Politik : Integration durch Bildung – aber nicht nur

Andrea Dernbach

Berlin - Integration und Bildung: Was kann der Staat, was können private Stiftungen tun und wie arbeiten beide zusammen? Zwei Tage lang hat sich ein prominent besetztes Symposion in Berlin mit diesen Fragen beschäftigt. Zum Nachdenken hatten die für Integration zuständige Kanzleramtsministerin Maria Böhmer (CDU) und die Vodafone-Stiftung eingeladen, die sich wie andere deutsche Stiftungen seit geraumer Zeit auf diesem Gebiet engagiert. Die Antworten darauf schienen die Positionen gelegentlich auf den Kopf zu stellen: Während Böhmer mehrfach die Pionierrolle privaten Engagements betonte, die Funktion der Stiftungen als Schnellboote, die den Weg für „das große Schiff“, also die staatlichen Institutionen, bahne, sahen sich die so Gelobten eher in einer dienenden Funktion.

Private Initiativen könnten den Staat stützen, aber, so formulierte es Jürgen Kluge von McKinsey knapp: „Bildung ist eine staatliche Kernaufgabe.“ Schließlich seien Armut oder Reichtum einer Gesellschaft heutzutage eine Frage der Bildung, und Freiheit und Bildung seien schon immer Geschwister gewesen. In etlichen Arbeitsgruppen der Tagung folgte den großen Worten das praktische Beispiel: Tutoren, die – von den Stiftungen eingesetzt – benachteiligte Kinder beim Lesen und Schreiben unterstützten, könnten helfen, bemerkte die Berliner Bildungsforscherin und FU-Professorin Petra Stanat. Aber ihre Erfolge seien nicht zu vergleichen mit dem Ergebnis, das gut ausgebildete professionelle Lehrkräfte und eine vernünftige Schulentwicklung erzielten. Notwendig sei diese Art von Engagement in erster Linie, weil sie den Schülern zeige, „dass wir uns kümmern“.

Damit hatte Stanat einen Punkt berührt, der mehrfach angeschnitten wurde, ohne auf der Tagesordnung zu stehen: Sind nicht „Wir“, die Mehrheitsgesellschaft, auch Teil des Integrationsprozesses? Der Finanzier und Mäzen George Soros erinnerte daran, dass die Vorurteile gegen die Roma, für die sich seine erste Stiftung eingesetzt hatte, auch durch deren Bildung nicht auszurotten war. Und es wurde gefagt, warum der Exportchampion Deutschland die Vielfalt seiner Menschen immer noch scheue, statt sie als Ressource zu sehen.

Vielleicht Thema für eine andere große Tagung. Andrea Dernbach

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