Integration : Sarrazin lässt nicht locker

Der frühere Berliner SPD-Finanzsenator und heutige Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat seine umstrittenen Aussagen zum Thema Integration bei einer Diskussion im hessischen Wiesbaden verteidigt.

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Sarrazin legt nach: "Die Fakten, die ich nannte, für Berlin, stimmen alle". -Foto: dpa

„Die Fakten, die ich nannte, für Berlin, stimmen alle“, sagte Sarrazin am Dienstagabend in Wiesbaden. Seine Wortwahl sei vor allem „verständlich“ gewesen. Überrascht worden sei er allerdings von dem „gewaltigen Druck“ der Reaktionen. „Hier ist eine Not im Volke, ein Druck, den ich mir so  auch nicht klar gemacht habe“, sagte Sarrazin. Der Bundesbanker war im Rahmen des Disputs „Freiheit, die ich meine“ zur Diskussion mit Hessens Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) und dem türkischen Medienunternehmer Kenan Kubilay geladen.

Sarrazin sagte, seit seinem umstrittenen Interview habe er rund 860 Briefe bekommen, davon seien rund 90 Prozent „emphatisch positiv.“ Viele stammten von einfachen Bürgern und sagten: „gut, dass das mal einer gesagt hat.“ Wenn man ohne Mandat und im politischen Ruhestand „so viel auslöst, dann zeigt das, dass es die Bürger bewegt“, betonte Sarrazin. Es gebe eben in Berlin-Neukölln Gebiete, in denen 80 Prozent der Einwohner von „Hartz IV“ lebten. Geld zu bekommen „für seine schiere Existenz“, das sei aber „eine krasse Fehlentwicklung“, sagte Sarrazin weiter. „Das sind objektive Fehllenkungen, bei denen die Menschen Helden sein müssten, um selbst etwas dagegen zu tun“, fügte er hinzu.

"Krasse Unterschiede" zwischen den Einwanderern

Sarrazin betonte weiter, die Faktenlage zeige, dass es „krasse Unterschiede“ zwischen Einwanderern aus Vietnam oder Russland und denen aus der Türkei, Afrika und dem Mittleren Osten gebe. Letztere hätten „unisono und als Block“ schlechtere Schulabschlüsse und weniger Arbeitsplätze, „das mag kränken, aber es weist auf die Menschen selbst zurück“, sagte Sarrazin.

Der heutige Bundesbanker erntete für seine Aufführungen Protest im Saal: Eine kleine Gruppe Demonstranten pfiff, rief „Buh“ und hielt ein Plakat hoch, sie wurden aus dem Saal gebracht.

In Berlin droht Sarrazin wegen wiederholt umstrittener Äußerungen ein Parteiausschluss. Ein entsprechendes Verfahren läuft derzeit in der SPD. (ddp)

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