Integrationsstudie : Islamwissenschaftler zweifelt Ergebnis an

Fast ein Drittel der hierzulande lebenden Türken oder Türkischstämmigen haben keinen Schulabschluss. Das behauptet zumindest eine aktuelle Studie. Islamwissenschaftler Alboga glaubt das nicht - und wenn es doch stimme, sei es nicht allein die Schuld der Türken.

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Das deutsche Schulsystem soll versagt haben und die Wissenschaft soll das zu spät bemerkt haben. - Foto:dpa

Osnabrück/Essen Der Islamwissenschaftler Bekir Alboga bezweifelt die Aussagefähigkeit einer Studie des Berlin-Instituts, wonach türkische Einwanderer schlechter in Deutschland integriert sind als andere Zuwanderergruppen. Eine solche Behauptung müsse wissenschaftlich erst noch bestätigt werden, sagte Alboga der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Wir werden uns sehr kritisch mit dieser Studie auseinandersetzen müssen. Solche Aussagen zu formulieren fällt häufig leichter, als sie dann tatsächlich auch an wissenschaftlichen Standards gemessen zu verifizieren", sagte er.

Alboga betonte, in Deutschland lebten viele erfolgreiche türkische oder türkischstämmige Unternehmer, Mediziner, Schauspieler, Autoren und Journalisten. "Es gibt kaum einen Berufszweig, in dem Sie nicht sehr vorbildliche türkischstämmige Menschen finden", sagte der Dialogbeauftragte des Moscheen-Dachverbandes DITIB.

In der Studie werden erstmals die Integrationserfolge einzelner Migrantengruppen aufgezeigt, inklusive der Zuwanderer mit deutschem Pass. Zudem enthält die Studie ein Ranking der Bundesländer nach ihrem Integrationserfolg. Demnach haben 30 Prozent der Türken und Türkischstämmigen keinen Schulabschluss und nur 14 Prozent das Abitur. Auch hätten Menschen mit türkischem Migrationshintergrund den geringsten Erfolg aller Migranten im Erwerbsleben: Sie seien häufig erwerbslos, die Hausfrauenquote sei hoch, und viele seien abhängig von Sozialleistungen.

Alboga: Auch Wissenschaft hat versagt

Alboga wirft der Wissenschaft vor, auch sie habe zu spät das Versagen des deutschen Schulsystems bei der Integration festgestellt. Viele Kinder hätten es in der Schule mit diskriminierenden Lehrern zu tun gehabt und für sie gebe es gezielt mehr Empfehlungen für die Hauptschule als für Realschulen oder Gymnasien. Gemessen an der zu geringen staatlichen Förderung sei die Integration türkischstämmiger Menschen sehr erfolgreich. "Weder der Beitrag des Staates noch der Türken zur Integration reicht aus", sagte Alboga.

Der Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Forums der CDU in Nordrhein-Westfalen, Bülent Arslan, kritisierte politische Versäumnisse bei der Integration türkischer Einwanderer in Deutschland. Bis Ende der 90er Jahre sei die deutsche Politik in Sachen Integration mehr oder weniger untätig geblieben, sagte Arslan der Essener "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Das Ergebnis der Studie überrasche ihn nicht. "Für mich war immer klar, dass die Probleme, die wir im Bereich der Integration haben, bei den Türken am stärksten sind", sagte der CDU-Politiker. Etliche Zuwanderer hätten in ihrer Heimat keine Schule besucht und ein "niedriges bis niedrigstes Bildungsniveau". (sf/ddp)

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