Integration : Kant hilft

Helmut Schümann ist Aufklärung wichtiger als Ironie und Zynismus: Er fördert Integration statt Massenmenschhaltung und würde Angela Merkel den Friedensnobelpreis gönnen - oder drei Stellvertretern aller Malträtierten.

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Ensaf Haidar, die Ehefrau des saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi, demonstrierte in dieser Woche in Wien für die Freilassung ihres Mannes, der seit über drei Jahren inhaftiert ist.
Ensaf Haidar, die Ehefrau des saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi, demonstrierte in dieser Woche in Wien für die Freilassung...Foto: Georg Hochmuth/dpa

Die Leserin JJ wirft mir vor, den Ernst der Lage nicht erkannt zu haben, weil ich nur zwei Flüchtlinge in meine Wohnung aufnehme und nicht zwanzig.

Gute Frau, es gab mal hierzulande einen Aufklärer, Immanuel Kant geheißen. Der behauptete doch glatt, dass das eigene Verhalten stets Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein sollte. Man nennt das den kategorischen Imperativ. Will sagen: Wenn jeder, der in der Lage dazu ist, Flüchtlinge aufnimmt, dann haben wir keine Probleme in den Massenunterkünften, in denen sich die verschiedenen Ethnien in der Massenmenschhaltung die Köpfe einschlagen wie Hühner, die sich in der Massentierhaltung die Augen auspicken.

Helmut Schümann
Helmut SchümannTsp

Dann haben wir Integration, haben automatischen Deutscherwerb und ein praktisches Vorleben hiesiger Wertigkeiten. Und es war auch keine Ironie, dass ich der Kanzlerin durchaus den Friedensnobelpreis gönnen würde.
Allerdings hätte ich da noch drei andere Vorschläge. Könnte ich dem Preiskomitee Vorschläge machen, ich würde Raif Badawi nominieren, Ali Mohammed al Nimr und Aida Sultan. Nein ich werde weiterhin nicht müde, an das Schicksal all der gefolterten, drangsalierten, getöteten Menschen bei unserem Wirtschaftspartner in Saudi Arabien zu erinnern.

Badawi droht auch heute wieder ein Teil der noch ausstehenden 950 Peitschenhiebe mit dem Stock. Dem jungen al Nimr drohen die Enthauptung und Kreuzigung. Und Aida Sultan hat Repressalien zu fürchten, weil sie die erste Taxifahrerin in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist, wo Frauen das Autofahren generell verboten ist. Am Freitag früh wird verkündet, wer den Preis in zwei Monaten verliehen bekommt. Drei Stellvertreter für alle anderen Malträtierten, das wäre eine Philippika gegen die Barbarei, vielleicht die Rettung nicht nur dieser drei Menschen und ein starkes Signal für die Aufklärung. Und die Ächtung eines Staates, der Steinigung für eine adäquate Strafe hält.

Was das mit unserer Flüchtlingsdebatte zu tun hat? Zunächst nichts. Und doch so viel. Menschen in Not muss geholfen werden. Die Menschen, die zu uns kommen ins reiche Deutschland, sind in Not, in großer Not. Auch sie sind oftmals in ihrer Heimat drangsaliert worden und sind vom Tod bedroht. Also, gute Frau JJ und all die anderen, die von Überflutungen sprechen, denen hilft kein Zynismus. Zur Not noch mal Kant nachlesen, der klärt auf.

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