Inhaftierte Journalisten : Berlin verteidigt Kurs gegenüber Teheran

Seit fast drei Monaten werden zwei deutsche Journalisten im Iran festgehalten. Die Koalition in Berlin wies nun Vorwürfe zurück, sich nicht ausreichend für die Freilassung der beiden Männer einzusetzen.

Die Bundesregierung setzt sich gegen Vorwürfe einer zu laschen Haltung bei den Bemühungen um eine Freilassung der beiden im Iran inhaftierten deutschen Journalisten zur Wehr. Der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans wies den Vorwurf, Teheran gegenüber einen „Kuschelkurs“ zu verfolgen, am Montag zurück. „Wir können diese Bewertung nicht nachvollziehen.“ Die beiden Reporter der „Bild am Sonntag“ werden seit bald drei Monaten festgehalten. Alle Hoffnungen auf eine Freilassung haben sich bislang zerschlagen. Steegmans betonte, dass auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) alles unternehme, „um in dieser schwierigen Angelegenheit hilfreich zu sein“. Nähere Auskünfte gab der Regierungssprecher nicht.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) kritisierte die Führung im Iran wegen neuer Drohungen gegen die beiden inhaftierten deutschen Reporter und forderte deren rasche Freilassung. „Die Meldungen aus dem Iran hinterlassen erneut viele Fragezeichen. Die Bundesregierung wird die weitere Entwicklung sehr aufmerksam beobachten“, sagte die Ministerin der „Bild“-Zeitung vom Montag. „Nach wie vor wollen wir erreichen, dass die beiden deutschen Journalisten bald nach Deutschland zurückkehren können.“

Ein Sprecher des Außenministeriums bekräftigte: „Die Bundesregierung setzt sich sowohl nach außen als auch bei den internen Gesprächen unmissverständlich für eine möglichst rasche Rückkehr der beiden Deutschen nach Deutschland ein.“ Die zwei Journalisten waren am 10. Oktober in der Provinzhauptstadt Täbris bei dem Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt der Iranerin Sakineh Mohammadi-Aschtiani zu interviewen. Ihnen wird ein Verstoß gegen Visabestimmungen vorgeworfen. Mohammadi-Aschtiani sollte zunächst wegen Ehebruchs gesteinigt werden; nun könnte sie wegen Beihilfe zur Ermordung ihres Ehemannes zum Tode durch den Strang verurteilt werden.

Am Wochenende hatten hundert Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport vom Iran in einem von der „Bild am Sonntag“ veröffentlichten Appell die Freilassung der beiden Journalisten gefordert. (dpa/AFP)

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