Politik : Insel-Leben

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Ruhigen Mutes werde er zu seiner Hinrichtung gehen, hatte Abdullah Öcalan in einem Kassiber von der Gefängnisinsel Imrali erklärt. „Ich habe nie geheult und nie geklagt, nicht geflucht und nicht gebettelt“, hieß es darin. „Das werde ich bis zum Ende durchhalten.“ Dreieinhalb Jahre hat der kurdische Rebellenchef auf Imrali philosophische und religiöse Werke gelesen und über das nahende Ende am Galgen nachgedacht, das ihm nun erspart bleibt: Nachdem das türkische Parlament die Todesstrafe abgeschafft hat, wird die Vollstreckung des gegen den PKK-Chef verhängten Todesurteils hinfällig: Öcalan darf leben.

Die Entscheidung kam am dritten Jahrestag von Öcalans Befehl an die PKK, ihre Truppen aus der Türkei abzuziehen. Damit wurde ein 15-jähriger Krieg beendet.

Dass der PKK-Chef nun mit dem Leben davonkommt, bereitete den Abgeordneten im Parlament große Bauchschmerzen. Vor die Wahl zwischen Europa und Öcalan gestellt, wählten sie aber doch die EU. Öcalan kann nun seine Lektüre auf Imrali fortsetzen. Über das Klima dort klagt er allerdings mitunter, weil es seinen Nebenhöhlen nicht bekomme. Mit seinem Schicksal diene er aber der historischen Entwicklung der Türkei, erklärte der PKK-Chef: „Ich empfinde es als Ehre." güs

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