Inhaftierter soll freigepresst werden : Salafisten drohen mit Entführungen

Im Mai verletzte der Salafist Murat K. bei einer Demo zwei Polizisten mit Messerstichen schwer - er wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Jetzt droht ein aus Berlin stammender Gesinnungsgenosse mit Entführungen, um den Mann freizupressen.

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Der Salafist Murat K. im Oktober im Landgericht Bonn
Der Salafist Murat K. im Oktober im Landgericht BonnFoto: dpa

In den Sicherheitsbehörden wächst die Sorge vor Anschlägen islamistischer Einzeltäter. Anlass ist das in dieser Woche im Internet aufgetauchte Drohvideo des aus Berlin stammenden Salafisten Denis Cuspert, der vor seiner Radikalisierung bekannt geworden war als Rapper „Deso Dogg“. Cuspert, der sich vermutlich im ägyptisch-libyschen Grenzgebiet aufhält, kündigt in dem Streifen die Geiselnahme von Deutschen an. Mit den Entführungen soll der türkische Salafist Murat K. freigepresst werden, der im Mai bei Krawallen in Bonn zwei Polizisten mit Messerstichen schwer verletzte. Murat K. und weitere Salafisten hatten gegen einen Auftritt der islamfeindlichen Gruppierung „Pro NRW“ protestiert. Das Bonner Landgericht verurteilte K. im Oktober zu sechs Jahren Haft.

In dem Video bezeichnet Cuspert den Messerstecher als „Löwen“ und verkündet, „wir werden niemals ruhen, ehe wir dich nicht aus deiner Gefangenschaft befreit haben“. Man werde Deutsche „gefangen nehmen, bis du frei bist für deine edle Tat“. Cuspert droht auch, jeder, der den Propheten Mohammed beleidige, „wird geschlachtet, ob fern oder nah“. Sicherheitskreise befürchten, dass solche Sätze gerade junge Islamisten anstacheln, die sich über das Internet radikalisieren. Experten verweisen auf den Kosovaren Arid Uka, der im März 2011 im Alter von 21 Jahren am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschoss. Uka, der keiner Organisation angehörte, hatte sich vor allem über Hetze von Salafisten im Internet radikalisiert.

Das aktuelle Video ist bereits das dritte von Cuspert, das seit seiner Ausreise nach Ägypten bekannt wurde. Als verantwortlich für den Kurzfilm gilt neben dem Ex-Rapper der aus Österreich stammende Salafist Mohamed Mahmoud. Er führte in Deutschland zusammen mit Cuspert die Vereinigung „Millatu Ibrahim“, die Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) im Juni verbot. In dem Drohvideo sind Symbole von Millatu Ibrahim zu sehen. Verbreitet wird der Film allerdings über die „Globale Islamische Medienfront (GIMF)“. Die GIMF hat Propaganda von Al Qaida ins Internet gestellt. Ein  Wiener Gericht verurteilte Mahmoud 2008 wegen eines terroristischen Drohvideos zu vier Jahren Haft.

Einen direkten Zusammenhang zu dem gescheiterten Bombenanschlag in Bonn, für den mutmaßlich Salafisten verantwortlich sind, sehen Sicherheitsexperten derzeit nicht.

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