Kriegsdebatte : In Afghanistan gefallen
26.06.2009 00:00 Uhr
Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt“, sagt ein Stabsunteroffizier aus Mazar-i-Sharif nach dem Tod seiner drei Kameraden bei Kundus. „Im Radio läuft nur dezente Musik. Aber die Musik zieht mich persönlich nur noch mehr runter. Hinzu kommt die Debatte, ob wir uns im Krieg befinden oder nicht“. Der Bundeswehrsoldat ist verbittert und nennt das „typisch Wahlkampf“. Drei Kameraden seien tot – und es werde weiter „einfach nur um Stimmen gekämpft“. Im Moment sei „die Wut größer als die Trauer. Solange man die Kameraden nicht persönlich gekannt hat, verdrängt man alles noch ein bisschen. Das wird wieder anders, wenn auf der Trauerfeier die Bilder der Kameraden gezeigt werden.
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An diesem Samstag will die Bundeswehr in Kundus von den drei bei einem Feuergefecht mit den Taliban getöteten Kameraden Abschied nehmen. Danach sollen die Leichname der aus Ostdeutschland stammenden Soldaten nach Leipzig übergeführt werden. Wahrscheinlich Mitte der kommenden Woche findet im thüringischen Bundeswehrstandort Bad Salzungen eine Trauerfeier für die drei Soldaten statt, an der auch Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) teilnehmen wird.
In Spremberg (Spree-Neiße), dem Heimatort eines der Soldaten, wurden am Donnerstag die Flaggen vor dem Rathaus auf halbmast gesetzt. Der 23-Jährige war bei dem Gefecht nahe Kundus mit zwei anderen Soldaten im Transportpanzer „Fuchs“ in einen Wassergraben gestürzt. Der Hauptgefreite war erst zehn Tage zuvor nach Afghanistan versetzt worden, wie die „Bild“-Zeitung berichtet. Er war bei einem Fallschirmbataillion in Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) stationiert und zum Panzergrenadierbataillon 391 Bad Salzungen abkommandiert worden.
Seine Eltern hätten die Todesnachricht auf einer Urlaubsreise nach Bulgarien erhalten, schreibt die „Bild“-Zeitung weiter. Sie hätten die Reise sofort abgebrochen. „Alexanders Vater hatte immer große Angst wegen der Kampfeinsätze, er hat es ihm aber wohl nie gesagt“, sagte ein Freund dem Blatt. Bei den anderen beiden Soldaten handelt es sich nach Bundeswehrangaben um einen Obergefreiten (23) aus Sachsen-Anhalt und einen Hauptgefreiten (21) aus Thüringen.
Noch vor ein paar Tagen hatte es einen kleinen Eklat gegeben, als der Bürgermeister der Gemeinde Trusetal in Thüringen, Karl Koch, die dritte Kompanie des 391. Panzergrenadierbataillons nach Afghanistan verabschiedet hatte – die Kompanie, in der alle drei Getöteten dienten. Nach Ansicht einiger Genossen habe der Bürgermeister den Ruf der Linken als Antikriegspartei beschädigt. Holger Auerswald, Chef der Suhler Stadtratsfraktion, wurde vom „Neuen Deutschland“ mit dem Vorwurf zitiert: „Ich bin als einer der Ostermarschierer in der Friedensbewegung und meine Partei hat Plakate kleben lassen ,Raus aus Afghanistan’. Jetzt weiß ich nicht recht, ob ich noch im richtigen Film bin.“ Ob er noch im richtigen Film ist, weiß indes auch Koch nicht. Sein Argument: Als Bürgermeister müsse er sein Amt unparteiisch ausüben, zudem habe seine Gemeinde, lange bevor er zum Bürgermeister gewählt wurde, eine Patenschaft mit der Bundeswehr geschlossen. Der „Jungen Welt“ sagte Koch: „Mir braucht keiner zu sagen, was links ist.“ (mho/m.m.)
Seit Beginn des Isaf-Einsatzes in Afghanistan 2002 starben in Afghanistan 35 Soldaten und drei Polizisten aus Deutschland:
Jörg B., Stabsunteroffizier
gestorben am 7. Juni 2003
Patrick B., Stabsunteroffizier
gestorben am 20. Oktober 2008
Andrejas B., Oberfähnrich
gestorben am 7. Juni 2003
Christian C., Hauptfeldwebel
gestorben am 25. August 2008
Friedrich D., Hauptmann
gestorben am 21. Dezember 2002
Michael D., Feldwebel
gestorben am 19. Mai 2007
Frank E., Stabsunteroffizier
gestorben am 21. Dezember 2002
Armin F., Oberstleutnant d. R.
gestorben am 14. November 2005
Andreas H., Hauptfeldwebel
gestorben am 26. Juni 2005
Conrad H., Hauptgefreiter
gestorben am 14. März 2009
Heinz H., Hauptfeldwebel
gestorben am 21. Dezember 2002
Alexander Julius H., Major
gestorben am 17. Mai 2003
Helmi J., Feldwebel
gestorben am 7. Juni 2003
Thomas K., Oberfeldwebel
gestorben am 6. März 2002
Carsten K., Oberfeldwebel
gestorben am 7. Juni 2003
Bernhard K., Hauptfeldwebel
gestorben am 21. Dezember 2002
Stefan K., Stabsgefreiter
gestorben am 29. Mai 2003
Christian K., Oberfeldwebel
gestorben am 17. Dezember 2006
Toma K., Stabsunteroffizier
gestorben am 4. September 2007
Mischa M., Hauptfeldwebel
gestorben am 27. August 2008
Sergej M., Hauptgefreiter
gestorben am 29. April 2009
Michael N., Oberfeldwebel d. R.
gestorben am 19. Mai 2007
Holger N., Hauptmann
gestorben am 20. März 2003
Boris N., Hauptgefreiter
gestorben am 7. August 2005
Mike R., Oberfeldwebel
gestorben am 6. März 2002
Roman S., Stabsgefreiter
gestorben am 10. Oktober 2008
Silvio S., Hauptgefreiter
gestorben am 17. Oktober 2004
Thomas S., Hauptgefreiter
gestorben am 21. Dezember 2002
Enrico S., Hauptgefreiter
gestorben am 21. Dezember 2002
Mathias S., Hauptmann d. R.
gestorben am 19. Mai 2007
Christian S., Oberfeldwebel
gestorben am 26. Juni 2005
Uwe V., Oberleutnant
gestorben am 21. Dezember 2002
Martin B., Obergefreiter
gestorben am 23. Juni 2009
Oleg M., Hauptgefreiter
gestorben am 23. Juni 2009
Alexander S., Hauptgefreiter
gestorben am 23. Juni 2009
Mario K., Polizeiobermeister
gestorben am 15. August 2007
Jörg R., Kriminaloberkommissar
gestorben am 15. August 2007
Alexander S., Polizeiobermeister
gestorben am 15. August 2007






