Politik : Innenminister: Jugoslawen müssen zurück in ihre Heimat

BONN/PRAG/PRISTINA (rak/AP). Alle jugoslawischen Staatsangehörigen, die in Deutschland kein Bleiberecht haben, müssen in ihre Heimat zurückkehren. Das hat die Ständige Konferenz der Innenminister (IMK) am Montag während einer Sondersitzung in Bonn entschieden. Die freiwillige Rückkehr dieser Personen soll unterstützt werden. An dem Aufbau der internationalen Polizeitruppe im Kosovo wird sich Deutschland nach einem IMK-Beschluß mit insgesamt 210 Polizisten beteiligen. Die Länder werden zwei Drittel und der Bund ein Drittel dieser Beamten stellen.

Ungeachtet der Übergriffe auf die serbische Bevölkerung im Kosovo leiteten die UN am Montag die organisierte Rückführung der vertriebenen Albaner in die Provinz ein. Der Oberkommandierende der Kosovo-Schutztruppen (KFOR), General Jackson, äußerte die Hoffnung, daß sich mit der Stationierung russischer Truppen die Lage entspannen würde. Rußland schickte am Montag drei Transportflugzeuge mit weiteren Soldaten und Material nach Pristina.

Mit der Rückkehr der Kosovo-Albaner wuchsen die Spannungen zwischen den Volksgruppen - diesmal unter umgekehrten Vorzeichen. Am Sonntag waren nach Nato-Angaben mindestens drei Serben getötet worden. In mehreren Orten verwüsteten Albaner Häuser von Serben. Nato-Oberbefehlshaber Clark sagte am Montag in der BBC, im Kosovo herrsche eine schreckliche Wut unter den Albanern angesichts der Dinge, die ihnen zugefügt worden seien.

Tschechiens Präsident Havel hat derweil als erster Staatsoberhaupt eines Nato-Staats das Kosovo besucht. Während seines eintägigen Arbeitsaufenthalts in Albanien flog Havel am Sonntag für einige Stunden nach Prizren und besuchte das von Serben verwüstete Dorf Pirane. Vor den zurückgekehrten Vertriebenen sagte Havel: "Wer ein Verbrechen begeht, sollte bestraft werden. Das bedeutet aber nicht, daß ein Volk andere Menschen aus ihrer Heimat vertreiben darf." Havels Abstecher sorgte in Prag für Wirbel. Die sozialdemokratische Minderheitsregierung bemängelte, daß der Präsident Jugoslawiens Gebiet ohne Einladung aus Belgrad betrat. Parlamentspräsident Klaus bezeichnete Havels Besuch als eine "falsche Geste ohne Wirkung".

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