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Myanmar

Die Mönche und die Friedenskämpferin

Neue Dimension der Proteste in Myanmar: die barfüßigen Demonstranten ziehen am Haus von Aung San Suu Kyi vorüber. Doch die Militärregierung verhält sich bisher ruhig.
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Rangun - Ein bewegendes Treffen zwischen der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi und demonstrierenden buddhistischen Mönchen hat den Protesten in Myanmar eine neue politische Dimension verliehen. Sicherheitskräfte ließen die barfüßigen Robenträger am Samstag überraschend am Haus der unter Arrest stehenden Oppositionsführerin in Rangun vorbeiziehen, wie Augenzeugen berichteten. Normalerweise ist die Straße abgesperrt.

Insgesamt protestierten rund 2000 Mönche in mehreren Gruppen in Rangun; in der zweitgrößten Stadt Mandalay, dem religiösen Zentrum des südostasiatischen Landes, waren es mehr als tausend. Aung San Suu Kyi, die den Großteil der vergangenen 18 Jahre unter Hausarrest verbracht hat, trat mit Tränen in den Augen vor ihr Haus und begrüßte die Mönche. Diese stoppten ihren Demonstrationszug für rund 15 Minuten und rezitierten buddhistische Gebete. Anschließend riegelten die Sicherheitskräfte die Straße wieder ab.

Zuvor waren die Mönche bei strömendem Regen und begleitet von mehr als hundert einfachen Bürgern nach Gebeten an der berühmten Shwedagon-Pagode zu einem weiteren Tempel im Stadtzentrum gezogen. Sicherheitskräfte in Zivil begleiteten die Demonstrationen und machten Videoaufnahmen.

In Mandalay zogen die Mönche durch den Payagyi-Distrikt, in dem sich viele der bedeutendsten Klöster befinden. In Mandalay leben rund 300 000 Mönche, unter ihnen viele Novizen, die in der Stadt im Zentrum des Landes die buddhistische Lehre studieren. Eine wenig bekannte buddhistische Gruppe in Myanmar forderte die Menschen im Land zu stillen öffentlichen Gebeten auf, um die Protestbewegung zu unterstützen.

Die Mönche, die nicht nur hohes Ansehen in Myanmar genießen, sondern auch die einzige Gruppe außerhalb der Armee mit einer landesweiten, funktionierenden Struktur und Organisation sind, stehen an der Spitze der wachsenden Protestbewegung. Seit Montag gingen sie täglich auf die Straße. Begonnen hatte der Protest im August, nachdem die Militärführung die Treibstoffpreise sowie die Kosten für den öffentlichen Verkehr drastisch erhöht hatte. Es handelt sich um die längste öffentliche Regierungskritik seit der großen Oppositionsbewegung von 1988, die gewaltsam niedergeschlagen wurde.

Das Militär, das das Land seit 45 Jahren regiert und normalerweise keinerlei öffentliche Kritik duldet, verhielt sich bisher zurückhaltend. Die Generäle fürchten offenbar, dass Gewalt gegen Mönche einen Aufstand auslösen könnte. Eine Protestkundgebung in der Stadt Sittwe lösten Sicherheitskräfte jedoch am Mittwoch mit Tränengas und Warnschüssen auf. Zudem wurden in den vergangenen Wochen mehr als 150 Menschen festgenommen. Der britische Außenminister David Miliband will die Lage in Myanmar bei der UN-Vollversammlung am Dienstag in New York zur Sprache bringen. AFP

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.09.2007)
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