DRK-Präsident Rudolf Seiters : ''Gute Vorsätze reichen nicht aus''

Rudolf Seiters ist Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. Juliane Schäuble sprach mit ihm über die Erdbeben-Katastrophe von Haiti.

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Foto: ddpddp

Herr Seiters, die Bilder aus Haiti gehen um die Welt und haben eine Flut von Hilfsmaßnahmen ausgelöst. Wie können diese koordiniert werden?



Es ist wichtig, dass die Vereinten Nationen und die USA die Dinge in die Hand nehmen. Die US-Regierung hat ja bereits erklärt, dass sie eine besondere Verantwortung tragen will.

Welche Rolle spielt die Regierung von Haiti?

Von einem Krisenmanagement der Regierung ist wenig zu erwarten. Schon vor dem Erdbeben war sie kaum in der Lage, etwas zu koordinieren. Dem Land mangelt es an allem, das heißt doch, dass die Regierung nicht funktioniert. Und jetzt ist die Staatsführung selbst stark von dem Erdbeben betroffen.

Frankreich und die USA wollen eine Wiederaufbaukonferenz zu Haiti einberufen. Eine gute Idee?

Auf jeden Fall. Es ist sinnvoll, dass solch ein Projekt von zwei Staaten angestoßen wird, die schon lange mit Haiti verbunden sind. Und wenn diese Länder die Führung übernehmen, ist das auch keine Zumutung für Haiti. So kann die internationale Hilfe abgestimmt werden. Auch nach dem Tsunami in Südostasien gab es eine von den Vereinten Nationen organisierte Konferenz. Das hat sich bewährt.

Nach dem Tsunami wurde aber auch kritisiert, dass ein Teil der internationalen Hilfe nichts genutzt hat beziehungsweise nicht ankam.

Das trifft aber nicht auf die großen internationalen Organisationen wie das Rote Kreuz, Unicef oder die Welthungerhilfe zu. Für das Rote Kreuz kann ich sagen: Unsere Hilfe ist angekommen, das haben die Auswertungen gezeigt. Allerdings sind viele kleinere Initiativen einfach nur mit guten Vorsätzen tätig geworden. Man muss immer genau schauen, wo welche Hilfe wirklich gebraucht wird.

Wie lange wird Haiti Hilfe benötigen?

Das wird viele Jahre dauern. Wichtig ist aber auch, dass wir nicht nur Nothilfe leisten. Wir müssen viel mehr für die Katastrophenvorsorge tun. Denn der heutige Klimawandel ist der Tsunami von morgen für viele Länder.

Rudolf Seiters ist der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. Mit ihm sprach Juliane Schäuble.

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