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Gilat Schalit : Hoffnung im Geheimen

23.12.2009 00:00 UhrVon Frank Jansen

Ein Deutscher vermittelt im Fall von Gilat Schalit – kommt die israelische Geisel der Hamas bald frei?

BerlinDie einen sehen die Chancen bei „fifty-fifty“, die anderen sprechen von einer „zeitnahen Lösung“. Zu hören ist in Berlin auch, vermutlich komme der israelische Soldat Gilat Schalit „noch in diesem Jahr“ aus der Geiselhaft der Hamas frei. Es gebe Anzeichen, dass die Shuttle- Diplomatie des deutschen Vermittlers beinahe abgeschlossen sei, heißt es. Am Dienstag soll er die Antwort der israelischen Regierung auf einen Vorschlag der Hamas erhalten haben, um sie den Palästinensern zu übermitteln. Zuvor hatte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu die ganze Nacht mit sechs Ministern beraten.

Der Fall Schalit ist ein Drama, das jetzt schon mehr als drei Jahre dauert.

Das Schicksal des israelischen Soldaten, den militante Palästinenser am 25. Juni 2006 entführten und den die Hamas im Gazastreifen gefangenhält, bewegt auch die Bundesregierung. Man vermittelt – auch wenn sich niemand offiziell äußern mag. Die Hoffnung, der 23-jährige Schalit werde schon in den nächsten Tagen seine Familie wiedersehen, ist jedoch unüberhörbar, genauso wie verhaltener Stolz auf die Rolle Deutschlands, das sich wieder einmal als ehrlicher Makler im Konflikt zwischen Israel und seinen Todfeinden zumindest punktuell zu bewähren scheint. Und womöglich über den Fall Schalit hinaus eine Perspektive für einen Schritt auf dem immer noch sehr langen Weg zum Frieden im Nahen Osten eröffnen könnte.

Die vermittelnde Instanz ist der Bundesnachrichtendienst, dessen Chef Ernst Uhrlau sich mehrmals persönlich eingeschaltet und der einen seiner fähigsten Beamten in den Nahen Osten geschickt hat. Gerhard Conrad ist seit dem Frühsommer zwischen Jerusalem, Gaza und Kairo unterwegs, um den Austausch von Schalit gegen Palästinenser einzufädeln, die in Israel inhaftiert sind. Der Deutsche hatte bereits 2008 nach 18 Monaten Pendeldiplomatie erreicht, dass Israel von der libanesischen Terrororganisation Hisbollah die Leichen zweier israelischer Soldaten erhielt und im Gegenzug unter anderem den Libanesen Samir Kuntar freiließ, der den Tod fast einer ganzen israelischen Familie zu verantworten hat. Conrad, der im Auftrag der Vereinten Nationen tätig war, erhielt für seine Vermittlung das Bundesverdienstkreuz.

Die Hamas fordert die Übergabe von 1000 Gefangenen. Israel scheint dazu bereit zu sein. Doch strittig bleibt, ob palästinensische Häftlinge, die Israelis getötet haben und aus dem Westjordanland stammen, dorthin zurückkehren können oder Exil in Gaza oder einem arabischen Land nehmen müssen. Zumindest für mehrere Jahre. Die Hamas will die Zahl der potenziellen Exilanten möglichst klein halten, einige Minister des Kabinetts Netanjahu hingegen sind nicht bereit zu akzeptieren, dass eingesperrte Terroristen sich demnächst wieder frei im Westjordanland bewegen können – und dann womöglich israelische Siedlungen angreifen oder Anschläge auf Ziele in Israel planen.

Die Dimension des Falles Schalit reicht allerdings über solche Fragen hinaus. Einer der Palästinenser, die in einem israelischen Gefängnis einsitzen und möglicherweise bald freikommen, ist Marwan Barghuti, ein potenziell zentraler Akteur in der Region. Der 50 Jahre alte Funktionär der Fatah-Bewegung hat bei vielen Palästinensern einen legendären Ruf. Barghuti war einer der Anführer der zweiten Intifada, des palästinensischen Aufstands (mit zahlreichen Selbstmordanschlägen) gegen Israel in den Jahren 2000 bis 2005. Ein israelisches Gericht verurteilte Barghuti 2004 zu fünfmal lebenslanger Haft. Mit dieser Biografie gilt er als möglicher Nachfolger des blassen Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas. Außerdem trauen viele Palästinenser nur Barghuti zu, den Konflikt zwischen Fatah und Hamas zu beenden.

Sollte Barghuti freikommen und die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen können, hätten die Palästinenser nach Jassir Arafat wieder ein politisches Schwergewicht. „Das wäre eine große Chance für den Nahen Osten“, heißt es in Berlin. Mit Barghuti könnte der Friedensprozess endlich wieder in Gang kommen.

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