Integrationsdebatte : Schlechte Arbeitsmarktchancen für Migrantenkinder

Die zweite Generation von Einwanderern hat auf dem deutschen Arbeitsmarkt schlechte Jobchancen. Eine OECD-Studie stellt fest, dass junge Erwachsene mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich häufig arbeitslos sind.

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Haben es schwer: Kinder aus Migrantenfamilien. -Foto: dpa

Kinder von Einwanderern haben in Deutschland deutlich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als Kinder von Deutschen. Dies ist das Ergebnis eines internationalen Vergleichs, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Donnerstag in Berlin veröffentlichte.

Auch hoch qualifizierte junge Erwachsene mit Migrationshintergrund haben der Studie zufolge deutlich schlechtere Chancen als ihre einheimischen Altersgenossen. Besonders groß ist der Rückstand bei Akademikern und Absolventen höherer beruflicher Bildung. Bei Geringqualifizierten ist der Rückstand der Nachkommen von Einwanderern dagegen vergleichsweise gering. "Dieser Befund überrascht, da beide Gruppen ihre Bildungsabschlüsse in der Regel im Inland erworben haben", sagte OECD-Experte Thomas Liebig zu dem Rückstand der Akademiker.

Ein möglicher Grund sei, dass auf dem Arbeitsmarkt die Erwartung vorherrsche, dass Migranten nur über eine geringe Qualifizierung verfügten. "Bildungserfolge von Migranten und deren Nachkommen werden entsprechend noch nicht ausreichend honoriert", sagte Liebig. Allerdings sinkt auch bei Migranten der Anteil der Arbeitslosen mit zunehmender Qualifikation: So haben 81 Prozent der hoch qualifizierten Männer zwischen 20 und 29 Jahren einen Arbeitsplatz, verglichen mit 56 Prozent der gering Qualifizierten.

Für die Studie wurde in 16 OECD-Mitgliedsländern untersucht, wie sich in der Altersgruppen der 20- bis 29-Jährigen die Entwicklungen unterscheiden. Demnach ist in Deutschland bei Einwandererkindern der Anteil der Geringqualifizierten ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder Abitur doppelt so hoch wie bei denen, die mindestens ein in Deutschland geborenen Elternteil haben.

Auch in Österreich zeige sich ein ähnliches Bild, hier hinkten die Einwandererkinder ihren Klassenkameraden ebenfalls deutlich hinterher. Besser sehe es in der Schweiz aus, wo unabhängig vom Bildungsniveau kaum Unterschiede in den Beschäftigungsquoten festzustellen seien.

Bereits in der Schule geraten die Nachkommen von Einwanderern in Deutschland ins Hintertreffen: Unter den 20- bis 29-Jährigen ist in Deutschland der Anteil der Geringqualifizierten unter den Migrantenkindern ohne Abitur oder abgeschlossene Berufsausbildung doppelt so hoch wie unter den Deutschen. Das bestätige die Ergebnisse der PISA-Studien, die große Defizite in der schulischen Bildung offengelegt hätten. Ein Teil des Rückstands könne dann in Deutschland aber in der beruflichen Ausbildung aufgefangen werden. Anders in der Schweiz: Hier liege der Anteil der Geringqualifizierten bei Einwanderern auf dem gleichen niedrigen Niveau wie bei den Einheimischen.

Besonders häufig sind die Nachkommen von Einwanderern im Handel beschäftigt, auch im Verarbeitenden Gewerbe arbeiten überdurchschnittlich viele Menschen mit Migrationshintergrund. Deutlich unterrepräsentiert sind sie dagegen in der öffentlichen Verwaltung. Nur drei Prozent der 20- bis 29-Jährigen mit Migrationshintergrund sind in der öffentlichen Verwaltung beschäftigt. Bei jungen Erwachsenen ohne Migrationshintergrund sind es zehn Prozent. In keinem anderen untersuchten Land sind die Unterschiede so groß.

Zuletzt hatte der Bundesbanker und frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin mit einem Interview der Kulturzeitschrift Lettre International in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Er hatte darin einer großen Zahl von Türken und Arabern vorgeworfen, in Berlin "keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel" zu erfüllen, "und es wird sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln". Sarrazin musste inzwischen einen Teil seiner Verantwortungsbereiche bei der Bundesbank aufgeben.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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