Politik : Innere Werte

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Das Großraumbüro in der Potsdamer Straße wirkt so, als habe sich am Mobiliar seit der Erstausstattung vor 20 Jahren nichts geändert. Aber auf Äußerlichkeiten legt Berlins Ausländer- oder Integrationsbeauftragte Barbara John keinen sonderlichen Wert. Die heute 64-Jährige wurde in der Amtszeit Richard von Weizsäckers als Regierender Bürgermeister für dieses Amt nominiert. Seitdem ist sie, von ihren Bewunderern „Große Schwester“, von ihren Kritikern „Türkenbärbel“ genannt, so etwas wie das soziale Gewissen der Stadt in allen Fragen der Migration. John gehört der CDU an, war für die Union Abgeordnete in Kreuzberg. Aber sie hat sich über alle Parteigrenzen hinweg großen Respekt erworben wegen ihrer unabhängigen, bis zur Querköpfigkeit auf Gerechtigkeit pochenden Grundeinstellung. „Deutsch als Zweitsprache“ und die Integration vor allem der Frauen sind ihr besonders wichtig. Denn, ohne Sprachkenntnisse keine Arbeit, ohne Arbeit keine Unabhängigkeit, das hatte Barbara John früh begriffen. Zum Beginn ihrer Amtszeit war das noch leichter, damals gab es praktisch keine arbeitslosen Ausländer in Berlin – ohne Job kam niemand rein in den Westteil der Stadt. Weil sie alles kennt und jede Entwicklung im Kopf hat, möchte sie gerne ehrenamtlich weiterarbeiten. Für die nächsten zwei Jahre hat sie schon Pläne. Loslassen könnte sie freilich schon, wenn es sein muss. Aber da ist doch noch so viel Arbeit, die getan werden muss. apz

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