[Kommentare: 6]

Afghanistan

Taliban: Alle in einen Topf

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) will sich an Reintegrationsprogrammen für Taliban-Kämpfer und Sympathisanten beteiligen. Wie soll das genau funktionieren?
Anzeige
Bild vergrößern
Ein Aussteigerprogramm für Taliban – das ist keine ureigene Idee des liberalen Politikers, vielmehr greift Westerwelle damit auf, was die afghanische Regierung auf der Konferenz am Donnerstag in London der internationalen Gemeinschaft vorschlagen wird. Ganz im Sinne dessen, was Präsident Hamid Karsai nach seiner umstrittenen Wiederwahl in seiner Antrittsrede bereits verkündete: „Wir heißen all jene Landsleute willkommen, die keine Verbindungen zu internationalen Terror-Netzwerken haben, die ein friedliches Leben im Licht unserer Verfassung führen wollen und die in ihr Zuhause zurückkehren wollen. Wir werden ihnen die notwendige Unterstützung bieten.“

Seither ist viel von Versöhnung und Integration die Rede, von Verhandlungen mit gemäßigten Taliban und anderen Aufständischen. Nun sind die UN-Resolutionen, die der internationalen Mission am Hindukusch zugrunde liegen, bisher immer so verstanden worden, dass die Bekämpfung des Terrorismus Verhandlungen mit Taliban oder gar Geldzahlungen an Aufständische ausschließe. Darum wird es wohl auch dabei bleiben, dass nicht Vertreter des Westens das Gespräch mit den Kämpfern suchen werden, sondern das Sache der Afghanen selbst sein wird. Nach der Konferenz in London soll ein Fonds aufgelegt werden, in den der Westen einzahlt – verteilt wird das Geld aber von den Afghanen. Es wird somit keine direkten Zahlungen an ehemalige Kämpfer geben, sondern Finanztransfers in einen Topf der afghanischen Regierung, die das Geld dann für ihre Zwecke nutzen kann. Deutschland will sich mit einem zweistelligen Millionenbetrag daran beteiligen. Der genaue Betrag soll am Montagabend bei einem Spitzentreffen im Kanzleramt beschlossen werden, erfuhr das „Handelsblatt“ aus Regierungskreisen.

Allerdings warnen Experten vor den Gefahren solcher Zahlungen. Die Verteilung der Fondsgelder könnte die Korruption in Afghanistan noch verstärken oder in den Augen von Afghanen, die keine Sympathien für die Taliban haben, wie eine Belohnung der islamistischen Kämpfer wirken. Citha Maaß von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin rät der Bundesregierung daher, kein Geld in den Fonds einzuzahlen, sondern das Kabuler Vesöhnungsprogramm durch konkrete Projekte im deutschen Verantwortungsbereich zu unterstützen. Indem man jenen, die dem Kampf abschwören, eine Ausbildung zukommen lässt, ihnen einen Arbeitsplatz verschafft und ihre Familien wirksam vor Racheakten schützt. Michael Schmidt

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 25.01.2010)
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Papst zum Missbrauch:

Klar und doch nicht klar genug
In seinem Hirtenbrief geht Benedikt XVI. das derzeit brennendste Kirchenthema provinziell an: Er richtet sein Schreiben ausschließlich "an die Katholiken Irlands" und blendet die Situation in anderen Ländern derart aus, als wäre dort nie etwas gewesen. Trotzdem hätten seine Worte nicht härter sein können.

Steuersenkung:

Mein Geld gehört mir

Flughafen Tegel:

Alle Poker-Räuber gefasst
UPDATE Zwei Wochen nach dem Überfall auf ein Pokerturnier in Berlin ist auch der letzte der vier Tatverdächtigen gefasst worden. Jihad C. wurde gegen 19 Uhr am Flughafen Tegel festgenommen.

Kommentare [ 6 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 25.1.2010 7:41 Uhr
Unfaßbare Dummheit
Was wird geschehen? Hunderttausende werden sich als Taliban ausgeben, "aussteigen" und Mutti vom Geld einen Waschmaschinenflatscreenfernsehergeschirrspüler kaufen. Danach ziehen sie wieder in den Kampf, um mit neuem Namen in einer anderen Region wieder "auszusteigen" ...

Raus da!
Comment
von uwemohrmann uwemohrmann ist gerade offline | 25.1.2010 16:41 Uhr
klaus_weiss
So ähnlich habe ich das gestern morgen auch schon geschrieben. Da wusste ich allerdings noch nicht, das diese Schnapsidee nicht von unserem sog. Aussenminister stammt, sondern wie ich gestern in der Tagesschau aus Regierungskreisen in Kabul. Die müssen sich doch neue Einnahmequellen erschliessen, wenn man keine Bestechungsgelder mehr bekommt.
Comment
von zacha zacha ist gerade offline | 25.1.2010 10:03 Uhr
@Michael Schmidt
Tja wenn es mal so einfach wäre, jemandem Ausbiludngsplätze oder Arbeitsplätze zu verschaffen oder die Familie wirksam vor Racheakten zu schützen. Wenn das so einfach wäre würde man das einfach auch auf alle nicht-Taliban ausweiten und hätte blühende Landschaften.

Selbst wenn es ginge, wäre eine Hilfe bei Ausbildungs- und Arbeitsplatzfingung für Ex-Taliban ebenso wie Geld eine "Belohnung" dafür mal bei dne Taliban gewesen zu sein die diejenigen, die sich nie bei diesen befanden, vor den Kopf stoßem müssen. Von der Nachhaltigkeit zu schweigen.

Ich glaube nicht an dieses Konzept. Das heißt nicht, das man es jetzt schon rundheraus ablehnen sollte, eine Art Pilotprojket könnte versucht werden, wenn die Details sinnvoll ausgearbeitet werden. Denn man sollte Konzepte nicht von vorne herein verwerfen, wenn sie helfen können dort die Lage weiter zu stabilisieren.
Comment
von lionfood lionfood ist gerade offline | 25.1.2010 14:45 Uhr
Arbeitsplätze???
Ausbildungs- und Arbeitsplätze in Afghanistan schaffen? Das schafft die Regierung ja nicht mal hier.

Oder sieht das dann so aus, dass deutsche Unternehmen Arbeitsintensive Produktion nach Afghanistan verlegen, und die Menschen dort eben für 25 cent die Stunde arbeiten?

Das deutsche Entwicklungshilfeministerium baut eine Eisenbahnlinie in den Iran. Und von dort gehts ja prima mit dem Zug nach Europa.

Junge, junge, wer hat denn jetzt schon wieder was der FDP gespendet? Wird ja immer absurder.
Comment
von brezel brezel ist gerade offline | 25.1.2010 14:53 Uhr
Im Sumpf des Bakschisch…
Mir grault es:“ Es wird somit keine direkten Zahlungen an ehemalige Kämpfer geben, sondern Finanztransfers in einen Topf der afghanischen Regierung, die das Geld dann für ihre Zwecke nutzen kann.“
Ihre Zwecke, die da wären....??????
Liebe POlitiker, schmeißt das Geld doch gleich zum Fenster raus. Bei der Finanzkrise hatte ich schon Schwierigkeiten mit der UnterSTÜTZUNG der HRE gehabt, nun scheint der Verstand völlig auszusetzen, total,



bei mir jedenfalls!

Dazu fällt mir dann nur noch ein:

Wer einmal einen Sumpf betritt,
den zieht’s hinein –







Schritt für Schritt!


Darum …

kehret um!


Raus aus (dem Sumpf)









Afghanistan!
Comment
von pea pea ist gerade offline | 25.1.2010 19:13 Uhr
Weitere Info dazu:
Weitere Info dazu:

http://www.tagesspiegel.de/politik/EKD-Kirchen-Margot-Kaessmann;art771,3011171

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 12 x 2 = 


Anzeige
Weitere Themen

Wer ist Benjamin Netanjahu? Lesezeichen hinzufügen

Von Charles A. Landsmann, Tel Aviv
Er verliert an Zustimmung, hat aber die Macht. Was er will, weiß niemand genau. mehr...

Lafontaine will öffentlichen Bankensektor Lesezeichen hinzufügen

Cordula Eubel
"Wer Freiheit will, muss beim Eigentum ansetzen": Bei der Präsentation eines ... mehr...

Streng muslimisch in Europa Lesezeichen hinzufügen

Andrea Dernbach
Andrea Dernbach über die aus der Islamkonferenz verbannte Milli Görüs mehr...

General warf Guttenberg Fehler vor Lesezeichen hinzufügen

Der Beschwerdebrief des Bundeswehr-Generals Henning Hars, der zu dessen ... mehr...

Haseloff als CDU-Spitzenkandidat nominiert Lesezeichen hinzufügen

Sachsen-Anhalts CDU geht mit Wirtschaftsminister Reiner Haseloff als ... mehr...
Fotostrecken

Generaldebatte im Bundestag (22 Bilder)

Thailand (9 Bilder)

Dresden im Ausnahmezustand (11 Bilder)

Die glorreichen Sieben (7 Bilder)

100 Tage Schwarz-Gelb (16 Bilder)

Taliban attackieren Kabul (7 Bilder)
Mauerfall 1989 - Foto: dpa
Lesen Sie hier persönliche Geschichten aus dem Wendejahr