Innere Sicherheit : Terroristen planten "massive Bombenanschläge"

Die Polizei hat im Sauerland drei mutmaßliche Terroristen festgenommen und damit laut Generalbundesanwältin Monika Harms einen der "bislang schwerwiegendsten" Anschlagspläne in Deutschland aufgedeckt. Ziel der Islamisten waren US-amerikanische Einrichtungen wie Flughäfen und Diskotheken.

Frankfurt/Medebach Mit der Festnahme von drei mutmaßlichen Terroristen haben die Sicherheitsbehörden nach Angaben von Generalbundesanwältin Monika Harms "massive Bombenanschläge" in Deutschland verhindert. Laut Harms handelt es sich um zwei Deutsche und einen türkischen Staatsbürger. Die drei Männer sind Mitglieder einer deutschen Zelle der islamischen Dschihad-Union und planten Terrorattacken gegen mehrere US-Einrichtungen geplant. Der Bundesgerichtshof erließ gegen alle drei Haftbefehl.

Durch die Festnahme seien Bombenschläge mit verheerender Wirkung verhindert worden. "Heute ist aus unserer Sicht daher ein guter Tag für die Sicherheit in Deutschland", sagte Harms. Die drei Verdächtigen - zwei Deutsche und ein Türke - hatten sich bereits zwölf Fässer mit insgesamt 730 Kilogramm Wasserstoffperoxid und Material zum Herstellen von Bomben beschafft. Am Dienstag sollen sie in einem angemieteten Haus im Hochsauerland begonnen haben, die Bombe zusammenzubauen. Die Wirkung wäre vergleichbar mit 550 Kilogramm TNT gewesen.

Alle drei Festgenommenen hätten in Pakistan eine terroristische Schulung durchlaufen. Die islamische Dschihad-Union sei eine in Zentralasien aktive sunnitische Gruppierung. Da die Gruppe über viele Monate von den deutschen Behörden überwacht worden sei, habe keine Gefahr für die Bevölkerung bestanden. Bundesweit seien im Anschluss an die Festnahmen 30 Einrichtungen durchsucht worden.

Schäuble erleichtert über Fahndungserfolg

Die durch die Festnahme vereitelten Anschläge sollen nach den Worten von Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) unmittelbar bevorgestanden haben. "Es gibt handfeste Indizien dafür, dass es nicht mehr lange gedauert hätte, bis die Terroristen zugeschlagen hätten. Das wäre vielleicht ein Zeitraum von wenigen Tagen gewesen", sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtensender N24. Nach Informationen des Südwestrundfunks (SWR) sollen die Verdächtigen Sprengstoffanschläge geplant haben. Einer der Verdächtigen habe Ende 2006 versucht, Gebäude in Hanau auszuspähen, teilte die Generalbundesanwältin mit.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) äußerten sich erleichtert über den Fahndungserfolg. Schäuble sagte, die Täter seien "hoch konspirativ" vorgegangen und hätten mit "hoher Energie" ihre Planungen für Bombenanschläge verfolgt. Zypries sagte, die Erkenntnisse der Behörden müssten sorgfältig ausgewertet werden. Die mutmaßlichen Terroristen hätten überwiegend über das Internet kommuniziert. Ihre Beobachtung sei schon nach geltender Rechtslage möglich gewesen. Dafür sei die umstrittene von Schäuble verfolgte Online-Durchsuchung nicht erforderlich gewesen.

Anschläge am 11. September geplant?

Bosbach zufolge gehen die Ermittler davon aus, dass die Anschläge eine verheerende Wirkung gehabt hätten. "Wir kennen den Sprengstoff, der verwendet werden sollte. Wir wissen, dass die Verdächtigen auch Zünder hatten." Es habe Anhaltspunkte dafür gegeben, dass die mutmaßlichen Terroristen die rheinland-pfälzische US-Luftwaffenbasis Ramstein und den Frankfurter Flughafen als mögliche Anschlagsziele in Betracht zogen. Auch den Zeitpunkt der geplanten Attentate hielt Bosbach für plausibel: "Wenn man den Kalender durchblättert, ist man in ein paar Stunden am 11. September, und der Deutsche Bundestag entscheidet im Oktober über die Fortsetzung des Afghanistan-Mandats."

Bei den Festgenommenen handelt es sich um die beiden deutschen Konvertiten Daniel S. aus dem Saarland und Fritz G. aus Neu-Ulm in Bayern sowie Adem Y., der offenbar aus der Türkei kommt, meldete "Spiegel Online". Gegen die Personen wird seit mehreren Monaten intensiv ermittelt.

Auf der Flucht gefasst

Bei der Festnahme der Verdächtigen im nordrhein-westfälischen Oberschledorn unterlief der Polizei eine Panne. Ziercke sagte, nach Beginn des Einsatzes der Eliteeinheit GSG9 sei einer der Verdächtigen am Dienstagnachmittag aus einem Badezimmerfenster auf der Rückseite des Ferienhauses gesprungen. Nach 300 Meter hätten ihn BKA-Beamte eingeholt, die das Haus umstellt hatten. Dem Verdächtigen sei es aber gelungen, den Beamten eine Dienstwaffe zu entreißen. Bei einer Auseinandersetzung, bei dem der Verdächtige die Waffe auf einen Polizisten gerichtet habe, habe sich ein Schuss gelöst. Nach längerem Gerangel wurde der Verdächtige dann überwältigt.

Die Festnahmen bestätigen nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) die dringenden Warnungen der Sicherheitsbehörden vor einer erhöhten Terrorgefahr in Deutschland. Die Festnahmen zeigten aber auch, dass die Terrorgefahr für Deutschland nicht hoch genug eingeschätzt werden könne. "Die Erkenntnisse, dass deutsche Extremisten in pakistanischen Terrorlagern offenbar für Anschläge in Deutschland fit gemacht wurden, geben Anlass zu der Sorge, dass die Gefahr auch nach dem jüngsten polizeilichen Erfolg keinesfalls gebannt ist." (mit ddp/dpa/AFP)

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