Der von Deutschland befehligte Luftangriff auf die von Taliban entführten Tanklastwagen steht in der Kritik. War der Einsatz berechtigt oder übertrieben? Für Oberstleutnant Jürgen Rose ist klar: Es ist an der Zeit, einzugestehen, daß sich mit solchen Mitteln Menschenrechte, Freiheit und Demokratie nie werden gewinnen lassen - weder für die Menschen in Afghanistan noch sonstwo auf der Welt.
Entsetzen herrscht in der Republik über einen der verheerendsten Luftangriffe im schmutzigen Krieg am Hindukusch. Befohlen von einem Oberst der Bundeswehr, exekutiert von einem Jagdbomberpiloten der US Air Force. Blitzschnell, präzise und mörderisch hat sie funktioniert, die High-Tech-Kriegsmaschinerie der Nato. Kaum eine Stunde war vergangen, nachdem der Gegner die Tanklastwagen der Isaf erbeutet hatte, da hatten die fliegenden AWACS-Gefechtsstände die waffenstarrende Kampfmaschine zu ihrem Ziel dirigiert. Was folgte, waren gigantische Explosion und flammendes Inferno. Übrig blieben die qualmenden Stahlskelette zweier Tanklastzüge und Dutzende, wenn nicht über hundert verkohlte Menschenleiber.
Oberstleutnant Jürgen Rose sieht den Bundeswehreinsatz in Afghanistan kritisch. - Foto: Darmstädter Signal
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Was wohl angesichts dessen in den Köpfen jener, wie Kurt Tucholsky sie nennen würde, "Schlachtendirektoren", vorgehen mag, die in der "Chain of Command" ihre Befehlsgewalt ausübten?
In jener Nacht jedenfalls scheint eiskalte Militärlogik Regie geführt zu haben. Der Feind hatte zwei Fahrzeuge erbeutet, die Treibstoff für die Besatzungstruppen transportierten. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln sollte ihm die Nutzung dieser wertvollen Ressource verwehrt werden. Vielleicht wollten die Taliban die Tanklaster aber auch als rollende Benzinbomben für Selbstmordattentate nutzen. Unverzügliche Reaktion schien geboten. Am schnellsten konnte diese die Luftwaffe leisten. Das Risiko schien begrenzt, schließlich fuhren die Lastzüge mitten in der Nacht über einsame Pisten. Das Ziel sollte für die Jagdbomberbesatzung leicht identifizierbar sein. Getroffen werden konnten ja nur die feindlichen Kämpfer, welche die Tanklaster geraubt hatten und Kollateralschäden waren in dieser Situation zu nächtlicher Stunde kaum zu erwarten.
Doch bei genauerem Hinsehen erscheint das Vorgehen weit weniger durchdacht, sondern im Gegenteil in höchstem Maße fragwürdig. Der Wert der beiden Tanklaster war in Wirklichkeit eher marginal; den Krieg konnten die Taliban mit ihnen jedenfalls nicht gewinnen. Und selbst wenn die Selbstmordanschlagstheorie stimmen sollte - die Laster konnten doch, quod erat demonstrandum, nur auf befestigten Pisten oder Straßen fahren. Die aber waren mit infanteristischen Kräften jederzeit zu überwachen. Und schon mit einer simplen, über die Straße gespannten Nagelkette läßt sich jedes bereifte Fahrzeug stoppen.
Bring our Boys back Home!
Jeder Offizieranwärter lernt in der Ausbildung, wie er Sicherungskräfte, die mit Maschinenge-wehren, Panzerfäusten, Handgranaten und anderem Rüstzeug ausgestattet sind, zum Schutz eigener Positionen einsetzen kann. Die Bundeswehrtruppe am Hindukusch verfügt über all diese Waffen und noch mehr. Warum also diese Eile und dieses Übermaß? Hatte nicht der neulich ins Amt gekommene Isaf-Kommandeur MyChrystal größte Zurückhaltung im Hinblick auf die Anforderung und den Einsatz von Luftnahunterstützung angeordnet? Wollte da ein Kommandeur beweisen, daß die im vermeintlich ruhigen Nord-Afghanistan stationierten Bundeswehrsoldaten eben nicht die "Drückeberger" und "Weicheier" waren, als die sie von ihren alliierten Kameraden mitunter verspottet wurden? Sollte die Welt erkennen, daß "die Deutschen wieder gelernt hatten zu töten", wie vor Jahren schon DER SPIEGEL getitelt hatte? Die harschen Reaktionen in der Europäischen Union und in der Nato zeigen, daß solche Fragen sich nicht einfach vom Tisch werden wischen lassen. Die bislang völlig kopflos reagierende Bundesregierung wird Rede und Antwort stehen müssen, und zwar über jene Desinformationssprechblasen hinaus, die bislang aus Berlin ertönen.
Eines aber sollte das nächtliche Drama im afghanischen Flußbett auch dem letzten Traumtänzer hierzulande klargemacht haben, und das ist, was die von Gerhard Schröder mit Aplomb verkündete "Entmilitarisierung des Militärischen" in der Realität bedeutet: Nämlich massenhaft Tod, Verwundung und Verstümmelung von Menschen. Es ist an der Zeit, einzugestehen, daß sich mit solchen Mitteln Menschenrechte, Freiheit und Demokratie nie werden gewinnen lassen - weder für die Menschen in Afghanistan noch sonstwo auf der Welt. Für die demnächst neu gewählte Bundesregierung kann daher nur eine Devise gelten, und die lautet: Bring our Boys back Home!
Dipl. Päd. Jürgen Rose ist Oberstleutnant der Bundeswehr. In diesem Gastbeitrag vertritt er nur seine persönlichen Auffassungen und spricht nicht als Vertreter der Bundeswehr. Jürgen Rose ist Mitglied des Darmstädter Signal, einer Vereinigung von Bundeswehrsoldaten, die kritisch die Arbeit der Bundeswehr begleitet.
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Inzwischen kristallisiert sich jedenfalls immer deutlicher heraus, dass es anscheinend kaum (oder soger keine!) zivile Opfer bei der Bombardierung der beiden entfürten Tanklastzüge gegeben hat, und dass die Opferzahl niedriger liegt, als in den letzten Tagen von diversen Journalisten und Politikern spekulativ kolportiert wurde (was die ursprünglichen Angaben der BW in Kundus zu bestätigen scheint).
http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Titelseite-Afghanistan-Bundeswehr;art692,2896124
Die Bombardierung war legitim
Man kann es auch weniger nett ausdrücken: Die BW traute sich nachts nicht aus dem Bau, um weniger brachial antworten zu können. Deutsche Soldaten inspizierten den Tatort erst am folgenden Mittag!
Er hat sein Land nicht unter Kontrolle, also müssen es andere unter Kontrolle bringen.
Mich interessiert nur, ob die afghanische Bevölkerung den Angriff gut hieß. Das tut ein Teil nicht, ein beträchtlicher Teil steht aber deutlich auf Seite der Deutschen, und das ist alles, was zählt.
Und der Privatier Jürgen Rose kann den Einsatz genauso wenig beurteilen wie die übrigen Drehstuhlpiloten und Badewannenkapitäne.
Er war schlicht nicht vor Ort. Große Reden kann man hinterher immer schwingen.
Ich gestatte mir, aus genau diesem Artikel zwei Passagen zu zitieren:
"„Sogar unsere Dorfältesten sagen, dass wir uns nun den Taliban anschließen müssen.“"
Und weiter:
"Die Folgen des Angriffs werden aber in Zahlen nur schwer zu fassen sein. Einer der Männer aus Isarkhel berichtet: „Auf dem Weg in die Stadt kam ich an einem Graben vorbei, in dem sich Kinder mit Holzgewehren verschanzt hatten. Sie sagten: 'Wir warten auf die Ausländer, um sie zu töten'.“ Für die Kinder ist es unerheblich, ob die Opfer Taliban, Sympathisanten oder einfache Bauern waren."
Und: wie viel Eigenständigkeit gestehen die westlichen Mächte diesem Land zu? Alles ist wirklich in höchstem Maße fragwürdig. Und die Antworten aus der Politik, die im Augenblick gegeben werden, sind wirklich in höchstem Maße fragwürdig ...
Etappenhengst mit Sonderkündigungsrecht im Kriegsfall. Ab an die
Ostfront !
Der Wert der beiden Tanklaster war in Wirklichkeit eher marginal; den Krieg konnten die Taliban mit ihnen jedenfalls nicht gewinnen.
Was will Herr Rose uns mit diesem Satz sagen, der eigentlich seinen Beitrag ad absurdum führt?
Das Risiko schien begrenzt, schließlich fuhren die Lastzüge mitten in der Nacht über einsame Pisten........Kaum eine Stunde war vergangen, nachdem der Gegner die Tanklastwagen.....
Aus diesem Grund war auch Eile geboten den Luftangriff durchzuführen, da die LKWs über einsame Pisten gefahren sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass Zivilisten in der Nähe sein könnten war denkbar gering.
Hatte nicht der neulich ins Amt gekommene Isaf-Kommandeur MyChrystal größte Zurückhaltung im Hinblick auf die Anforderung und den Einsatz von Luftnahunterstützung angeordnet?
Sehr schön, dass Herr Rose diesen Satz als Frage verfasst hat, da er offensichtlich keine Ahnung hat. Der Kommandeur hat äußerste Vorsicht bei Luftangriffen über bewohnten, oder bevölkerten Gebieten angeordnet.
Was bringt uns sein Beitrag? Wir kennen jetzt seinen Namen und seinen Dienstgrad
Diese Dolchstoßlegenden sind nicht totzukriegen. Macht aber nichts, Sie werden sie bestimmt noch verwenden können.
Also Icke, eine Armee in einer Demokratie hält Kritik aus den eigenen Reihen nicht nur aus, sie ist im Sinne einer gelebten Demokratie sogar erwünscht. Wenn Sie´s nicht glauben, raten Sie mal, warum Jürgen Rose aktiver Offizier und Oberst ist - und es auch bleiben wird?
Schade, daß Sie Roses Beitrag nicht verstanden haben, wie Sie selbst schreiben. Für mich ist das Fazit Roses ein für einen Berufssoldaten bemerkenswertes Resumee und ich wiederhole es daher:
"Eines aber sollte das nächtliche Drama im afghanischen Flußbett auch dem letzten Traumtänzer hierzulande klargemacht haben, und das ist, was die von Gerhard Schröder mit Aplomb verkündete "Entmilitarisierung des Militärischen" in der Realität bedeutet: Nämlich massenhaft Tod, Verwundung und Verstümmelung von Menschen. Es ist an der Zeit, einzugestehen, daß sich mit solchen Mitteln Menschenrechte, Freiheit und Demokratie nie werden gewinnen lassen - weder für die Menschen in Afghanistan noch sonstwo auf der Welt"
Soldaten wie Jürgen Rose geben Hoffnung, daß wir in dieser Republik eine wirklich demokratische Armee mit klugen Kommandeuren haben.
Er ist kein Kommandeur, er ist ein Theoretiker der sich nie an der Wirklichkeit messen musste und keinerlei Bezug hat zur Realität eines Einsatzes. Das ist alles keine Schande, aber ich verstehe nicht mit welcher Kompetenz er also dort redet. Meiner Meinung nach gehört er zu der schlimmen Sorte der Akademiker: Der Sorte, die aus dem Luftschloss heraus redet und den Praktikern alles, aber auch alles vorschreibt ohne sich mal anzuhören, was diese zu sagen haben, um sich ja nicht aus ihrer Traumwelt reißen zu lassen. Un de sist mehr als peinlich, wenn sich so einer hinstellt und seine Kameraden im Einsatz so hintergeht und diskreditiert wegen seiner eigenen Ideologie, nicht wegen Fehlern dieser Kameraden. Um das hier klar zu stellen, ich habe nichts gegen vernünftig begründete und angemessene Kritik. Aber solche Thesen wie "Wollte da ein Kommandeur beweisen, daß die im vermeintlich ruhigen Nord-Afghanistan stationierten Bundeswehrsoldaten eben nicht die "Drückeberger" und "Weicheier" waren, als die sie von ihren alliierten Kameraden mitunter verspottet wurden?" sind geradzu bösartig.
Wenn Sie Schröder an dieser Stelle zitieren möchte ich Sie fragen wer denn unsere Soldaten nach Afghanistan geschickt hat, Sie Traumtänzer.
Eine Armee voller Pazifisten ist wohl das, was Sie sich wünschen. Nur warum braucht man dann eine Armee? Sie sollten nicht vergessen: Es herrscht Krieg. Und wir sind nun einmal leider mit im Boot wegen Schröder. Ich war nicht für den Einsatz, aber jetzt müssen wir da nun einmal durch.
Wet sich auch etwas über diesen Oberstleutnant inforieren will, über seine Hintergrundsgeschichte und seine politischen Grundauffassungen, mag sich dieses Interview bei "Mulsim-Markt" ansehen, in dem er glänzt mit Äußerungen wie "Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Bundesrepublik Deutschland bereits zum dritten Mal an völkerrechts- und damit zugleich verfassungswidrigen Militäreinsatzen beteiligt. Das erste Mal war dies im Jahr 1999 beim Krieg gegen Jugoslawien der Fall, dann 2001/2002 beim Überfall auf Afghanistan, an dem die Soldaten des "Kommandos Spezialkräfte" (KSK) aus Calw teilnahmen und schließlich 2003 mit der massiven Unterstützung des Angriffskrieges gegen den Irak. Gerade der letztgenannte Vorgang beweist, dass die militärische Führung der Bundeswehr auf Anordnung der Bundesregierung willfährig und vorbehaltlos schweren Völkerrechts- und zugleich Verfassungsbruch begangen hat, indem sie mit Tausenden von Soldaten dem Imperium Americanum Beihilfe zu einem glasklaren Aggressionskrieg leistete." bringt.
Krieg gegen Jugoslawien, Imperium Americanum, jetzt ein feierliches "Bring our Boys back Home!" Man sieht also ohne Zweifel, dass sich hier der politisch-ideologische Faden des Herrn Rose durchzieht, dass Thema eines Kampfes in Afghanistan mit Toten udn Terroristen und evtl. Zivilisten spielt da nur eine Randrolle, einen willkommenen Vorwand.
Das ist grundfalsch. Wir leben seit 60 Jahren in einer freien Demokratie, in der die Menschenrechte doch recht gut verwirklicht sind. In Japan verhält es sich ebenso. Beide Länder und die darin lebenden Menschen sind im Verlauf des letzten Weltkriegs deutlich schlimmer traumatisiert worden, als Afghanistan heute.
Wenn sogar Länder, auf die man Atombomben abgeworfen hat, sich danach zu stabilen Demokratien entwickeln können, erscheint die These, daß der Einsatz von Militär dies in Afghanistan unmöglich mache, sehr interessengesteuert.