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Initiative zur Abwahl des Oberbürgermeisters : 80.000 Bürger wollen Neuanfang in Duisburg

Mehr als ein Jahr nach der Loveparade-Katastrophe wird noch immer vor allem einer verantwortlich gemacht: Bürgermeister Adolf Sauerland. Eine Bürgerinitiative will nun seine Abwahl erzwingen.

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Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland könnte im Dezember sein Amt verlieren.
Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland könnte im Dezember sein Amt verlieren.Foto: dapd

Theo Steegmann korrigiert sich in diesem Fall gerne. Als der Leiter der Initiative „Neuanfang für Duisburg“ pünktlich um 13 Uhr an diesem Montag die improvisierte Pressekonferenz im Café Museum eröffnet, muss er sich die genaue Zahl der Unterschriften zurufen lassen. „79144“, verkündet er stolz und bedankt sich artig bei jenen, die in den zurückliegenden 17 Wochen Unterschriften für die Einleitung eines Abwahlverfahrens gegen Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) wegen der Loveparade-Katastrophe gesammelt haben. Bevor Steegmann seinen kleinen Vortrag beendet, bekommt er eine neue Zahl und auch dieses Mal huscht ein Lächeln über sein Gesicht. „Ich höre gerade, wir sind jetzt bei 79149“, ruft der Mann aus, dessen Kampfgeist vor 25 Jahren im Widerstand der Krupp-Werker gegen die Schließung der Hütte in Rheinhausen geschärft wurde.

Die Loveparade und ihre Folgen
Gegen 16 Personen wird wegen des Loveparade-Unglücks ermittelt. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist nicht darunter.Weitere Bilder anzeigen
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18.01.2011 16:42Gegen 16 Personen wird wegen des Loveparade-Unglücks ermittelt. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist nicht darunter.

Während Steegmann und seine Mitstreiter diese Zahl der Öffentlichkeit verkünden, sitzt Sauerland in seinem Dienstzimmer. Mit wenigen Beratern feilt er an den Worten, die er wenig später vor der Ratssitzung sagen wird. Auf den Fluren des Rathauses herrscht eine gewisse Anspannung, weil irgendjemand die Parole verbreitet, er könne womöglich noch an diesem Tag das Feld räumen und damit endgültig die Verantwortung für das tragische Geschehen übernehmen.

Im Rathaus selbst würden das viele als Befreiungsschlag verstehen. Wer nicht unmittelbar im Büro des Christdemokraten arbeitet, hat eine klare Meinung zu den Vorgängen; er trägt sie aber erst vor, wenn man verspricht, den Namen nicht zu nennen. „Hier herrscht ein Klima der Angst“, berichten mehrere Angestellte und fügen hinzu, dass sich viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung nicht an der öffentlichen Unterschriftensammlung beteiligt haben, weil sie Repressalien befürchten. „Sauerland hat seine Häscher ausgeschickt, die berichten ihm, wer gegen ihn ist“, wird da erklärt.

Während er das sagt, steht Sauerland vor den Mikrofonen. Nach wenigen Sekunden wird klar, dass er nicht kampflos aufgibt. „Ich werde meine Arbeit machen, bis es ein anderes, demokratisches Votum gibt“, lautet sein zentraler Satz. Da ertönt ein gellendes Pfeifkonzert, weil sich hinter den Journalisten viele Sauerland-Gegner aufgebaut haben. Nach wenigen Minuten ist der gespenstische Auftritt vorbei.

Sauerland wird die Ratssitzung nicht leiten, in der die Unterschriften übergeben werden. So muss man ihm berichten, was dort passierte: Auf dem Weg vom Café Museum ins Rathaus hat sich die Zahl der Unterschriften noch einmal erhöht: Inzwischen haben 79193 Menschen den Abwahlantrag unterzeichnet; so viele, dass der Rat im Dezember kaum anders kann, als ein offizielles Abwahlverfahren zu eröffnen.

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