Politik : Inserate aus Frust über die Politik

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Berlin - „Am Montagabend hatten wir die Schnauze voll!“ So erklärt der Geschäftsführer des Oldenburger Softwareunternehmens „ashampoo“, Rolf Hilchner, die ganzseitige Anzeige, die sein Unternehmen vergangene Woche in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ geschaltet hatte. In der 35000 Euro teuren Anzeige hatte er die Rückzieher von Franz Müntefering (SPD) und Edmund Stoiber (CSU) kritisiert. Auf Anfrage sagte Hilchner, dass er nicht mit ansehen könne, wie sich Politiker um ihre Verantwortung drückten. Unberechenbarkeit sei keine Grundlage für wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland.

In einer zweiten ganzseitigen Anzeige fordert „ashampoo“ nun zu einer bundesweiten Spendenaktion auf. „Wir senken jetzt den deutschen Schuldenberg“, heißt es in der Annonce, die dazu aufruft, Geld auf ein „Treuhandkonto“ einzuzahlen. Am 2. Januar 2006, so die Anzeige, solle der Erlös der Sammelaktion zur „Verringerung der Staatsschulden“ an die Bundesregierung überwiesen werden. Sein Unternehmen habe bereits 10000 Euro auf das Konto überwiesen.

Der Medienwissenschaftler Günter Bentele von der Universität Leipzig hält den Oldenburger Vorstoß als Werbestrategie für wenig zukunftsträchtig. Große Unternehmen hätten sich immer mal wieder mit Anzeigen auf aktuelle politische Themen bezogen. Mit dieser „Huckepack- PR“ hätten sie versucht, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.Unternehmen positionierten sich als „neutrale“ Geschäftspartner in der Regel aber ungern in einem politischen Umfeld.

Ingeborg Trampe von der Werbe- und Kommunikationsgruppe „BBDO Germany“ in Düsseldorf hat ebenfalls Zweifel an der Effektivität einer Strategie, die versuche, momentane gesellschaftliche Stimmungen aufzugreifen. Politischer Grundkonsens reiche nicht aus,um Kunden zu gewinnen. Die Eignung als potenzieller Dienstleister hänge nicht von dessen politischer Meinung ab. bb

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