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China nach Kopenhagen

Wachstum vor Umweltschutz

China sah in Kopenhagen vor allem die Industrienationen in der Pflicht. Jetzt freut sich die chinesische Führung über vages Ergebnis der UN-Klimakonferenz. Denn Wachstum hat Priorität vor Umweltschutz.
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Berlin - Die jüngste Statistik aus Peking ist eine schlechte Nachricht für die Umwelt: Seit dem vergangenen Wochenende verstopfen täglich vier Millionen Autos die Pekinger Straßen. Nur zwei Jahre und sieben Monate hat es gedauert, um die Zahl der Autos in der chinesischen Hauptstadt um eine weitere Million zu erhöhen. Die Nachricht veranschaulicht sehr gut jene Politik, die Chinas Regierung auch auf dem Klimagipfel in Kopenhagen vertreten hat: Das eigene Wachstum hat Priorität vor dem Umweltschutz.

Chinas Außenministerium nannte das Ergebnis der Klimagipfels in Kopenhagen denn auch einen Neuanfang für die Beziehungen zwischen reichen und armen Ländern. „Das Treffen hatte ein positives Ergebnis, jeder sollte glücklich sein“, sagte Xie Zhenhua, „in den Verhandlungen konnten beide Seiten ihre Grundpositionen bewahren.“ Gemeint sind die Industrienationen auf der einen und die Schwellenländer, zu denen sich China selbst rechnet, auf der anderen Seite. Was für sein Land das Wichtigste in Kopenhagen gewesen sei, erklärt Chinas Chefunterhändler in Kopenhagen: „Unsere Souveränität und unser nationales Interesse.“ So war er mit dem vagen Ergebnis des Gipfels sehr zufrieden – ganz anders als die Vertreter fast aller anderen Länder.

China hatte in Kopenhagen vor allem die Industrienationen in der Pflicht gesehen: „Die Industrienationen sind verantwortlich für 80 Prozent der gesamten weltweiten Kohlendioxidemissionen seit der Industriellen Revolution vor 200 Jahren“, hatte Chinas Premier Wen Jiabao in seiner Rede gesagt. China, das inzwischen für jährlich weltweit über 20 Prozent der Kohlendioxidemissionen verantwortlich ist, hat sich verpflichtet, zumindest das Emissionswachstum zu bremsen und die Energieeffizienz bezogen auf das Wirtschaftswachstum bis zum Jahr 2020 um 40 bis 45 Prozent zu erhöhen. Gegen eine Kontrolle dieser Maßnahmen wehrte sich China in Kopenhagen erfolgreich.

Die eigene Rolle in Kopenhagen bewertete Premier Wen Jiabao laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua als „wichtig und konstruktiv“. Als Hauptschuldigen für das unbefriedigende Ergebnis von Kopenhagen macht die staatliche Zeitung „Global Times“ die USA aus: Sie zitiert einen nicht näher genannten „Greenpeace“-Aktivisten mit den Worten: „Die Schuld am Scheitern liegt vor allem bei den reichen, industrialisierten Nationen, bei den Ländern mit der größten historischen Verantwortung für die Verursachung des Problems. Vor allem die USA sind gescheitert, wahre Führungsstärke zu übernehmen, sie haben die Gespräche herabgezogen.“ In derselben Zeitung sagt der Direktor für Amerika-Studien an der Renmin-Universität, Shi Yinhong: „Chinas freiwillige Verpflichtungen und Wen Jiabaos Rede bei der Konferenz haben den Fokus der Kritik auf die USA gerichtet, wo es Obama mit einem sehr konservativen Kongress zu tun hat.“

Mit einer Veränderung der chinesischen Position ist kaum zu rechnen. So sagte Yi Xianliang, Berater im chinesischen Außenministerium, der „Volkszeitung“, dass es in künftigen Klimaverhandlungen vor allem um eines gehe: Das Recht auf Entwicklung.



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 22.12.2009)
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Kommentare [ 3 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von macthepirat macthepirat ist gerade offline | 22.12.2009 6:02 Uhr
Tja
Was soll man dazu sagen? Die Chinesen sind unverschämter Weise so egoistisch ihr Wohlergehen, ihr Wachstum, die Versorgung ihrer Nation über die Rettung der Welt zu stellen ... wie schrecklich und unmenschlich. Ich kann die chinesische Position durchaus verstehen, auch wenn sie mir nicht unbedingt gefällt. Aber mir gefällt so einiges auf der Welt nicht.
Und eines würde mich wirklich interessieren: Wer verdient Geld mit dem Umwelt-Hype? Welche Netzwerke sind da am Werke?

Es steht außer Frage, da uns langfristig die Resourcen ausgehen, das wir auf dem Sektor Energiegewinnung etwas tun müssen. Die Maßnahmen sollten aber auch sozial verträglich sein, für die jeweiligen Nationen aber auch für den Einzelnen.
Maßnahmen wie Umweltzonen die der Einzelne finanziell nicht oder nicht gut verdauen kann sind sozial völlig inakzeptabel, sie produzieren Sprengstoff der irgendwann zwingend detonieren wird.
Um den Ausstoß von Klimagasen zu reduzieren bzw. auszugleichen müssen weitreichende Wiederaufforstungsprogramme gestartet werden. In Teilen von Afrika und Südamerika sind in den letzten Jahrzehnten Wälder gerodet worden in einer Größenordnung die kaum vorstellbar ist. Um diese Wälder wieder herzustellen bedarf es entsprechender Programme.
Gleichzeitig muß man sich weltweit daran machen das Wachstum des größten Klimakillers, dem Menschen, einzuschränken.
Die Werften sollten wieder beginnen Segelschiffe zu bauen statt zigtausend Tonnen große Containerschiffe die Unmengen an Öl verbrauchen. Der Flugverkehr muß eingeschränkt werden.
Und Recycling von Rohstoffen darf nur noch in den Ländern stattfinden die den Abfall auch produziert haben. Das hin und herfahren von Müll kostet nämlich ebenfalls Energie und verdreckt die Umwelt.
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von marel marel ist gerade offline | 22.12.2009 20:25 Uhr
Welche Netzwerke sind da am Werke?
Fangen wir beispielsweise mit den Taxis an, die davon profitieren, wenn nicht alle Stadtbewohner ein eigenes Auto fahren. Für das, was mich ein Auto kosten würde, könnte ich rechnerisch täglich einmal Taxi fahren, wenn auch nicht besonders weit.

Eine letzte Bastion der Service-Gesellschaft in einer Welt, die sonst auf Selbstbedienung optimiert ist. Die Deutschen schreiben Service offenbar besonders klein. Allerdings ist Service bei den hohen Lohnnebenkosten auch relativ teuer.
Comment
von macthepirat macthepirat ist gerade offline | 22.12.2009 23:29 Uhr
Tja
Taxi-Netzwerke.... in Berlin gibt es 7100 Taxen die etwa 3500 Konzessionären gehören. Hört sich gut an, jeder Konzessionär hält im Schnitt 2 Taxen. Stimmt aber nicht ganz, einzelne Konzessiönäre halten bis zu hundert Taxen. Und die haben auch den finanziellen Background sich eine Flotte von Umwelttaxen zu zulegen. Mit 100 Fahrzeugen und dreihundert Angestellten läßt es sich doch viel besser mit MB verhandeln als mit nur drei Autos und drei Angestellten.
Und es gibt mehrere Unternehmen in Berlin die derartige Fahrzeugflotten unterhalten. Die mögen sich auf der Straße Konkurrenz machen, aber .... weiß ich was diese Herrschaften in trauter Runde untereinander absprechen wie sie die leidige Konkurrenz der Kleinunternehmer aus dem Verkehr ziehen können???? Netzwerke und wer die finanzielle Macht hat der bestimmt die Spielregeln des Marktes.
Das sind übrigens auch die Unternehmer die es sich leisten können wenn jede Woche ein Auto mit defektem Gasmotor ausfällt... sie haben ja noch zwanzig, dreißig, vierzig andere die Umsatz machen. Einem Kleinunternehmer tut ein technisch nichtausgereiftes Auto das alle Nase in der Werkstatt steht richtig weh, bis zum Konkurs.

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