Triumph für US-Präsident Barack Obama: Pünktlich zum Ende seines ersten Jahres im Weißen Haus hat der Senat seine Gesundheitsreform mit klarer Mehrheit verabschiedet. Damit ist
das wichtigste innenpolitische Vorhaben seiner Amtszeit ein großes Stück weitergekommen.
Washington -
Allerdings stehen weitere schwierige
Verhandlungen bevor, denn das Gesetzeswerk muss in beiden
Parlamentskammern noch in eine zweite Runde. Obama hofft aber, das
Gesetz Ende Januar unterzeichnen zu können.
Obama sprach von einem "historischen Votum". Es handele sich um
das wichtigste Sozialgesetz seit vielen Jahrzehnten. Jetzt könnten
sich über 30 Millionen bisher unversicherter Amerikaner endlich eine
Krankenversicherung leisten. Außerdem würden auf lange Sicht Kosten
gespart. Jetzt komme es darauf an, das Gesetz endgültig über die
Bühne zu bringen. "Es ist unsere Herausforderung, diese Arbeit zu
Ende zu bringen." Bereits zuvor hatte er im Sender PBS eingeräumt,
"dass noch schwere Verhandlungen anstehen". Die Republikaner lehnen
das Gesetz als viel zu teuer ab und wollen weiter Widerstand leisten.
Wichtigster Punkt des über 2000 Seiten langen Senatsentwurfs ist,
dass fast 31 Millionen bisher unversicherte Amerikaner künftig eine
Versicherung erhalten. Ausgeschlossen wären dann nur noch illegale
Einwanderer. Wer sich keine Versicherung leisten kann, erhält
Beihilfen. Außerdem dürfen Krankenkassen künftig keine Bezahlung
verweigern, weil eine Krankheit schon vor Vertragsbeginn bestanden
hat. Sie dürfen auch ihre Beiträge nicht mehr willkürlich erhöhen.
60 demokratische Senatoren stimmten der Reform in einer
Sondersitzung am Donnerstag zu, 39 Republikaner votierten dagegen.
Der Abstimmung am Heiligen Abend war ein monatelanger, erbitterter
Streit vorausgegangen, in den auch die Gesundheitsindustrie und die
privaten Krankenkassen mit Millionenbeträgen eingriffen. Die
Republikaner hatten immer wieder versucht, die Verabschiedung durch
Dauerreden (Filibuster) zu blockieren. Obama verschob seinen
Weihnachtsurlaub, um sich im Notfall in letzter Minute persönlich
einzuschalten.
Die Modernisierung des US-Gesundheitssystems - was weltweit als
extrem teuer gilt - war das zentrale innenpolitische Wahlversprechen
Obamas. Er betonte immer wieder, es gehe auch darum, das System
langfristig kostengünstiger zu gestalten.
Die Demokraten sprechen von einem historischen Durchbruch. "Es
geht um die Millionen Amerikaner, denen mit diesem Gesetz geholfen
wird", sagte der demokratische Fraktionschef im Senat, Harry Reid.
Eine solche Reform hätten sich bereits zahlreiche Präsidenten
vergeblich gewünscht. Reid votierte bei der abschließenden Abstimmung
versehentlich mit Nein, durfte dies dann aber noch korrigieren.
Die Republikaner warnen dagegen, die hohen Kosten von 871
Milliarden Dollar innerhalb von zehn Jahren würden die Staatsschulden
weiter in die Höhe treiben. "Das Gesetz macht eine schlechte Lage nur
noch schlimmer", kritisierte der republikanische Senator Charles
Grassley. Zudem erhöhe die Reform den Einfluss des Staates auf den
Alltag der Menschen.
Eigentlich wollte Obama das Gesetz bis Jahresende zur Unterschrift
auf seinem Schreibtisch haben. Doch jetzt steht erneut eine
schwierige Kompromisssuche bevor: Im neuen Jahr müssen der Senat und
das Repräsentantenhaus, das bereist im November ein eigenes
Reformwerk verabschiedet hatte, ihre jeweiligen Entwürfe anpassen.
Danach müssen beide Parlamentskammern nochmals über die neue Vorlage
abstimmen.
Streit dürfte es vor allem um die Frage einer staatlichen
Krankenkasse geben. Ursprünglich hatte Obama die Einführung einer
solchen öffentlichen Kasse mit Nachdruck verteidigt, damit die
Privatkassen endlich Konkurrenz bekommen. Zwar stimmte das
Repräsentantenhaus einer solchen staatlichen Alternative zu, im Senat
konnte dies jedoch nicht durchgesetzt werden. Streit dürfte es auch
um die Frage geben, ob Krankenkassen Abtreibungen bezahlen sollen.
(jg/smz/dpa)
Kommentare [ 6 ] Kommentar hinzufügen »
Hat er einen anderen Nobelpreis redlich verdient? Nein!
Lobbyismus ist ja nicht nur in Washington präsent. Auch in Deutschland (man erinnere sich z.B. an das Nichtraucherschutzgesetz) sind die Lobbyisten am Werk.
Energie, Umwelt, Verbraucherschutz, Wirtschaftspolitik, Gesundheitspolitik, etc. - ohne Lobbyisten hätten wir eine sehr viel bürgerfreundliche Welt.
Leider begreifen die Menschen dies noch nicht aber ich bin zuversichtlich, dass auch dieses System an sich selbst zerbrechen wird - das hat die Geschichte ja bereits mehrfach bewiesen.
Den Leuten muss es nur richtig schlecht gehen und wir werden wieder für Brüderlichkeit, Gleichheit und Freiheit kämpfen.
MfG
Obama kennt das Elend und schafft es ab, uns erwartet es noch, dank unserer unfähigen Merkel´s & Guido´s