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Internationale Beziehungen

Indien macht Staat in den USA

Wer ist für die USA die Nummer eins in Asien: China oder Indien? Diese emotionsbeladene Frage liegt über dem Besuch des indischen Premierministers Manmohan Singh im Weißen Haus, nur wenige Tage nach Präsident Barack Obama Asienreise, in deren Mittelpunkt China stand.
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Wer ist für die USA die Nummer eins in Asien: China oder Indien? Diese emotionsbeladene Frage liegt über dem Besuch des indischen Premierministers Manmohan Singh im Weißen Haus, nur wenige Tage nach Präsident Barack Obama Asienreise, in deren Mittelpunkt China stand. Singh wurde mit den höchsten Ehren empfangen. Es ist der erste offizielle Staatsbesuch in den zehn Monaten der Obama-Präsidentschaft. Für ihn richteten die Gastgeber am Dienstag das erste „Black Tie“-Dinner aus, ein Staatsessen mit besonderer Kleiderordnung: Smoking für die Herren, langes Kleid für die Damen. Um die mehreren hundert Geladenen unterzubringen, wurden Zelte auf der Südwiese vor dem Weißen Haus aufgebaut. Obama würdigte die Verbindungen zu Indien nach einem Gespräch mit Singh als „eine der entscheidenden Beziehungen“ des 21. Jahrhunderts.

Singh hatte in einem Interview für CNN vor der Ankunft betont, die Beziehungen zu Obama seien ebenso gut wie zuvor zu George W. Bush. Indien sehe sich auch nicht in Konkurrenz zu China. Doch US-Medien erwecken in ihren Analysen einen anderen Eindruck: Unter Bush sei Indien der bevorzugte Partner gewesen, er habe China als Rivalen behandelt. Obama umwerbe China und weise so Indien die Rolle einer zweiten Geige zu. Außerdem hofiere er Pakistan, Indiens Erzrivalen, weil er dessen Kooperation in Afghanistan benötige. Als Hauptargumente dienen das unter Bush geschlossene Atomabkommen und ein Satz aus der Schlusserklärung zu Obamas Chinabesuch.

Indien war unter Bruch des Nichtverbreitungsvertrags (NPT) Atommacht geworden. Bush wollte Indien durch den Vertrag über zivile Nuklearkooperation dazu bringen, sich nun dem NPT zu unterwerfen. Diese Strategie ist umstritten. Pragmatiker versuchen den NPT zu retten. Kritiker sagen, es sende das falsche Signal an Nordkorea und Iran, wenn man den Bruch des NPT-Vertrags nach Ablauf einiger Jahre so leicht heilen könne. Misstrauen in Indien erweckte die Vereinbarung Obamas mit China, „zusammenzuarbeiten, um Frieden und Stabilität in Südasien zu fördern“. Indien betrachtet diese Region als seine Einflusssphäre und nimmt Peking dort als destabilisierenden Rivalen wahr.

Tatsächlich sind die internationalen Zusammenhänge noch komplizierter. Obama braucht auch Indien für die Stabilisierung Afghanistans. Pakistan wird verdächtigt, insgeheim mit den Taliban zu kooperieren, um unabhängig vom Ausgang des Krieges Einfluss dort zu behalten, als Gegengewicht gegen Indien. Indien wiederum unterstützt die Regierung Karsai beim Aufbau des afghanischen Geheimdienstes; auch das gilt nicht als selbstlose Tat, sondern gegen Pakistan gerichtet. So hängt der Indien-Pakistan- Konflikt über Singhs Besuch. Er fällt zusammen mit dem Jahrestag des Terroranschlags in Bombay, dessen Drahtzieher in Pakistan vermutet werden.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 25.11.2009)
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