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Demokratiedefizite

Religiöse Minderheiten haben es auch in der Türkei schwer

In seinem Land könnten Nichtmuslime ungestört ihren Glauben leben, behauptet der türkische Europaminister Bagis nach dem Schweizer Minarettvotum. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus.
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Egemen Bagis konnte der Versuchung offenbar nicht widerstehen. Als türkischer Europaminister muss sich Bagis immer wieder Klagen der EU über Demokratiedefizite im Beitrittsbewerberland Türkei anhören. Auch wenn die Alpenrepublik nicht zur EU gehört, gab ihm jetzt das Schweizer Minarettvotum die Gelegenheit, die Eidgenossen einmal grundsätzlich über europäische Werte aufzuklären. Der Minderheitenschutz sei für die EU sehr wichtig, dozierte Bagis mit Blick auf das Neubauverbot für Minarette in der Schweiz. In der zu 99 Prozent muslimischen Türkei könnten armenische, jüdische und griechisch-orthodoxe Bürger jedenfalls ungestört ihren Glauben leben. Ganz so harmonisch ist die Realität in der Türkei aber nicht.

Neben den knapp 80 000 sunnitischen Moscheen für die Bevölkerungsmehrheit gibt es in der Türkei nach offiziellen Angaben 321 Kirchen und 39 Synagogen. Hinzu kommen 900 sogenannte Cem- Häuser, Versammlungsräume der Alewiten, Anhänger einer liberalen Strömung des Islams, die von der sunnitisch geprägten Religionsbehörde in Ankara bisher nicht anerkannt wird.

In einigen Stadtteilen von Istanbul sind nach wie vor Kirchenglocken zu hören, Armenier und Griechen versammeln sich in einigen prächtigen Gotteshäusern zum Gebet. Auch entstanden in den vergangenen Jahren mehrere Kirchen neu. So erhielten die deutschen Katholiken im Ferienort Antalya ein Gotteshaus. Im zentralanatolischen Kayseri wurde vor einigen Wochen eine restaurierte armenische Kirche neu geweiht. Und in Ankara prüft die Regierung den Wunsch Russlands nach Einrichtung einer Kirche für die wachsende Zahl russischer Urlauber.

Doch diese positiven Beispiele sind nur ein Teil der Wahrheit. „Die Schweiz hat etwas Schlechtes getan“, kommentierte die liberale Tageszeitung „Radikal“ am Mittwoch. „Aber sind die Kirchen in der Türkei etwa frei?“ Nicht so ganz, lautete die Antwort. „Die christlichen Minderheiten in der Türkei befinden sich in einer miserablen rechtlichen Situation“, sagt Holger Nollmann, der Pfarrer der deutschen evangelischen Gemeinde in Istanbul. Auch EU und USA kritisieren, dass Nichtmuslime in der Türkei auf viele Probleme stoßen.

Dabei geht es oft um Schwierigkeiten, einen Gebets- oder Versammlungsraum von den Behörden genehmigt zu bekommen. Nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage wollen vier von zehn Türken keinen Juden als Nachbarn, jeder Dritte lehnt es ab, neben einem Christen zu wohnen. Vizepremier Bülent Arinc nannte die Resultate der Studie „erschreckend“.

Auch Gewalt gegen Nichtmuslime ist der Türkei nicht fremd. Vor sechs Jahren jagten radikale Islamisten zwei Istanbuler Synagogen in die Luft. Vor zwei Jahren ermordeten Rechtsnationalisten im ostanatolischen Malatya drei christliche Missionare, darunter einen Deutschen.

Deshalb sollte sich die Türkei mit Kritik an der Schweiz etwas zurückhalten, finden einige Türken. „Respekt vor den Religionen ist ja schön und gut“, schrieb ein „Radikal“-Leser. „Aber wir täten gut daran, damit bei uns selbst anzufangen.“

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.12.2009)
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Kommentare [ 64 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von anaxagoras anaxagoras ist gerade offline | 2.12.2009 22:26 Uhr
Verfahrene Debatte
Inwieweit schränkt das Votum der Schweizer die Religionsfreiheit ein ? Es ging doch um den Bau von Minaretten, nicht um ein Verbot, den muslimischen Glauben auszuüben, oder? Ist denn das Minarett wichtiger, als der Gebetsraum? Auch christliche Kirchen hatten Jahrhunderte lang keine Türme, siehe die einst byzantinische Hagia Sophia, der die Moslems dann Minarette hinzufügten. Was also ist der eigentliche Hintergrund der ganzen Polemik?
Bleibt zu hoffen, dass hier die nötige Sachlichkeit einzieht, wofür o.g. Artikel einen Anfang macht.
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von uvloff uvloff ist gerade offline | 2.12.2009 22:35 Uhr
Und so hat dann die Abstimmung in der Schweiz auf jeden Fall etwas erreicht
Die sonst in Europa totgeschwiegenen Themen Islam und Menschenrechte sowie Islam und Religionsfreiheit werden endlich mal diskutiert. Ich vermute auch, dass hier die (berechtigten) Gründe für die Angst vor dem Islam liegen.
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von arthur_dent arthur_dent ist gerade offline | 2.12.2009 23:18 Uhr
@uvloff
> Die sonst in Europa totgeschwiegenen Themen Islam und
> Menschenrechte sowie Islam und Religionsfreiheit werden
> endlich mal diskutiert.
Sie scheinen die letzten jahre im Koma verbracht zu haben wenn Sie die Diskussionen und Artuikel in den europaeischen Medien nicht bemerkt haeben.
Wie sieht es eigentlcih mit der generellen Diskussion ueber Menschenrechte und Religionsfreiheit in Deutschland? der EU aus?
Bevor auf Andere gezeigt wird, egal ob Muslime, Schweizer, Tuerken etc. sollte man erstmal seinen eigenen Staat in Ordnung bringen. Da gibt es genug zu tun.
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von dmeyer dmeyer ist gerade offline | 3.12.2009 9:14 Uhr
arthur_dent
In Deutschland ist auch nicht alles in Ordnung. Aber wo werden denn bei uns die Menschenrechte verletzt?
Ich gehöre seit über 50 Jahren einer Religionsminderheit an und habe noch nie eine Einschränkung unserer Religionsausübung erfahren. In der Türkei und anderen islamischen Staaten ist das leider nicht so.
Man kann sich bei uns an die Gerichte wenden......
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von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 3.12.2009 12:35 Uhr
@dmeyer
Nun, für Sie und mich ist klar, daß sich die Scientologisten eher mit Geldeintreiben und Gehirnwäsche beschäftigen. Aus der Sicht des einen oder anderen Mehrheitsamerikaners ist die Scientology eine Kirche, und Deutschland steht auf der Liste der Religionsunterdrücker. Was nun?
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von ulli_ramps ulli_ramps ist gerade offline | 3.12.2009 8:04 Uhr
Angst - oder Unmut?
Ich finde bedauerlich, dass bei dieser Debatte immer von "Angst" gesprochen wird.
Vielleicht ist es bei vielen ja eher Unmut, Verärgerung, über einen massiv zunehmend radikalisierten, immer "unangenehmer" werdenden Islam, und keine "Angst"?

Sicher gibt es im (relativ zum Christentum) auch als sehr angenehme Religion interpretierbaren Islam jede Menge vernünftige Glaubensanhänger (im Sinne einer Gesellschaft mit "christlichen" oder besser humanistischen Werten).

Mein Problem damit ist, dass diese Vernünftigen den Radikalen nicht entschieden entgegentreten, diese nicht als Volksverhetzer abstrafen, wie z.B. die Fälscher der Dänischen Karikaturen, die die teils gefälschten (nie in Dänemark erschienenen) und veralteten Zeichnungen in Umlauf brachten.

Damit gerät aus meiner Sicht der gesamte Islam übel in Verruf - mit dem Ergebnis, dass er eben auch dann so pauschal abgelehnt wird, wie dies jetzt in der Schweiz geschehen ist.

Liebe Moslems, achten Sie einfach mehr Eure Nachbarn (uns) und zeigen Sie mehr Respekt, indem Sie auch in Ihren eigenen Reihen "aufräumen" - dann gebührt Ihnen auch der entsprechende Respekt von uns, und ich helfe dann - aber nur dann - gern bei der Grundsteinlegung des nächsten friedliebend empfundenen Minaretts in meiner Nachbarschaft.
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von marel marel ist gerade offline | 3.12.2009 14:24 Uhr
Religionsfreiheit eingschränkt
Natürlich hat das schweizer Abstimmungsergebnis etwas erreicht. Es hat ein selbstverständliches europäisches Grundrecht, die Religionsfreiheit, praktisch eingeschränkt. Bravo!

Daß diese nun wieder diskutiert werden muß, kann man nicht anders als kulturellen Rückschritt bezeichnen.

Was die schweizer Abstimmung auch erreicht hat, es hat die Selbstverstänlichkeit und Hemmungslosigkeit bloßgelegt, mit der viele unserer Mitbürger immer noch oder wieder faschistische Positionen beziehen und die Errungenschaften der Aufklärung über Bord werfen. Wie dämlich ist das eigentlich!
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von unbekannt | 3.12.2009 19:57 Uhr
"Wie dämlich ist das eigentlich!" @marel
Das: "viele unserer Mitbürger immer noch oder wieder faschistische Positionen beziehen und die Errungenschaften der Aufklärung über Bord werfen."

Wie dämlich ist das eigentlich!
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von karlotto karlotto ist gerade online | 2.12.2009 23:05 Uhr
In der Türkei ticken die Uhren eben noch anders
Außerordentlich bedenklich erscheint der Gesellschaft für bedrohte Völker eine neue rassistische Kampagne des türkischen Erziehungsministeriums unter Führung des Ministers Dr. Hüseyin Celik. Die neuen Dekrete des Ministeriums werden von der türkischen Lehrerunion ebenfalls als rassistisch und chauvinistisch bezeichnet. Danach werden in Neuauflagen türkischer Schulbüchern die Volksgruppen der Armenier, der Pontosgriechen und der Syrisch- Orthodoxen Christen (Assyrer-Aramäer) als Spione, Verräter und Barbaren bezeichnet, während man Synagogen, Kirchen und Minderheitenschulen als schädliche Einrichtungen darstellt. Ebenfalls provozierend ist die Kampagne eines Essay Wettbewerbs der in allen Schulen der Türkei auch, ebenfalls erzwungen in den Schulen der griechischen und armenischen Minderheiten durchgesetzt wurde. Das Thema "der Aufstand und die Aktivitäten der Armenier im Ersten Weltkrieg". Der Wettbewerb endete am 1. September 2003 unter anderem mit der Auszeichnung des Türkeiweit besten Aufsatzes.
http://www.gfbv.it/3dossier/kurdi/kurtur-de.html

Überflüssig zu erwähnen, dass dieser Dr. Hüseyin Celik immer noch Bildungsminister der Türkei ist.
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von Gladiole Gladiole ist gerade offline | 3.12.2009 0:44 Uhr
Ungerufen
Bagis bestätigt das Schweizer Votum.
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von trabzon25 trabzon25 ist gerade offline | 3.12.2009 2:19 Uhr
Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht
@ an den Verfasser dieses Artikels, Herr Thomas Seibert
Sie können ein Unrecht in anderen Länder doch nicht dadurch rechtfertigen, was in der Schweiz passiert ist!
Eine fehlende Minarett ist kein Problem, dadurch ist die Religionsausübung nicht einschränkt. Aber durch dieses Referendum ist eine Minderheit abgegrenzt, wo doch alle ihren Glauben in der Schweiz ausüben können. Bleiben sie beim Thema und versuchen sie so etwas nicht zu rechtfertigen in dem sie Bsp. aus anderen Länder zugrunde legen, damit ist Unrecht nicht gleich Recht.
Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht, Ihre Pflicht. Mit freundlichen Grüßen Öztürk
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von schoenefelder schoenefelder ist gerade offline | 3.12.2009 9:33 Uhr
Der Beitrag hinterfragt die Berechtigung der Kritik der türkischen Regierung
an dem Ergebnis der schweizer Volksabstimmung und rechtfertigt nicht das ERgebnis dieser Volksabstimmung. Wenn die türkische Regierung behauptet, in ihrem Land könnten religiöse Minderheiten ungestört ihren Glauben ausleben, dann ist es auch erlaubt, auf Missstände in der Türkei hinzuweisen. Das hat nichts mit einer Rechtfertigung der ZUstände in der Schweiz zu tun.

Außerdem scheint die türkische Regierung mit ihren Kampangen gegen das Ergebnis der schweizer Volksabstimmung eher Öl ins Feuer zu gießen als zu einer sachlichen Diskussion beizutragen. Auch dies kann man kritisieren, ohne dass damit das schweizer Abstimmungsergebnis gerechtfertigt wird.

Was soll eigentlich der kryptische Hinweis darauf, dass Widerstand zur Pflicht wird. Welche Art von Widerstand meinen Sie? Drohen Sie - wenn auch subtil - mit Gewalt? Da hätte ich gerne eine Klarstellung.
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von trabzon25 trabzon25 ist gerade offline | 4.12.2009 2:25 Uhr
@Schoenefelder
Hallo Schoenefelder,
wegen meiner Ausdrucksweise und daher für sie schwer zu Verstehen ist, möchte ich etwas klarstellen. Zuerst möchte ich mich bei ihnen für ihre Aufklärung bezüglich des Artikels bedanken, da ich diesen Artikel etwas falsch verstanden haben. Entschuldigung, da hab ich etwas durcheinander gebracht.
Wie kommen sie darauf das ich mit widerstand Gewalt meine?
Da ich den Artikel etwas falsch Interpretiert habe, wollte ich nur den Verfasser des Artikel darauf hinweisen. Mit freundlichen Grüßen Öztürk
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von cz284 cz284 ist gerade offline | 3.12.2009 8:47 Uhr
Der deutsche Musterschüler
Sehr gut bemerkt!
In D gibt es einen vorauseilenden Gehorsam, immer in der Sorge, wenn wir das oder jenes nicht tun, gibt es Probleme.
Immerhin gibt es um diese Islam-Problematik nun wenigstens eine offizielle Diskussion, denn das ist hier schon schwer genug.
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von chilly.willy chilly.willy ist gerade offline | 3.12.2009 11:20 Uhr
@ cz284
Die "Diskussion" scheint sich aber dank unserer Medien zusehens zu einer einzig riesigen Stellungnahme für Schadensbegrenzung auszuarten.

Ich würde mich über mehr kritische Stimmen freuen, die nicht allein für Emotionalität und Geldtransfer plädieren.
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von jimmyk jimmyk ist gerade offline | 3.12.2009 14:05 Uhr
"Offizielle Diskussion"
Was ist an dieser Diskussion offizieller als an den hundertausend anderen die wir seit mindestens 2001 zu diesem Thema hatten - die letzte erst zu Sarrazin?
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von gerndrin gerndrin ist gerade offline | 3.12.2009 8:56 Uhr
Bummm
Dem einen oder anderen Stimmbürger ging sicher ein Licht auf. Die Links- und Gutmenschen-Presse entlarvte sich selbst und zeigte ihr wahres Gesicht. Selbst am Abstimmungsmontag druckte man Minarettbefürwortergejammer, aber keine Zeile über die Sieger. Die Medien haben nichts verstanden und müssen damit rechnen nicht mehr ernst genommen zu werden. Die Presse forderte übrigens, von den scheinbar „gemässigten“ Moslems in der Schweiz auch nie ein Bekenntnis zur Toleranz innerhalb ihres Glaubens.
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von baykhan baykhan ist gerade offline | 3.12.2009 9:15 Uhr
Doppelmoral
Die Vertreter der türkischen Regierungen legen eine bemerkenswerte Doppelmoral an den Tag wenn es um Identität, Religion und Kultur geht. Seit mehr als 80 Jahren wird die Bevölkerung über einen Kamm gekehrt als Türken und Sunniten bezeichnet. Ein Großteil derer ist bereits indoktriniert und viele andere sind assimiliert und fühlen sich und verhalten sich als Herrenrasse. Im eigenen Land alles unterdrücken, aber nach aussen von allen Alles abverlangen.
Natürlich darf man als Demokrat nicht so handeln wie diese Leute. Aber es ist mehr als erlaubt, wenn nicht eine Pflicht, diese Leute auf die Umstände und Missstände in ihrem eigenen Land aufmerksam zu machen.
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von Spieglein Spieglein ist gerade offline | 3.12.2009 9:24 Uhr
@An alle,
die sich für das Thema über eine "Schlagwortargumentation" und fundamentalistische Terroristen hinaus interessieren (der Artikel enthält m.E. zu wenige bis eigentlich keine Hintergrundinformationen): im Folgenden der Link zu dem Manuskript eines Vortrags von Superior Franz Kangler, der mittlerweile - glaube ich - seit über 30 Jahren in der Türkei lebt. Es stammt aus dem Jahr 2005.

http://www.sg.org.tr/cmsg/index.php?id=1451

Die Kernaussage:
"Es wird vieles überlegt und gearbeitet, doch die beiden Schlüsselbereiche sind meines Erachtens die Frage der Rechtspersönlichkeit der Religionsgemeinschaften bzw. das Laizismusprinzip der Türkei, das sich von den europäischen Konzepten sehr unterscheidet."

Im Übrigen finde ich es nicht weniger problematisch, dass auch nach der Änderung des Baugesetzes - der Begriff "Moscheen" wurde durch "Gotteshäuser" ersetzt, damit überhaupt eine baugesetzliche Handhabe für Kirchen vorhanden ist - nicht unter diesen neuen Begriff fallen (auch wenn ich einer sunnitischen Familie entstamme und nicht gläubig bin).

@Herr Seibert: Warum sind manche Artikel doppelt vorhanden? Die Beiträge, die man dann versehentlich in der älteren Fassung postet, werden anscheinend nicht veröffentlicht (obwohl die post-Möglichkeit weiterhin besteht). Am Ende muss man doppelt schreiben :-(
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von Spieglein Spieglein ist gerade offline | 3.12.2009 9:28 Uhr
Erschreckend
Nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage wollen vier von zehn Türken keinen Juden als Nachbarn, jeder Dritte lehnt es ab, neben einem Christen zu wohnen. Vize-Premier Bülent Arinc nannte die Resultate der Studie „erschreckend“.

Ja, finde ich auch erschreckend. Und ich hoffe, dass die türkische Regierung nicht ebenfalls auf so eine hirnrissige Idee kommt, die Bevölkerung zu befragen, ob Kirchen überhaupt oder mit oder ohne Kirchturm oder oder gebaut, erlaubt etc. sein sollen.
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von manni_b manni_b ist gerade offline | 3.12.2009 9:34 Uhr
Wo das Volk das sagen hat ist Demokratie
@trazon
Die schweizer Bürger haben abgstimmt - mehr als dei Hälfte will keine weiteren Minarette mehr. Punkt! - Aus Ende!
Die moslemeischen Länder wollen keine Kirchen - auch Punkt! Aus Ende.
So einfach ist es. Einfachjedem das lassen was er mag. Man muss nicht zwangshaft alles vermischen.
Comment
von betrachter betrachter ist gerade offline | 3.12.2009 10:47 Uhr
Bisschen simpel gedacht, @manni_b
Religionsfreiheit ist ein hohes Gut. Die ist in der Schweiz nach wie vor gewährleistet, ob mit oder ohne Minarett.
Doch den Christen in den islamischen Ländern sollte es endlich gestattet werden, Kirchen zu bauen - so wie Muslime hier und in der Schweiz neue Moscheen bauen können.
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von kermit kermit ist gerade offline | 3.12.2009 10:53 Uhr
so einfach ist das?
@manni
war das jetzt ernst gemeint?
100 Leute stimmen ab und 51 stimmen dafür die restlichen 49 zu töten. Dann ist das eben so, ja? Aus Punkt Ende! Oder ist das mit der Demokratie vielleicht doch etwas komplizierter?
Comment
von trabzon25 trabzon25 ist gerade offline | 4.12.2009 1:29 Uhr
@manni
@manni
ist das vielleicht ein Tipp-Fehler? ist es wirklich ihre Sichtweise einer Demokratie?
Mit freundlichen Grüßen Öztürk
Comment
von naiv naiv ist gerade offline | 3.12.2009 10:44 Uhr
Glaubensfreiheit?
Glaubensfreiheit im Islam? Das ist eine Illusion. Natürlich auch hier: Keine Regel ohne Ausnahme. Wenn in der Türkei noch einzelne Kirchen offiziell benutzt werden dürfen, ist das eine reine Alibiübung, denn die Regel ist: Keine bauen, keine renovieren sondern zerfallen lassen; dafür gibt es zahllose Beispiele, wo daraus dann Viehställe oder dergleichen wurden. Die Behinderung und Unterdrückung der gläubigen Christen ist auch in der Türkei allgegenwärtig, wenn auch nicht so augenfällig wie etwa im Iran, Irak und Saudiarabien. Dass es dort noch viel schlimmer ist, weiss doch bald Jeder. Aber eben, der Islam verordnet Takkya, die Lüge, die geheiligt ist, wenn sie dem Islam nützt. Begreifen das unsere Politiker und anderen Gutmenschen nicht endlich? Daher: Wehret den Anfängen, so wie es in der Schweiz jetzt geschah, wo der Bau des politischen Machtzeichen des Islam, der Minarette jetzt verboten ist. Das sollte in Warnruf an Europa sein bevor es Eurabia wird.
Das auch dem Herrn Selbert ins Stammbuch!
Comment
von dali dali ist gerade online | 3.12.2009 11:37 Uhr
So wird das nix,
dass in der Türkei permanent die Rechte nicht nur religiöser Minderheiten verletzt werden,
rechtfertigt nicht,
durch ein Verbot von Minaretten die religiöse autonomie der Muslime z.B. in der Schweiz zu beieinträchtigen.
Die Kommentatoren, die sich genötigt sehen, Religionsfreiheit auch bei einem Minarett-Verbot gewährleistet zu sehen,
verlassen einfach den ihnen zustehenden Interpretationsspielraum und maßen sich an,
in einem anderem hermeneutischen Zirkel zu argumentieren.
Wenn mir ein Jude, Papist oder Muslim vorschreiben will, ob an MEINER Kirche ein Kirchturm zu sein hat,
würde ich ganz erheblich fuchsig werden.
Eben jenes steht auch Muslimen zu...
Comment
von chilly.willy chilly.willy ist gerade offline | 3.12.2009 12:14 Uhr
@ dali
Sie haben die Bedeutung und Wirkung der Minaretten nicht verstanden, stimmt's?
Comment
von lacher lacher ist gerade offline | 3.12.2009 13:33 Uhr
Bedeutung von Minaretten ?
Ich offenbar auch nicht.
Na da bin ich ja mal gespannt, welche Bedeutung und Wirkung sie Minaretten zuweisen, chilly willy. Ich kanns kaum erwarten von Ihnen belehrt zu werden !
Comment
von chilly.willy chilly.willy ist gerade offline | 3.12.2009 17:04 Uhr
na, @lacher
was ich als Person von Minaretten halte ist von minimaler Bedeutung.
Schön verziert und anspruchsvoll gebaut (es gibt genügend interessante Entwürfe) halte ich dies sogar als eine wahre Bereicherung für jede Großstadt, die sich um eine angemessene Präsentation bemüht.
Ich würd' sogar auch 2 Euro für die Kaffee- bzw. Teekasse opfern um einen schönen Ausblick von dort aus genießen zu können.
Berührungsängste habe ich da keine.


Was aber allerdings recht fahrlässig ist, ist diese religiöse Überinterpretation einiger Zuvielbesorgter hier, die davon reden, dass die Religionsfreiheit abgeschnibbelt wird.

Wo wird das eigentlich getan?

In dem man etwa eine unessentielle Konstruktion verbietet?
Wozu ist das Minarett noch mal gut?
Für Gebetsrufe?
Das geht auch über Lautsprecher und Kassette, wie es mit ein Imam vor 6 Jahren persönlich gesagt hat (dessen Moschee erst letztes Jahr eins bekommen hat).
Als Wachturm kann es ja vielleicht noch taugen, wenn der Pöbel, wie @dali die Schweizer nennt, mit Fackeln vor ihm steht.


Der nachzügliche Bau der Minaretten schien mir eher im Großen und Ganzen von prestigeträchtiger Natur zu sein. Hat es eine Moschee, dann will es jede haben (was ja nachvollziehbar ist), aber bitte wundert euch [ihr Toleranzprediger] nicht, dass dies viele Unaufgeklärte zurecht als bedrohlich wahrnehmen können und am Ende so abstimmen.
Wenn man die Schweizer im Zerifelsfalle als Opfer von Populisten versucht zu entlarven, dann sollte man hier in Deutschland vom hohen Ross absteigen. Hier ist's auch nicht besser.

In einem anderem Artikelhat man's sehr schön formuliert:
[quote=Alaa Al-Aswani]Wir übrigen Muslime haben bei der Aufgabe versagt, das wirkliche Gesicht des Islam zu vermitteln, seine Toleranz und seine Offenheit.
(...)
Wir können nicht erwarten, dass irgendwelche wohlmeinenden Europäer sich um das Image des Islam
Comment
von chilly.willy chilly.willy ist gerade offline | 3.12.2009 17:40 Uhr
Oops - Korrektur
In einem anderem Artikelhat man's sehr schön formuliert:


Zitat von Alaa Al-Aswani

Wir übrigen Muslime haben bei der Aufgabe versagt, das wirkliche Gesicht des Islam zu vermitteln, seine Toleranz und seine Offenheit.
(...)
Wir können nicht erwarten, dass irgendwelche wohlmeinenden Europäer sich um das Image des Islam kümmern.


__

Und wer's bemerkt, bitte folgendes verwenden:

- mir
- Zweifelsfalle

sorry...
Comment
von ThomasP. ThomasP. ist gerade offline | 3.12.2009 13:35 Uhr
Das spiegelt Kommunikationsprobleme.
Es ist wohl jeden aufgefallen, das immer wieder religiöse Bekenntnisse stigmatisiert und denunziert werden.
Das ist wie Menschen nach dem Niederkunftsort der Mutter zu schachteln und drauf rum zu latschen, in der Hoffnung, das diese einen Zentimeter größer werden.
Das ist das Hirnrissige an der Problematik.
Eine Rudelideologie welche ich dem Tierreich zuordne.
Idioten sind auf dem Globus dem Anschein nach gleich verteilt.
Das hat nichts mit Achtung von Geist und Glauben in der Sache, und nichts mit Völkerverständigung zu tun.
Statt geistige Kommunikation, hacken für die Hackordnung.
Der Geist, ist ein Kommunizierendes Wesen, und dem wird von niederen Instinkten sehr oft die Gurgel abgedreht.
Mit geistiger und geistlicher Freiheit, hat das alles nichts mehr zu tun.
Sucht die Gemeinsamkeiten und haut euch nicht die Gegensätze an die Birne.
Testet es mal in der eigenen Familie.
Am Ende steht Frieden oder Krieg.
Was wollt ihr wirklich ???
Comment
von chilly.willy chilly.willy ist gerade offline | 3.12.2009 17:11 Uhr
@ ThomasP. : Bitte nicht so einseitig
ICH diskreditiere hier gar nichts, außer vielleicht diejenigen, die die Sache viel zu emotional betrachten und auf falscher Wahrnehmung argumentieren.
Comment
von Spieglein Spieglein ist gerade offline | 4.12.2009 18:10 Uhr
@chilly.willy
"die die Sache viel zu emotional betrachten und auf falscher Wahrnehmung argumentieren."

Interessanterweise musste ich bei dieser Charakterisierung an die angstgeleiteten Minarett-Phobiker denken.
Comment
von chilly.willy chilly.willy ist gerade offline | 5.12.2009 12:40 Uhr
@ Spieglein
Interessanterweise musste ich bei dieser Charakterisierung an die angstgeleiteten Minarett-Phobiker denken.

Es ist nicht widersprüchlich, wenn diese Charakterisierung gleichzeitig auf beide Parteien zutrifft :)
Comment
von betrachter betrachter ist gerade offline | 3.12.2009 13:35 Uhr
Wenn rund 150 Moscheen
in der Schweiz KEIN Minarett haben - dann dürfte doch klar sein, dass ein Minarett überhaupt nicht nötig ist um den muslimischen Glauben frei und ungehindert leben zu können.

Comment
von indianway77 indianway77 ist gerade offline | 3.12.2009 15:08 Uhr
Bitte
[b][/b]Bitte lesen Sie doch noch mal dali 13:52, oder ist das so unklar ausgedrückt? Ich kann ihm nur zustimmen!
Comment
von betrachter betrachter ist gerade offline | 3.12.2009 16:40 Uhr
Was, @indianway,
hat der Kommentar von @dali 13:52 für einen Zusammenhang zu meinem?
Null.
Comment
von zacha zacha ist gerade offline | 3.12.2009 14:46 Uhr
@dali
Also bei so einer Vorlage kann ich nicht anders:

dali, dann fahren Sie doch in das Herkunftsland dieser Muslime die in der Schweiz Minarette bauen wollen, und fangen dort an eine Kirche (mit oder ohne Kirchturm ist da schon egal) zu bauen. Dann werden Sie Grund haben "mal richtig fuchsig" zu werden.

Also wenn Sie schon vergleichend argumentieren, sollten Sie davor mal nachdenken wie ihre Vergleiche aussehen. Denn damit geben Sie jedem anderen das Recht ihnen die Vergleiche um die Ohren zu hauen.
Comment
von dali dali ist gerade online | 3.12.2009 18:37 Uhr
Was soll denn das @zacha (14:46)
ich selbst habe an den unterschiedlichsten Stellen das Verhalten des türkischen Staates gegenüber den enstehenden Gemeinden in Antalya und Alanya beklagt.
Das aber rechtfertigt nicht die Missachtung der UNO-Charta durch ein paar Almendudler...
Comment
von Spieglein Spieglein ist gerade offline | 4.12.2009 18:15 Uhr
@zacha
Also beharrlich wird man als Mensch mit türkischem Migrationshintergrund aufgefordert, sich mit Deutschland zu identifizieren. Und ebenso beharrlich identifiziert man in Deutschland geborene und lebende Menschen mit türkischem Migrationshintergrund mit der Türkei. Manchmal handelt es sich bei beiden Handlungen sogar um den selben Agens.

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