[Kommentare: 4]

Staatsstreich

Friedrich-Naumann-Stiftung rechtfertigt Putsch in Honduras

Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung zeigt Verständnis für den Staatsstreich in Honduras. Ihr Repräsentant in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa, Christian Lüth, bezeichnet den Putsch als "Legende" und meint, dass nun eine "Rückkehr zu Rechtsstaat und Verfassung" in dem zentralamerikanischen Land möglich sei.
Anzeige
Bild vergrößern
Berlin - Rückendeckung erhält Lüth von Wolfgang Gerhardt, dem Vorsitzenden der Friedrich-Naumann-Stiftung und früheren FDP-Vorsitzenden. Im Deutschlandfunk erklärte Gerhardt, dass der gestürzte Präsident, Manuel Zelaya, vor dem Putsch seine „moralische Autorität verloren“ habe. Am 28. Juni hatte das honduranische Militär den demokratisch gewählten Zelaya gewaltsam außer Landes geschafft. Seitdem regiert ein Regime, das weder von UN, EU noch der Organisation Amerikanischer Staaten anerkannt wird.

Dennoch veranstaltete die Naumann-Stiftung erst vor wenigen Tagen eine nicht-öffentliche Diskussion in den Räumlichkeiten des Bundestages in Berlin. Dabei trugen der Verwaltungsrat der honduranischen Zentralbank und der Vorsitzende des dortigen Industriellenverbandes ihre Sicht der Dinge vor – also Mitglieder ebenjener Elite, die hinter dem Putsch gegen den linken Zelaya steckt. Ebenfalls dabei war Ramon Custodio, Menschenrechtsbeauftragter in Honduras. Wegen seiner Verwicklung in den Putsch haben Dänemark und Schweden ihm die Hilfsgelder gestrichen, die USA ihm das Visum entzogen. In Honduras ist seit dem Putsch die Pressefreiheit massiv eingeschränkt worden, mehrere Menschen wurden bei Auseinandersetzungen getötet und Mitglieder ehemaliger Todesschwadrone sitzen wieder in entscheidenden Positionen.

Dessen ungeachtet warf Gerhardt Zelaya vor, verfassungswidrig versucht zu haben, sich eine zweite Amtszeit zu sichern – das Hauptargument der Putschisten. Es ist aber falsch. Zelaya wollte einen Bürgerentscheid darüber abhalten lassen, ob bei den Präsidentschaftswahlen im November ein Referendum über eine Verfassungsreform stattfinden solle. Diese hätte eine zweite präsidiale Amtszeit beinhaltet. Zelaya wollte aber nicht wieder antreten. Unterdessen sind Tausende seiner Anhänger aus allen Regionen des Landes nach Tegucigalpa gereist. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, die Putschisten verhängten erneut eine Ausgangssperre. 

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 14.08.2009)
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Urteil zu Hartz IV:

Heraus aus der Sackgasse
Kinder sind kein Prozentsatz vom Erwachsenenleben, sagt das Bundesverfassungsgericht. Eine politische Antwort muss endlich unsere Bildungsträgheit überwinden, die knappen öffentlichen Mittel klug da einsetzen, wo sie Kindern nützen. Sie muss mit Mindestlöhnen den Fall der Einkommen nach unten stoppen.

Union streitet, Koalition streitet:

Deibel auch!

Bauprojekt:

Das Riesenrad am Zoo klemmt
Für den Bau des 175 Meter hohen Riesenrads am Bahnhof Zoo fehlen den Investoren noch immer 70 Millionen Euro. Bei einem ähnlichen Projekt in Peking stieg die finanzierende Bank aus. Platzt das Projekt?

Kommentare [ 4 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von DiabolusParvus DiabolusParvus ist gerade offline | 14.8.2009 16:26 Uhr
Offene Worte
Das ganze Südamerika
Ist ganz schön weit
Und nicht so nah …

Also interessieren sich „die Leute“ weniger dafür, und die FDP kann bei dem randständigen Thema ganz frei(heitlich) vom Stapel lassen, was sie von „Demokratie“ eigentlich hält: Nämlich nichts!

Die hilflosen Versuche in Mittel- und Südamerika, der Pax Americana und dem globalen Mahlwerk der total(itär)en Geldzirkulation wenigstens etwas entgegenzusetzen, wird von so unterschiedlichen und gleichzeitig problematischen Personen wie Lula, Chavez oder Zelaya ausgedrückt. Deren Problem scheint, dass sie noch an das Primat der Politik zu glauben scheinen. Auch deswegen werden sie nicht nur hierzulande fix und nonchalant „links“ genannt. Doch trotz formal demokratischer Regularien haben sie alle eigentlich eher autokratische Züge, und programmatisch findet sich bei ihren Parteien zur eigentlichen Problematik der globalen Geldzirkulation faktisch nichts. Sie sind also eigentlich keine Gefahr fürs Seelenheil des Geldglaubens.

Doch sieht die FDP das wohl ganz anders und rechtfertigt das „Modell Chile – 11. September 1973“! Toll, was wir von den Westerwelles über ihre unsägliche Ideologie hinaus dann noch so zu erwarten haben, wenn die soziale Entwicklung Europas sich in den nächsten Jahren weiter zuspitzen wird.
Comment
von DiabolusParvus DiabolusParvus ist gerade offline | 14.8.2009 17:00 Uhr
[Textkorrektur]
... Deren Problem dürfte wesentlich sein, dass sie noch an das Primat der Politik zu glauben scheinen. ...
Comment
von jpeters jpeters ist gerade offline | 15.8.2009 8:29 Uhr
Rückkehr zur Demokratie???
Sie schreiben "Rückkehr zur Demokratie sei möglich". Ich lebe seit 10 Jahren in Honduras und verfolge das politische Geschehen. Die Absetzung Mel Zelayas war ein Akt zur Erhaltung der Demokratie. Von einem "Putsch" kann keine Rede sein, das das Militär in Auftrag des oberten Gerichtes und des Kongresses gehandelt hat. Mel Zelaya versuchte in Honduras eine "Demokratie" nach dem Muster Venezuelas zur errichten. Wenn sie die Ereignisse in Venezuela verfolgen, wie die in etwas susehen wird:
- Gleichsaltung der Presse und der Medien
- Ausrichtung der Ausbildungspläne der Schulen aud die "Demokratie des 21 Jahrhunderts"
- Massive Unterdruckung der Opposition
- Zusammenarbeit mit Terroristen (FARC) um andere Länder zu destabilisieren.

Es gibt hier in Honduras natürlich eine Gruppe von Personen die Rückkehr von Mel Zelaya fordern. (Meiner Schätzung und er Schätzung einiger Politiker der liberalen Partei, der Partei Mel Zelayass, etwan 20.000.) Die Aktionen manifestieren sich hauptsächlich in Straßenblockaden und Protestmärschen.
Offentsichtlich werden diese Aktionen durch illegal ins Land gebrachte US-Dollars finanziert, mit dem Erfolg, des der Kurs des US-Dollars auf dem Schwarzmarkt von Lempira 18.85 auf 18.00 gesunken ist. Hier in Honduras ist es nicht möglich eine größere Summe US_Dollars in Lempira zu tauschen ohne die Herkunft zu belegen.
Das von Mel geplante Referendum war illegal. (Nach den Gesetzen von Honduras, zumindest hat des des oberste Gericht (Corte Suprema) entschieden. Er hat versucht ein Referendum entgenen den Gesetzen von Honduras und ohne international Beobachter, durchzusetzen. Das er nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung steht wurde vor seiner Absetztung nie gesagt!

Juergen Peters
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 15.8.2009 16:37 Uhr
@jpeters
Da Sie in Honduras leben, werden Sie bestätigen können, daß die Verfassung, die nur eine Amtszeit eines Präsidenten vorsieht, 1982 von der Militärdiktatur geschrieben wurde. Sie werden auch zustimmen, daß eine solche Konstruktion einer Diktatur mehr Macht in die Hand gibt als eine mögliche zweite Amtszeit eines in deren Augen möglicherweise mißliebigen Präsidenten. Außerdem werden Sie wegen Ihrer gegenwärtigen Residenz wissen, daß das Referendum keinen verbindlichen Charakter hatte, obwohl es zum Beispiel von Gewerkschaften schon lange gefordert worden war. Ihnen wird auch bekannt sein, daß Zelaya selbst nie hätte von dem Referendum profitieren können, da der Verfassungskonvent erst im November hätten einberufen werden sollen -- in dem Monat, in dem Präsidentschaftswahlen anstanden. Ein wie auch immer gearteter Beschluß wäre also für Zelaya zu spät gekommen.

Sie sprechen von Dollar und verschweigen die Rolle von Otto Reich, John McCain, Lanny Davis oder Fernando Joya, der als Mitglied der Todesschwadron "Bataillon 316" ins Ausland fliehen mußte und jetzt als "Sonder-Sicherheitsberater" der Putschisten dient. Der äußerte sich, wie Sie als in Honduras Lebender wissen werden, kürzlich in einem TV-Interview dahingehend, daß der Coup in Honduras sehr gut mit dem in Chile 1973 zu vergleichen sei.

Abgesehen davon, antwortet Dr. Werner Hoyer beharrlich NICHT auf entsprechende Fragen auf www.abgeordnetenwatch.de. Manchmal ist Schweigen eben auch eine Antwort. So groß kann der Stolz auf den neuerlichen "Demokratieexport" a la Chile ja wohl nicht sein. Die FdP darin verwickelt zu sehen ist nach ihrer Liebe zu Schirinowski für mich allerdings keine Überraschung mehr.

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 10 - 2 = 


Anzeige
Weitere Themen

Karlsruhe kippt Hartz-IV-Sätze Lesezeichen hinzufügen

UPDATE Auf die schwarz-gelbe Koalition kommen ... mehr...

Löschen statt stoppen Lesezeichen hinzufügen

Von Katja Wilke
Union und SPD sind jetzt gegen das Internet-Zugangserschwerungsgesetz, das sie ... mehr...

Harte Worte im Koalitionsausschuss Lesezeichen hinzufügen

Bei einem Treffen der Koalitionäre bei der Kanzlerin soll es lauter zugegangen ... mehr...

Sri Lankas Präsident lässt seine Gegner verhaften Lesezeichen hinzufügen

Der im Amt bestätigte Präsident Rajapakse löst das Parlament auf. mehr...

Bastelt Iran an der Atombombe? Lesezeichen hinzufügen

Von Roland Knauer
Der Iran hat mit der Produktion von höher angereichertem Uran begonnen, ... mehr...
Fotostrecken

Die glorreichen Sieben (7 Bilder)

100 Tage Schwarz-Gelb (16 Bilder)

Taliban attackieren Kabul (7 Bilder)

Präsidentenwahl in der Ukraine (8 Bilder)

2009 in Bildern (30 Bilder)

Blutige Proteste in Iran (14 Bilder)
Mauerfall 1989 - Foto: dpa
Lesen Sie hier persönliche Geschichten aus dem Wendejahr