Inselrepublik : Wissenswertes über Palau

Palau: Diese Inselstaatrepublik muss man auf der Weltkarte erst suchen – und doch interessiert sich plötzlich alle Welt dafür. Hier einiges Wissenswerte.

Annette Kögel
Palau
Der mikronesische Inselstaat Palau. -Foto: ddp

Der mikronesische Inselstaat hat sich bereit erklärt, ein gutes Dutzend Insassen aus dem Militärgefängnis Guantanamo aufzunehmen. Diese Menschen sind Uiguren, sie gehören der muslimischen Minderheit in China an. Die 200-Millionen-Dollar-Unterstützung, die dann parallel aus den USA im Gegenzug nach Palau überwiesen werden soll, sei aber schon lange ausgemacht, teilte das US-Justizministerium mit. Der palauische Präsident Johnson Toribion sagte, es handele sich „um eine humanitäre Geste“.

Was erwartet die Chinesen mitten im Pazifik? Normalerweise ist es gar nicht so leicht, nach Palau zu kommen: Die Langstreckenflüge führen über den Inselstaat Guam oder über Manila, Philippinen. Ein  Blick auf die Weltkarte, da muss man die Inselchen wirklich suchen: Der mikronesische Inselstaat Palau liegt östlich der Philippinen und nördlich von Papua Neuguinea im Pazifik. Palau, dazu gehören acht Hauptinseln sowie 220 kleine Eilande, die meisten von ihnen sind nicht besiedelt. Würde man sie alle nebeneinander legen, käme mit zusammen 490 Quadratkilometern nur etwa die halbe Fläche der Ostseeinsel Rügen heraus.

Alle miteinander bilden ein feuchtschwüles Tropenparadies, das sich bestens als Motiv für einen Computer-Bildschirmschoner eignen würde. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit scheint allerdings bei einer Durchschnittstemperatur von 27 Grad nicht immer die Sonne, sondern hohe Wolkenberge türmen sich über der Inselgruppe vulkanischen Ursprungs. Und dann schüttet es immer mal wieder kräftig, und Stürme fegen über den graublauen Pazifik.

Auf Palau leben rund 20.000 Menschen, viele; von ihnen auf der Hauptinsel Kuror - die ist mit Dämmen mit anderen Inseln verbunden.
Die Frage nach der Hauptstadt von Palau würde sich bestens für „Wer wird Millionär“ eignen: Früher war das Kuror, heute Melekeok auf der Insel Babelthuap.

Touristen auf der nicht weit entfernten Südsee-Insel Samoa wundern sich oft, dass sie während der Reise auf der anderen Seite der Welt plötzlich Insulaner treffen, die in die katholische Kirche gehen, beten, christlich geprägt sind.

Ähnlich verhält es sich auch auf Palau. Denn die Inseln waren von 1899 bis 1914 deutsche Kolonie. Vielleicht klingt die Nationalhymne deswegen auch ein bisschen militärisch. Die Menschen sind überwiegend Christen, Katholiken und Protestanten, etwa 10 Prozent der Bevölkerung gehören der einheimischen Modekngei-Religion an.

In der Republik Palau leben rund 70 Prozent Palauer (Mikronesier mit malaiischen und melanesischen Einflüssen, 28 Prozent Asiaten (Filipinos, Chinesen, Vietnamesen), zwei Prozent Nordamerikaner und auch einige Europäer. Die Amtssprachen sind Palauisch und Englisch, aber auch einige weitere mikronesische Sprachen werden gesprochen.

Besiedelt wurden die Inseln um 1000 vor Christus vom heutigen Indonesien aus. Als erster Europäer kam 1543 der spanische Seefahrer Ruy López de Villalobos dorthin. 1899 verkaufte Spanien den Archipel an das Deutsche Reich – und bis zum Ersten Weltkrieg baute Deutschland in seiner Südsee-Kolonie unter anderem Phosphat ab. Von 1914 an beherrschten die Japaner die Inseln, bis sie im Zweiten Weltkrieg von den USA nach schweren Kämpfen vertrieben wurden, daran erinnerte zuletzt auch die Tagesschau in einem Bericht.

Kein Wunder, dass die Inseln heute bei Tauchtouristen vor allem aus dem nahe gelegenen Japan sehr beliebt sind. „Da liegen jede Menge Weltkriegswracks, und die Unterwasserwelt ist prächtig, die Riffe intakt“, sagt Christian Wendt von der Berliner Tauchschule Atlantis.  Nach der einschlägigen Forbes-Liste gehört Palau zu den zehn schönsten Tauchrevieren der Welt – mit seinem Tauchrevier „Blue Corner“. Am 13. Juni gehen übrigens viele Insulaner mit Badesachen ins Wasser, da startet der „Palau Open Ocean Swim“. Der 37-jährige Tauchlehrer Wendt aus Friedrichshain-Kreuzberg war schon vier Mal auf Palau, das letzte Mal gerade im April. Er weiß von regelrechtem „Pazifikkriegstourismus“: Viele Veteranen zeigen ihren Familien, wo sie früher mal kämpften.  Am 1. Juli lädt Palau zur Tagung „Die Archäologie der Pazifischen Inseln im 21. Jahrhundert“ – das passt.

So reisen eher ältere, zahlungskräftigere Kunden nach Palau, für eine gute Woche Tauchurlaub zahlt man von Deutschland aus 3000 Euro aufwärts. Der Tourismus ist somit der wichtigste Wirtschaftszweig, wenn er einem aus europäischen Sicht auch noch nicht besonders ausgebildet erscheint.

Ein paar schicke Hotels gibt es aber schon, die kleinen Inseln sind sehr amerikanisch geprägt: Viele Burgerbuden an jeder Ecke, vielleicht erklärt sich so auch die zumeist kräftige Statur der Insulaner. Aber so ist das Schönheitsideal hier nun mal. Die Palau-Bewohner sind dunkelhäutig, mit Südsee-Gesichtszügen. Traditionell wird auf den Inseln viel Süßkartoffel gekocht. Viele  Lebensmittel werden von den Philippinnen importiert. Palau gehörte nach der deutschen Kolonialzeit zum UN-Treuhandgebiet Mikronesien, das von Washington verwaltet wurde. 1981 erhielten die Inseln dann ihre innere Autonomie. Der Weg in die Unabhängigkeit verzögerte sich indes, weil sich der Inselstaat zur atomwaffenfreien Zone erklärte und auch den US-Kriegsschiffen mit Nuklearantrieb das Anlaufen verwehrte. Nachdem Washington mehrere hundert Millionen Dollar auf den Inseln investiert hatte, gab Palau seine Haltung auf. Auch jetzt wollen die USA im Gegenzug zur Aufnahme der Uiguren aus Guantanamo ihre Entwicklungshilfe ausbauen.

Die Republik Palau ist seit 1994 unabhängig, die USA sind – so legte es ein Assoziierungsvertrag fest - aber weiterhin für Außenpolitik und Verteidigung der Inselgruppe zuständig.

Womit man auf Palau seinen Lebensunterhalt verdienen kann? In der Tauchbranche, als Fischer, in der Landwirtschaft, beim Anbau von Tarot, Papaya, Mango.

Der Berliner Palau-Kenner  Christian Wendt meint, dass die Angehörigen der chinesischen, muslimischen Minderheit auf den Inseln möglicherweise als Fachkräfte einen Job finden könnten. Da herrscht Mangel, es gibt ja keine großen Ausbildungsbetriebe auf den Inseln. In der Landwirtschaft würden wohl Leute gesucht. In den Werften gibt es auch immer was zu tun. Die Uiguren sollten auf jeden Fall die Inselsprache sowie Japanisch und Englisch lernen. Sie müssen sich auf jeden Fall wohl einen Ruck geben, mit Japanern zu arbeiten, denn die beiden Nationen sind wegen des Japan-China-Kriegs noch heute nicht gut aufeinander zu sprechen.

Sie könnten ihnen die Inseln zeigen, von denen einige höher aus dem Meer ragen als etwa die Malediven, was sie vor Überflutung infolge der Klimaerwärmung schützt. Die meisten Inseln sind jedoch Atolle aus Korallenkalk, die nur wenige Meter über den Meeresspiegel hinausragen.

So wunderschön die kleinen mirkonesischen Inseln sich im Pazifikblau dahinstrecken, der Berliner Tauchlehrer Christian Wendt sagt: „Für den Urlaub ist es dort wunderschön, aber leben möchte ich da nicht.“

Horst Palau aus Berlin-Wedding kann auch noch etwas beitragen: „Mein Name kommt von den Hugenotten", sagt Palau. Er meint, der Name gehe auf  französische Seefahrer zurück. Dann hätte er doch was mit den Inseln zu tun. Nein, in Palau selbst war er noch nie. „Aber ich würde schon sehr gerne da hin“, sagt Horst Palau.

Hören Sie die Nationalhymne von Palau:  http://www.kengeo.com/de/Palau/details

Wetterwebcam Palau:
  http://www.meteoonline.at/webcam/Ozeanien/Palau/241

Offizielle Homepage:
  http://www.visit-palau.com

Infos zu Reisen nach Palau:
   http://www.atlantis-berlin.de/content/view/60/113/

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