauere zu lange. Die Industrie – die Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall DeTec – könne die ersten „Panther“ frühestens 2008 liefern. Benötigt würden sie aber bereits 2004.

Nach Presseberichten wollten die beiden Unternehmen vorschlagen, einen ausländischen Panzer in Lizenz zu bauen. Als Favorit gilt der schwedische „CV 9030“, dessen nach Bundeswehr-Auffassung unzureichender Schutz gegen Minen nun von einem deutschen Ingenieurbüro verbessert werde. Das Heer hatte den schwedischen Panzer als untauglich bezeichnet.

Die Opposition wirft dem Scharping-Ministerium vor, den Verteidigungsausschuss brüskiert zu haben. Dies sagte der CSU- Wehrexperte Christian Schmidt am Montag. Er wies darauf hin, der Verteidigungsausschuss könne sich als Untersuchungsausschuss konstituieren, sagte indes zugleich, dass dies in der ablaufenden Legislaturperiode kaum mehr realisierbar sei. „Die Regierung hat offensichtlich gegen ihre Pflicht zur Information des Parlamentes verstoßen“, sagte Schmidt. Eine Sondersitzung des Verteidigungsausschusses am 14. August soll sich nun mit dem „Panther“ befassen.

Schmidts Ansicht nach könnte der bislang benutzte „Marder“ durchaus „noch vier, fünf Jahre überstehen“, bis der „Panther“ fertig sei. „Kurz vor der Ziellinie ist Scharping wohl die Luft ausgegangen“, sagte Schmidt. Für die Opposition stelle sich jetzt die Frage, inwieweit die deutsche Rüstungsindustrie geschützt werden müsse. Krauss-Maffei Wegmann zeigte sich tief enttäuscht über die Absage. „Der geplante Panzer ist die einzige Neuentwicklung für die deutsche Landsystem-Industrie in dieser Dekade. Deshalb ist es für uns von großer Bedeutung“, sagte Unternehmenssprecher Alexander Reinhardt in München. Robert von Rimscha

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