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Nach Luftangriff

Bundeswehr schickt Pakete nach Kundus

Fünf Monate nach dem tödlichen Luftschlag im nordafghanischen Kundus hat die Verteilung von Hilfspaketen der Bundeswehr an bedürftige Familien in der Gegend begonnen.
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Kundus/Berlin - Bundeswehrsprecher Jürgen Mertins sagte, an 1200 Familien in den Distrikten Char Darah und Aliabad sowie in Kundus-Stadt werde jeweils ein Hilfspaket ausgegeben. Aus Sicherheitsgründen würden Afghanen die Verteilung übernehmen. Die Pakete würden auch, aber nicht nur an Familien gehen, die Angehörige bei dem von der Bundeswehr angeordneten Luftangriff verloren hätten.

Mertins sagte, die bedürftigen Familien seien von Char Darahs Distrikt-Gouverneur Abdul Wahid Omarchel, von Dorfältesten sowie von Vertretern des Bremer Opferanwalts Karim Popal ausgewählt worden. Nach Bundeswehrangaben beinhaltet jedes Paket 50 Kilogramm Mehl, zehn Kilogramm Reis, vier Kilogramm Bohnen, zwei Kilogramm Zucker sowie fünf Liter Speiseöl. Außerdem können die Empfänger zwischen Brennholz oder einem Gasbrenner mit Kartusche wählen. Für jedes Familienmitglied ist eine Wolldecke enthalten. Bei dem umstrittenen Luftangriff auf zwei von den Taliban gekaperte Tanklastwagen vor fünf Monaten waren nach einem Nato- Bericht bis zu 142 Menschen getötet worden, darunter auch Zivilisten.

Bundestagsabgeordnete von Linkspartei und Grünen übten nach der Rückkehr von einer gemeinsamen Delegationsreise nach Kabul und Kundus heftige Kritik an der deutschen Afghanistanstrategie. Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele sagte in Berlin, der Rückzug von korrupten und in den Drogenschmuggel verwickelten Ministern aus der Regierung Hamid Karsai müsse rasch erzwungen werden, „wenn die internationale Gemeinschaft mit ihren Werten glaubhaft bleiben will“. Die Schwächen der Regierung Karsai würden die Taliban stärken. Die Linken-Abgeordnete Christine Buchholz, die gemeinsam mit ihrem Vizefraktionschef Jan van Aken in Afghanistan war, nannte die „vielen Kriegsverbrecher und Warlords“ in Karsais Regierung „das größte Hindernis für einen dauerhaften Frieden in Afghanistan“.

Ströbele sagte, die Bundeswehr werde in Afghanistan deutlich besser angesehen als die US-Armee. Allerdings würden viele deutschen Soldaten den Einsatz selbst sehr skeptisch sehen. Das Aussteigerprogramm für gemäßigte Talibankämpfer, das die Staatengemeinschaft auf der Londoner Afghanistankonferenz beschlossen hatte, werde im Land als „schlechter Witz“ aufgefasst. Die Pläne würden im günstigsten Fall nicht ernst genommen, im schlechtesten Fall strikt abgelehnt. m.m./dpa

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 05.02.2010)
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