Politik : Initiativen stellen ihre Projekte vor - Kritik an Organisatoren

Christian Nohr

"Hinschauen, Handeln, Helfen" war weithin als Motto auf dem großen Transparent über den Ständen auf dem Bebelplatz zu lesen. Begleitet von Bauchtänzerinnen und Trommelgruppen hatten sich dort gestern etwa 100 Initiativgruppen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit versammelt, um ihre Arbeit vorzustellen. Während in der Staatsoper vor 350 Gästen die offizielle Eröffnungsfeier für das "Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt" stattfand, konnten sich die Besucher an den Ständen über verschiedene Projekte informieren.

Auf der großen Bühne unmittelbar vor der Staatsoper herrschte den ganzen Tag lang rege Betriebsamkeit. Seit 12 Uhr begleiteten dort die Moderatoren Steffen Simon (Sat 1) und Anne Will (ARD) das Programm. Zum Beispiel gab es eine Podiumsdiskussion, bei der Experten auch die Frage diskutierten: "Wie gehe ich mit meiner Angst um, wenn in der U-Bahn ein Ausländer angegriffen wird?" Ab 14 Uhr wurde der Festakt aus der Staatsoper auf einer Großleinwand übertragen. Zwischendurch sorgte die ungarische Folk-Band "The Transsylvanians" und die Berliner Hip-Hop-Formation "Die 3. Generation" für die musikalische Auflockerung.

Ein Manko hatte die Veranstaltung allerdings. Viele Vertreter der einzelnen Initiativen fühlten sich von offizieller Seite im Stich gelassen. Auf die Frage, was denn das Bündnis gegen Extremismus und Gewalt für ihre alltägliche Arbeit bedeute, konnte kaum einer der Befragten genaue Angaben machen. "Wir haben von der Veranstaltung erst vor ein paar Tagen erfahren. Was uns das Bündnis effektiv bringen wird, weiß ich nicht. Mehr finanzielle Unterstützung unserer Arbeit aber wohl kaum", bemängelte Katja Röhrig vom Interkulturellen Netzwerk Berlin. Auch Nazim Tursun vom Büro der Ausländerbeauftragten des Landes Bremen konnte die Frage nach den geplanten Aufgaben und Strukturen der neuen Bündnisses nicht beantworten. Dabei hieß es in den Informationsbroschüren des Bundesinnenministeriums, die Initiativen seien dessen Rückgrad und Basis.

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