[Kommentare: 110]

Gaza-Krieg

Diplomatische Niederlage für Israel

Herbe Niederlage für Israel: Verbrechen beider Seiten im Gaza-Krieg sollen untersucht werden. Der Goldstone-Bericht geht an den UN-Sicherheitsrat - ein Veto der USA wird erwartet.
Anzeige
Bild vergrößern
Israel muss in den Vereinten Nationen eine herbe Niederlage einstecken: Gegen den heftigen Widerstand der Regierung in Jerusalem nahm die UN-Vollversammlung den sogenannten Goldstone-Report über israelische und palästinensische Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen im Gaza- Konflikt an. Die UN zählten 114 Ja- Stimmen gegen 18 Nein-Stimmen bei 44 Enthaltungen. Neben Israel lehnten auch Deutschland und die USA eine Annahme des Dokuments ab. Der Goldstone-Report verlangt ausdrücklich, dass Israelis und Palästinenser Menschenrechtsverletzungen und mögliche Kriegsverbrechen untersuchen und Täter strafrechtlich verfolgen. Falls dies nicht in den nächsten Monaten geschieht, soll sich der Internationale Strafgerichtshof der Fälle annehmen.

„Diese Abstimmung ist eine wichtige Erklärung gegen Straffreiheit“, betonte der libysche Präsident der UN-Vollversammlung Ali Treki. Arabische und die blockfreien Staaten hatten die Abstimmungsvorlage in der Vollversammlung eingebracht. Israels UN-Botschafterin Gabriela Shalev, die an der Debatte nicht teilgenommen hatte, reagierte ungehalten auf die Debatte und das positive Votum. „Sie beschädigen jegliche Bemühungen, die Verhandlungen in unserer Region wiederzubeleben.“ Schon vorher hatte Israels Regierung gedroht: Man kehre dem Friedensprozess so lange den Rücken, solange eine „Kampagne“ gegen den jüdischen Staat in den UN laufe.

Israel hatte in den vergangenen Monaten mit aller diplomatischen Kraft versucht, den Goldstone-Report in den UN- Archiven verschwinden zu lassen. Doch erfolglos. Auf eine Debatte im Sicherheitsrat folgte eine Annahme des Berichts im Menschenrechtsrat. Israels umstrittene Kriegsführung geriet somit immer wieder ins Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit. Doch auch der Raketenbeschuss israelischer Städte durch palästinensische Gruppen wird als mögliches Kriegsverbrechen angeprangert und eine Untersuchung gefordert.

Jetzt beauftragte die Vollversammlung Generalsekretär Ban Ki Moon, das Dokument an den Sicherheitsrat weiterzuleiten. Israels Schutzmacht USA dürfte mit ihrem Veto jedoch im Sicherheitsrat verhindern, dass der Bericht dem internationalen Strafgerichtshof zugestellt wird. Deshalb braucht Israel keine Verfahren gegen seine Militärs zu fürchten.

In dem Untersuchungsbericht listet der südafrikanische Jurist Richard Goldstone akribisch schwere Verletzungen des Völkerrechts durch die Israelis im Gaza-Konflikt 2008/2009 auf: mutwillige Zerstörungen von Schulen, Krankenhäusern und Wohnungen, das Beschießen von Zivilisten und eine kollektive Bestrafung der palästinensischen Bevölkerung. Der UN-Menschenrechtsrat beauftragte den erfahrenen Juristen.

Der 574 Seiten umfassende Bericht basiert auf 188 individuellen Interviews mit Augenzeugen, Anhörungen in Genf und der Auswertung von 300 Berichten, 1200 Fotos und 30 Videos. Der Bericht betont, dass jede Information mehrfach gegengecheckt wurde, um ihren Wahrheitsgehalt zu ermitteln. Der Bericht nennt insgesamt 36 Zwischenfälle, die nach Meinung der Autoren die Muster des Vorgehens der israelischen Armee im Gaza-Krieg illustrieren. Dabei geht es vor allem um die Zerstörung der zivilen Infrastruktur, die nach Ansicht der Autoren keine militärischen Ziele beinhaltet, sondern eindeutig dazu gedacht sei, die Bevölkerung zu treffen. Völlig zerstört wurden unter anderem das Parlament und die einzige Mehlfabrik in Gaza, deren Inhaber gute Beziehungen zu israelischen Behörden hatte. Bombardiert wurden insgesamt 200 Fabriken, große Teile Ackerlands wurden ebenso zerstört wie eine Geflügelfarm mit 30 000 Tieren, Brunnen und ganze Stadtteile. Auch die gezielten Angriffe auf zwei Krankenhäuser werden beschrieben. Mit Ausnahme eines Falls erkennen die Autoren bei keinem dieser Vorgänge, dass es sich um militärisch gerechtfertigte Angriffe handelt. Sie stellen dagegen zahlreiche Verstöße gegen internationales humanitäres Recht vor und äußern in einigen Fällen sogar den Verdacht auf Kriegsverbrechen. Insgesamt habe Israel nicht zwischen Kämpfern und Zivilbevölkerung unterschieden. Etwa 1300 Palästinenser kamen laut dem Bericht ums Leben und 13 Israelis, davon vier durch freundliches Feuer.

Seine besondere Brisanz bekommt der Bericht aber auch dadurch, dass er die Vorgeschichte des Konfliktes mit einbezieht und daher die Besatzung und die bis heute anhaltende Blockade des Gaza- Streifens mit untersucht und hier grundlegende Verstöße gegen die Genfer Konvention und internationales Recht feststellt. Der Bericht fordert auch eine Lockerung der andauernden Blockade.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 07.11.2009)
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Manipulierter Fußball:

Da kommt noch mehr, wetten?
Manipulation beim Fußball ist wie Doping. Beides verdirbt die Idee des Spiels. Ob sich alle an die Regeln halten und am Ende die beste Leistung zum Sieg führt, kann der Zuschauer nicht mehr wissen. Wie viele Spieler wohl an diesem Wochenende verdächtigt werden, denen der Ball unglücklich über den Fuß rutscht?

Untersuchungsausschuss:

Spreedreieck-Affäre: Strieder rechnet mit Nachfolgern ab
Ex-Bausenator Strieder will beim Spreedreieck frühzeitig gewarnt haben. Nachbarn des Areals klagen erneut.

Kommentare [ 109 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von rolando rolando ist gerade offline | 6.11.2009 21:58 Uhr
Endlich
Endlich werden unmenschliche Aktionen Israels, die auch schon vorher jeder sehen konnte, auch wahrgenommen und vor Gericht gestellt. Es kann doch nicht sein, dass mehr als tausend Menschen getötet werden, die Infrastruktur zerstört wird und die Weltgemeinschaft so tut, als sei nichts geschehen. Meiner Ansicht nach müssten diese Taten genauso vor das Kriegsverbechergericht von Den Haag wie die Taten der Serben, Kroaten oder der Ruander. Sollen diese Gerichte doch prüfen und dann entscheiden, ob Leute wie Barak, Olmert und andere auf die Regierungsbank oder ins internationale Gefängnis gehören. Nur so wird der Krieg in Palästina real und man kann an seiner Lösung arbeiten, nicht nur verleugnen, heucheln und wegschauen.

Leider ist unsere Bundesregierung zu so einer Öffnung für die Wahrheit nicht fähig. Sie hat in der UN Vollversammlung gegen die Weitergabe des Goldstone Berichtes gestimmt. Mit dieser unehrlichen Politik können wir nichts gut machen, was wir zwischen 1933 und 1945 getan haben und wir werden keine Gesprächspartner in Palästina finden, die uns als Friedensstifter ernst nehmen. Das habe ich in mehr als zwei Jahren vor Ort erlebt. Jeder der nach 1945 einfach das Feindbild gewechselt hat: "jetzt sind die Palästinenser die Bösen" wollte sich mit der Geschichte nicht auseinandersetzen und nicht die eigene Schuld eingestehen. Viele glaubten, sie könnten genau so borniert und agressiv wie ihre Väter weiter leben und seien trotzdem auf der richtigen Seite, weil sie jetzt Juden liebten und Palästinenser hassten. Wer so denkt, hat aus dem Holocaust nicht viel gelernt.
Comment
von expatriate expatriate ist gerade offline | 7.11.2009 0:27 Uhr
Falsche Solidarität
Der Kommentar "Endlich" ist in mancherlei Hinsicht völlig neben der Realität.
Israel hat die Feindseligkeiten nicht begonnen - und die Palästinenser haben aus 50 Jahren Geschichte nichts gelernt: z.B., dass sich Israel schon gegen wesentliche stärkere Gegner erfolgreich zur Wehr gesetzt hat und dass man ein Wespennest nicht ungestraft angreift.
Dass die EU die Palästineser im Gaza-Streifen mit sinnlosen Finanzierungen unterstüzt, gehört zu den Absurditäten dieses Konflikts.
Was mir persönlich nicht gefällt, ist der verbindliche Ton des Kommentators. "Wir" haben zwischen 1933 und 1945 nichts getan! Wir, das ist inzwischen die Mehrheit des deutschen Volkes, die nach 1945 geboren ist. "Wir" haben den Holocaust weder angezettelt, noch begangen noch gutgeheissen - also bitte mehr Achtung vor der Nachkriegsgeneration.
Der Vorwurf der Borniertheit könnte durchaus auf die Palästinenser zurückfallen: Wie kommt es, dass 60 Jahre nach der Gründung Israels die Palästinenser in der 3. und 4. Generation in sogenannten Flüchtingslagern leben? Warum wohl hat Jordanien die PLO aus dem Land geworfen? Wenn mich mein schon über 60-jähriges Hirn nicht im Stich lässt, haben die Palästinenser schon damals versucht, die Macht an sich zu reissen, wohlgemerkt, in einem Bruderland.
Und warum leben die 17 Millionen Flüchtlinge Deutschlands nicht in Lagern? Vermutlich Verdienst Israels.

Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 7.11.2009 10:40 Uhr
@expatriate
Wir haben nicht 200 arabische Dörfer VOR unserer Staatsgründung plattgemacht und Häuser samt ihren schlafenden Einwohnern gesprengt, wir haben nicht vorbereitete Listen für die Erschießungen und ethnischen Säuberungen gehabt, wir haben keine Massaker verübt und nicht 350.000 Palästinenser VOR der Staatsgründung vertrieben und noch einmal 400.000 danach, wir haben keinen Nichtangriffspakt mit Abdullah geschlossen, damit wir den Rücken frei hatten und unbehelligt metzeln durften ... Ja, Ihr über 60 Jahre altes Gehirn hat einen kurzen Schlaf von acht Jahren eingelegt.
Comment
von titanic titanic ist gerade offline | 7.11.2009 12:14 Uhr
@klaus_weiss
"Wir haben nicht ..."

Nein, "wir" haben lediglich den massenmörderischen II. Weltkrieg mutwillig gestartet, um Millionen Juden ermorden zu können.

Somit haben exakt wir Deutsche verdammt viel mit der von Ihnen so verhassten und verteufelten Gründungsgeschichte und Existenz des jüdischen Staates zu tun, und haben wir deswegen auch eine ganz besondere Verantwortung für die Existenz und die Sicherheit Israels!
Comment
von mogberlin mogberlin ist gerade offline | 7.11.2009 12:51 Uhr
@titanic (@hebold auch)
Insbesondere haben wir aufgrund der Geschichte unseres Volkes eine besondere Verantwortung in dem Sinne, unsere Stimme gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu erheben - unabhängig davon, wer Täter und wer Opfer ist.

Aber diese Lehre aus dem Holocaust dürfte Ihnen in Ihrer Verblendung unbegreiflich bleiben.

mog
Comment
von titanic titanic ist gerade offline | 9.11.2009 16:17 Uhr
@mogberlin
"Insbesondere haben wir aufgrund der Geschichte unseres Volkes eine besondere Verantwortung in dem Sinne, unsere Stimme gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu erheben - unabhängig davon, wer Täter und wer Opfer ist."

Ich habe noch nie erlebt, dass Sie Ihre empörte Stimme auch nur ein einziges Mal gegen Ungerechtigkeit, Unterdrückung (oder gar offen praktizierten Genozid!) z.B. im Sudan, im Iran, in den von Hamas und Fatah kontrollierten Gebieten, und in zahlreichen anderen von Terrorgruppen und blutrünstigen Despoten beherrschten Regionen und Staaten, erhoben hätten.

Sie scheinen alles Unrecht und alle Unterdsrückung auf dieser Welt ganz offenkundig einzig und allein durch den klitzekleinen jüdischen Staat Israel verkörpert zu sehen.

Auf der Basis welcher Weltanschauung kommt man wohl zu einer dermaßen von einschlägigen Ressentiments bestimmten selektiven und pauschalisierenden Wahrnehmung?
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 7.11.2009 13:42 Uhr
@titanic
"Inzwischen ist auch der israelische Generalstab dahinter gekommen, dass man sehr wohl aus der Geschichte lernen kann. Nach einem Bericht in Ha'aretz vom 26. Januar 2002* und dessen Bestätigung in derselben Zeitung zwei Tage später** erhielten die Kommandanten in den besetzten palästinensischen Gebieten den Auftrag, sich in die Strategie zu vertiefen, welche die deutschen Truppen unter der Leitung des SS-Brigadeführers und Generalmajors der Polizei*** verfolgten, als sie das Warschauer Ghetto einnahmen. So könne die israelische Armee lernen, ihre Verluste beim Eindringen in dicht besiedeltes palästinensisches Gebiet -- was einige Wochen später auch geschah -- möglichst zu beschränken."

Quelle: Hajo G. Meyer: "Das Ende des Judentums. Der Verfall der israelischen Gesellschaft", S. 73 f.

Hajo G. Meyer ist Auschwitz-Überlebender.

*) Amir Oren: "At the Gates of Yassergrad", Ha'aretz Magazine, 26.1.2002

**) Gideon Samet: "You won't be able to say 'we didn't know'", Ha'aretz, 28.1.2002

***) Stroop befehligte 2090 Mann, davon 440 aus der SS und 228 aus der Sicherheitspolizei.

Ihr Kommentar?
Comment
von beija_flor beija_flor ist gerade offline | 8.11.2009 15:51 Uhr
Mein Kommentar
Nach einem Urteil des OLG Frankfurt, darf Hajo Meyer als Antisemit bezeichnet werden, der den "Adolf macht".

Den Adolf gemacht
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 8.11.2009 20:08 Uhr
@beija_flor
*lach* Klar, so geht es auch. Jetzt wissen wir, was ein deutsches Gericht auf Betreiben M. Broders über ein immer noch erhältliches Buch denkt. Nur als Antisemit werden die beiden nicht bezeichnet, steht jedenfalls im Urteil. Die flapsigen Bewertungen darf der M. Broder gern äußern. Das macht er auch zu anderen Gelegenheiten.

ABER, @beija_flor, was denken Sie über die Quellen im Ha'aretz Magazine? :-D Die sind antisemtisch, stimmt's? Schreiben Sie M. Broder einen Brief und erklären ihm, er solle die Israelis verklagen. Es sind übrigens die Israelis gewesen, die eifrig die SS-Strategien studieren sollten. Befehlsgemäß. Die bilden sich halt weiter.
Comment
von beija_flor beija_flor ist gerade offline | 8.11.2009 21:25 Uhr
@ klaus_weiss
Ich denke gar nichts über den Haaretz-Artikel, denn Ihre Zitate und Links lese ich nicht mehr.

Ihre aus obskuren und unwissenschaftlichen Werken einseitig ausgewählten Zitate sind wertlos.

Wenn ich an SS im Nahen Osten denke, dann fällt mir jedoch immer nur die "13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar“ ein und das waren wahrhaftig keine Juden. Sie wurde von Amin al-Husseini aufgestellt und ausgebildet.

Aber a propos "ethnische Säuberungen".

Arabische Bevölkerung in Palästina 1900: 600.000 Menschen
Arabische Bevölkerung in Palästina 2006: 3,8 Millionen Menschen.

(Quelle: Bennett Zimmerman & Roberta Seid (January 23, 2006). "Arab Population in the West Bank & Gaza: The Million Person Gap". American-Israel Demographic Research Group. http://www.pademographics.com. Retrieved 2006-09-27.)

Was wurde dann da "gesäubert"? Geschirr, Kaffeemaschinen?
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 9.11.2009 3:15 Uhr
@beija_flor
Nun sind die Ha'aretz-Redakteure auch unter die Antisemiten gegangen ...

Ich erinnere an Ben-Gurion, der zufrieden davon zu berichten wußte, daß das Operationsgebiet der Hagana mit der Staatsgründung fast araberrein gewesen sei. Einseitige Quelle siehe unten: sein Tagebuch. :-) Ich könnte Sie jetzt fragen, was er damit meinte, müßte eine Antwort auf die Frage verlangen, wo die 75.000 Araber in Haifa, die 50.000 in Jaffa oder die 50.000 in al-Lydd plötzlich geblieben waren oder was in Baysan geschah (vgl. das Interview mit Palti Sela in: The Hagana Archives, File 205.9, 10.1.1988. Das ist aber einseitig.). Ich könnte Sie fragen, was mit einem solchen Befehl zur fürsorglichen Betreuung des Jerusalemer Stadtteils Shaykh Jarrah gemeint war: "Besetzt das Viertel und zerstört alle seine Häuser." (Itzhak Levy: "Jerusalem in the War of Independence", p. 207. Der Mann ist als ehemaliger Chef des Hagana-Geheimdienstes besonders einseitig. Vgl. auch Ben-Gurions Tagebucheintragungen vom 11., 16. und 17.7.1948. Dreimal schrieb er das einseitig ein.)

Wäre Rabin noch am Leben, könnten wir ihn fragen, was in Ramla geschah, denn er war dort der Kommandeur, der Ben-Gurions Befehl zur Räumung ausführte. Fragen wir Kenneth Bilby von der New York Herald Tribune, der das Geschehen verfolgte? Nein, zu einseitig. Sein Buch "New Star in the Near East" auch. Einseitig, meine ich.

In Gaza lebten 1949 200.000 Flüchtlinge, Jordanien hatte ca. 200.000 aufgenommen, Ägypten, Syrien und der Libanon teilten sich Hunderttausende. Wo kamen die her, wenn niemand vertrieben worden war? Wie viele sind es heute? Richtig: Die Geburtenrate ist die Lösung, wenngleich es über die Jahre noch etwas Zuzug gab. Die Araber durften nur dort bleiben, wo kaum etwas wuchs. Es waren ja noch reichlich 650 Dörfer übrig, und ein paar Beduinenstämme, gut für die Statistik, ließ man auch, wo sie waren, anfangs jedenfalls: In der Negev. Dort störten sie bald den Bau der Anlage in Dimona. Die Gegend wurde Sperrgebiet. :-D
Comment
von beija_flor beija_flor ist gerade offline | 9.11.2009 10:02 Uhr
@ klaus_weiss
Ich lese Ihre Links deshalb nicht mehr, weil Sie sie so zitieren, als wären die Israelis eines Tages aufgewacht und hätten beschlossen Arababer zu massakrieren.
Unrecht und Verbrechen hat es zweifellos gegeben.

Was man aber immer hinzufügen muss und was Sie immer absichtsvoll weglassen, ist dass diese Gewaltakte im Rahmen des
Palästinakriegs
geschahen.
Dass es also Gewaltakte von beiden Seiten gab.
Die Araber haben die Israelis mit einer Übermacht angegriffen, sind dann aber leider nur zweiter Sieger geworden.
So etwas passiert bezeiten in der Geschichte.

Warum lassen Sie die arabischen Verbrechen und Gewaltakte weg???

Und wo steht eigentlich, dass die Haganah die Taktik der SS kopierte?
Bei Bröckers? Oder in der "Promotionsarbeit" von "Dr." Mahmud Abbas?

Ich zitiere keine obskuren Werke.
Ich hab ein paar Bilder für Sie:

Deutsche Sitten im Nahen Osten

(Aber klar, das sind von Schäuble bezahlte Provokateure)
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 9.11.2009 11:08 Uhr
@beija_flor - 1
Sehen Sie, bis vor ein paar Jahren waren das noch Kriegshandlungen. Dummerweise sind sich die Historiker eben darüber nicht mehr einig. (Sie finden eine vergleichende Darstellung der Geschichtsbetrachtung über die Jahre in Mike Berry/Greg Philo: "Israel And Palestine: Competing Histories". Nach Öffnung der Archive wurden auch die Eintragungen in Form von Tagebüchern und Briefen einsehbar, die bisher entweder überhaupt nicht bekannt waren oder aber zensiert wurden. Natürlich stürzten sich sofort die Historiker darauf, die keine althergebrachten Meinungen oder Bücher zu verlieren hatten, weswegen man sie "neue Historiker" nannte, was sie, z. B. im Falle von Morris, z. T. gar nicht waren. Dabei ist Morris ein gutes Beispiel für die Veränderungen. Seinem Buch "The Birth of the Palestinian Refugee Problem" ließ er eine wesentlich überarbeitete Version: "The Birth ... Revisited" folgen, einfach weil es notwendig war. Dazu gesellte sich die Gegenreaktion einiger Hardliner. Am berühmtesten wurde Joan Peters mit "From Time Immemorial", die Israel als die trostlose Öde darstellte, die wir schon von Laqueur kennen, und den Nutzen der Besiedlung für die Araber postulierte, die freudig ins Gelobte Land strömten. Das haben wir hier ja auch schon zu lesen bekommen. Das Buch wurde förmlich in der Luft zerrissen: "albern und wertlos" (Albert Hourani, Oxford Univ.), "absurd" (die Gilmours im LRB) oder "Fehlinformation von der Größe und dem Gewicht eines getrockneten Kuhfladens" (Time Out), "betrügerisches Netz" (Avishai Margalit, Hebrew Univ.)).

Die Äußerungen der Zionisten VOR der Staatsgründung sind m. E. eindeutig: Das Israel, das 1937, 1942 (Biltmore-Entwurf) und 1947 von den Zionisten gefordert (und UNSCOP als Plan übergeben wurde), zeigt das Israel heute. In Weitz' Tagebuch lesen wir: "Die einzige Lösung besteht in einem araberfreien Palästina, zumindest der westliche Teil [westlich des Jordan] sollte frei von Arabern sein." Ähnliches gibt es von Ben-Gurion und anderen zuhauf.
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 9.11.2009 11:22 Uhr
@beija_flor - 2
Die Planung des "Transfers" der arabischen Bevölkerung finden wir in den oben angesprochenen Tagebucheintragungen immer und immer wieder. David Ben-Gurion hatte eigens einen Beraterstab dafür zusammengestellt, die Leitung der Transferkommission oblag Yossef Weitz. Zu dem Zeitpunkt existierten die Pläne A, B und C schon. (Die wurden wirklich so genannt :-).) Sogar die Befehle für die Durchführung des Plans D(alet) lassen sich in den Archiven finden. Bisher hat sich noch niemand gemeldet und erklärt, die seien von Pappé, Shlaim oder Flapan gefälscht worden. Was gibt es auch daran zu deuteln, wenn Weitz der obengenannten Tagebucheintragung anfügt: "Und der einzige Weg besteht darin, die Araber von hier in die benachbarten Länder zu verbringen -- und zwar alle, nicht ein einziges Dorf oder ein einziger Stamm darf übrig bleiben. [...] Erst nach diesem Transfer wird das Land die Millionen unserer eigenen Brüder aufnehmen können. Einen anderen Ausweg gibt es nicht." (David Hirst: "The Gun and the Olive Branch", p. 130.)

Rashid Khalidi (Univ. of Columbia) und, von ihm unabhängig, Erskine Childers, versuchten, in den Archiven von BBC und CIA die unten angesprochenen Rundfunksendungen zu finden -- erfolglos. Es gab keine Aufrufe arabischer Sender, aus dem Land zu fliehen. Dafür aber ist die Aussage eines israelischen Reserveoffiziers bekannt geworden, der in Hirsts "Gun" zitiert wird: Es waren israelische Lautsprecherwagen und mobile Rundfunksender der Hagana, die das verbreiteten:

"Dazu gehörten Schreie, Wimmern und das Stöhnen schmerzgeplagter arabischer Frauen, das Heulen von Sirenen und die Geräusche der Sirenen des Feueralarms. All das wurde unterbrochen von einer Grabesstimme, die auf Arabisch verkündete: "Rettet eure Seelen, ihr Gläubigen. Die Juden setzen Giftgas und Atomwaffen ein. Im Namen Allahs, lauft um euer Leben." (Ebd., p. 141) Was das für Auswirkungen hatte und wie schnell sich das verbreitete, können Sie sich vorstellen.
Comment
von beija_flor beija_flor ist gerade offline | 9.11.2009 11:48 Uhr
@ klaus_weiss
Es waren ja auch KRIEGShandlungen. Auch da kann es Unrecht geben.

Aber nochmal: wo ist Ihre Darstellung der arabischen Verbrechen?
Wo ist der arabische Norman Finkelstein, wo ist der palästinensische Ilan Pappe??
Die Araber wollten genauso, dass ihre Gebiete "judenrein" sind.
Um es mit 50 Cent auszudrücken: "They died tryin´"

Man kann diese Ereignisse nicht monokausal sehen.

Wie gesagt, ich lese Ihre Zitate nicht, also sparen Sie sich - zumindest bei mir - die Mühe.
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 9.11.2009 13:30 Uhr
@beija_flor
Die palästinensische Seite hatte gar keine Chance, Verbrechen in diesem Ausmaß zu verüben. Klar nahmen die Konvois unter Beschuß, die die weit abgelegenen Siedlungen versorgen sollten. Die Dörfer aber eroberten sie nicht (siehe Ben-Gurion in einem meiner anderen Kommentare). Die Haveadah Hamyeazet, Ben-Gurions Beraterstab, beklagte sich sogar über das Wohlverhalten der Araber. Der gemäßigtste von ihnen war Eliahu Sasson: "Aktionen wie die in Khisas werden die ruhigen Araber herausfordern, gegen uns vorzugehen. In all den Gebieten, in denen wir keine provozierenden Handlungen begangen haben -- in der Küstenebene und der Negev --, ist die Atmosphäre ruhig, aber nicht in Galiläa." Keiner wollte das wissen, und Dayan gab ihm die kurze Antwort: "Unsere Aktion gegen Khisas entflammte Galiläa, und das war eine gute Sache." Und Ben-Gurion schrieb ins Tagebuch, was Yigal Allon gesagt hatte: "Während der Operation gibt es keine Notwendigkeit, zwischen schuldig und unschuldig zu unterscheiden." (Tagebucheintragung vom 1.1.1948.)

Der lt. Akten der IDF hartnäckigste Widerstand erfolgte durch die Arabische Legion in der Gegend von Latrun, die eigentlich Abdullah als Gegenleistung für sein Stillhalten geschenkt worden war. Aber das war eben der Krieg, nicht die Zeit davor.

Das Kräfteverhältnis 1948 wird heute in der Geschichtsschreibung ziemlich einheitlich gesehen. Zu keiner Zeit waren die unkoordiniert angetretenen Araber in der Lage, mit der Zahl, der Bewaffnung und der Ausbildung der Siedler mitzuhalten. Nach dem Eintreten des ersten Waffenstillstands war denen eh alles egal; die meisten ergriffen die Flucht, bevor er durch die erneut einsetzenden Säuberungen gebrochen wurde. Tja, und die einzige Armee, die gut ausgerüstet war, war die Abdullahs, der sich Palästina mit den Zionisten auf Vermittlung von Golda Meir hin teilen wollte, obwohl er massiv unter Druck geriet.
Comment
von beija_flor beija_flor ist gerade offline | 9.11.2009 15:00 Uhr
@ klaus_weiss


Zitat von klaus_weiss

Zu keiner Zeit waren die unkoordiniert angetretenen Araber in der Lage, mit der Zahl, der Bewaffnung und der Ausbildung der Siedler mitzuhalten.



Ich würde mal sagen, dass das eben Pech der Araber war.
Wie gesagt: Don´t bring a knife to a gunfight (kleine NRA-Weisheit).

Die Araber, und ich spreche ausdrücklich von Arabern und nicht nur von Palästinensern, haben die Israelis am 15. Mai 1948 angegriffen.
Sollen sich die Israelis auch noch dafür entschuldigen, dass ihre Gegner schlechter bewaffnet waren?
Das hätten sich die Araber eben ein bißchen besser überlegen sollen (bzw. den Teilungsplan akzeptieren sollen).
Dann ging der Krieg los, und Krieg ist die Hölle.

Aber Sie sind doch so ein Positivist: unlängst haben sie noch die Niederlage der Georgier schadenfroh kommentiert, die sich mit den Russen angelegt haben.
Sind die Araber dieser Schadenfreude in einem identischen Fall nicht würdig?

Und noch was: das aufgebrachte Schiff mit den Waffen für die Hisbollah - damit sollte wohl die Besatzung bekämpft werden, die schon 10 Jahre nicht mehr stattfindet, oder wie ist das zu verstehen?
Das sind alles ziemlich falsche Anreize für die Israelis, um nicht zu sagen ein totaler Knieschuss für die Anti-Siedlungsbewegung.
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 9.11.2009 22:33 Uhr
@beija_flor
Genau dieser Mythos des Angriffs "der Araber" wird in heute Frage gestellt. Die arabische Legion fiel aus den oben genannten Gründen aus der vielbeschworenen "Phalanx" heraus. Die verteidigten lediglich die "geschenkten Gebiete" Ost-Jerusalem und West Bank. Die anderen fielen nicht über das neu gegründete, kleine, verletzliche Israel her, sondern versuchten das, was die NATO im Kosovo tat: die ethnische Säuberung verhindern. Nur daß das eben scheiterte, aus den oben genannten Gründen. Selbst diese Aktionen waren allerdings nicht welche mit tollen Armeen, sondern mit versprengten Freiwilligen. Auf dem Höhepunkt der Kämpfe standen lt. Rivlin und Oren 90.000 bewaffneten Siedlern nicht einmal 50.000 Araber entgegen. Es ist nicht einmal klar, inwiefern zu diesen 50.000 Halbtagskämpfern die örtlichen Selbstverteidigungsgruppen hinzugezählt wurden. Ein Überfall, ein Angriff sieht anders aus. Außerdem bedürfte er der Planung, der militärischen Vorbereitung. Die Teilungsresolution wurde schließlich schon im November 1947 verabschiedet. Die Parallele zu den Georgiern hinkt deswegen, und zwar auf beiden Beinen, einer Krücke und dem -- gegenwärtig selbst erlebten -- Hexenschuß :-). Die Araber kamen, um Schaden zu verhindern, nicht um Israel "von der Landkarte zu löschen". Kein Land in der Gegend konnte sich das im Ansatz vorstellen.

Die waren damit beschäftigt, um ihre nationale Unabhängigkeit zu kämpfen bzw. hatten sie gerade errungen. Nix da von toller Ausrüstung und Blutrünstigkeit, nicht einmal, wenn sie sie gewollt hätten. Die waren eigentlich mit dem Lecken der Wunden beschäftigt. In allen Frontberichten lesen wir von einzelnen Kommandeuren, die eben doch blieben, anstatt sich, wie die Syrer, ungeduldig wartend, in die Flucht schlagen zu lassen.
Comment
von Chayal Chayal ist gerade offline | 9.11.2009 14:58 Uhr
Auch viel
Schreiber haben nicht unbedingt Recht. Wenn ich lese, daß ein jüdischer Reserveoffizier in Hirsts "Gun" zitiert wird: Es waren israelische Lautsprecherwagen und mobile Rundfunksender der Hagana, die das verbreiteten:

" All das wurde unterbrochen von einer Grabesstimme, die auf Arabisch verkündete: "Rettet eure Seelen, ihr Gläubigen. Die Juden setzen Giftgas und Atomwaffen ein.

Dümmer geht es nimmer ? Der Staat bestand noch nicht einmal, die meisten waren bettelarm, weil ihr Vermögen, wenn vorhanden in Europa festlag, die ersten Flugzeuge gebrauchte Messerschmitt aus der Tschecholowakei waren, Waffen und Munition kostbar und sie behaupten, sie hätten mit Giftgas und Atomwaffen gedroht. Herr Weiss, bitte, machen sie sich nicht lächerlich.

Es gibt sehr wohl diese Zeitungaartikel und Aufnahmen. Oder lesen sie Khaled al-Asm, ehem. syrischer Premierminister, in seinen Memoiren 1973. Auch keine seriöse Quelle ?

Und vor allen Dingen sollte nicht vergessen werden, daß es ebenso viele jüdische (fast 1 Million) Vertriebene aus den arabischen Ländern gab, man hätte, wenn gewollt einen Austausch vornehmen können, das aber lag wohl nicht in der Absicht der arabischen Staaten. Sie leben in der Vergangenheit, kramen nach dunklen Flecken und nehmen alles, aber auch alles als bare Münze, was irgendwie danach aussieht, daß es den Juden schaden könnte. Was treibt Sie dazu, können sie den Juden Auschwitz nicht verzeihen ?
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 9.11.2009 22:37 Uhr
@Chayal
Vorsicht, nicht immer gleich zwei, drei, vier Jahre miteinander vermengen, wenn es um Monate oder gar Wochen oder Tage geht. Zum Exodus der jüdischen Einwohner aus den arabischen Ländern, insbesondere aus dem Irak, ließe sich eine Menge sagen. Das können wir hier natürlich diskutieren :-). Nur: Keine ihrer Quellen geht auf die Vorgänge VOR der Staatsgründung Israels ein. Da klafft eine Lücke, die wahrscheinlich von einem Auto mit feurigen Reifenspuren hinterlassen wurde. Von der Aktenlage ganz zu schweigen. Sie scheinen vor Ort zu leben. Gehen Sie in die Archive und beweisen Sie, daß die Geschichtsschreibung von Lügnern gemacht wird. Ich habe Ihnen nun wirklich hinreichend viele Aktenzeichen genannt. Also los, hurtig!

P.S.: Luther hat mit Tintenfässern geworfen. Der Mann ist unseriös. *lach*
Comment
von arthur_dent arthur_dent ist gerade offline | 9.11.2009 10:20 Uhr
@beija_flor
> Wenn ich an SS im Nahen Osten denke, dann fällt mir jedoch
> immer nur die "13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar“
> ein und das waren wahrhaftig keine Juden. Sie wurde von Amin
> al-Husseini aufgestellt und ausgebildet.
Na dann nenne Sie doch bitte mal Dienstgrad und Dienstrang des Herr al-Husseini.
Er haette ja dann beinahe seit an seit mit Yztak Shamir und seinen Kameraden auf der Seite der Nazis gekaempft. Nur das die Deutschen die Lehi-Leute nicht gelassen haben, trotz Bettelbriefes 1941:

"... The NMO, which is well-acquainted with the goodwill of the German Reich government and its authorities towards Zionist activity inside Germany and towards Zionist emigration plans, is of the opinion that:

1. Common interests could exist between the establishment of a new order in Europe in conformity with the German concept, and the true national aspirations of the Jewish people as they are embodied by the NMO.
2. Cooperation between the new Germany and a renewed folkish-national Hebraium would be possible and,
3. The establishment of the historic Jewish state on a national and totalitarian basis, bound by a treaty with the German Reich, would be in the interest of a maintained and strengthened future German position of power in the Near East.
Proceeding from these considerations, the NMO in Palestine, under the condition the above-mentioned national aspirations of the Israeli freedom movement are recognized on the side of the German Reich, offers to actively take part in the war on Germany’s side.

...The cooperation of the Israeli freedom movement would also be along the lines of one of the last speeches of the German Reich Chancellor, in which Herr Hitler emphasized that he would utilize every combination and coalition in order to isolate and defeat England....
Comment
von titanic titanic ist gerade offline | 8.11.2009 23:43 Uhr
@klaus_weiss
"Quelle: Hajo G. Meyer: "Das Ende des Judentums. Der Verfall der israelischen Gesellschaft""

Zu Ihrer "Quelle" Hajo G. Meyer stand vor genau zwei Jahren folgendes im TAGESSPIEGEL zu lesen:

"2005 erschien in Melzers Verlag ein Buch mit dem Titel "Das Ende des Judentums", verfasst von Hajo Meyer, einem Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz. Der Autor stellt dabei allerlei abstruse Thesen auf: Der Holocaust sei nur eine "Laune der Geschichte", heißt es, und die "früheste Ursache für den Antisemitismus" liege "im Judentum selbst". Wiederholt vergleicht Meyer die Politik der israelischen Regierung mit der der Nationalsozialisten. Er versteigt sich zu der Behauptung: "Besonders im vergangenen Jahr scheint sich eine Vorhersage der Antisemiten in gefährlichem Ausmaß zu bewahrheiten. Ich meine den Mythos – und bis kurzem war es ein solcher –, die Juden hätten es auf die Weltherrschaft abgesehen."

Es überrascht mich daher nicht, dass Sie auf die äußerst fragwürdigen bis abstrusen Thesen dieses offen antisemitisch agitierenden Herrn zurückgreifen.

http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Henryk-M-Broder-Rechtsstreit;art15532,2416437
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 9.11.2009 10:13 Uhr
@titanic
Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Sie kaufen sich das Buch, finden darin Beweise für die Interpretationsversuche, und ich erstatte Ihnen, den Kaufpreis und die Nebenkosten. (Selbstabholung in den Niederlanden gilt nicht.) Wie sieht es aus: Gehen Sie darauf ein?

Mal ein paar kleine Beispiele (sorry, Tagesspiegel):

1. Laune der Geschichte:

"Antisemiten verabscheuen die Anwesenheit von Juden, ungeachtet dessen, was sie tun. Sie verurteilen alles, was ein Jude tut, weil er eine Jude ist. Aus dieser Prämisse, von deren Richtigkeit ich überzeugt bin, folgt logischerweise, dass die Juden in Deutschland, wo alles seinen Anfang genommen hat, nichts gegen die Ursachen des Holocaust unternehmen konnten. Mit anderen Worten, der Holocaust war eine Laune der Geschichte, Folge eines zufälligen Zusammentreffens von mehreren Ereignissen: der Erste Weltkrieg, der Versailler Vertrag, die extreme Inflation in Deutschland, die Weltwirtschaftskrise und Adolf Hitler. Wie all diese Faktoren zu Hitlers Aufstieg und damit zum Holocaust beigetragen haben, habe ich im dritten Kapitel ausgeführt."

Das liest sich schon anders, nicht wahr?

2. Ursprung des Antisemitismus

Mit seinen strengen Speisegesetzen und Verhaltensregeln erregte es Ärgernis bei den anderen Völkergruppen. Die jüdische Religion enthält ein striktes Bildverbot. Eine Skulptur, die eine menschliche Figur darstellt, sei es ein Gott oder ein weltlicher Herrscher, war für die Juden ein Gräuel. Nichtjuden dagegen begegneten dieser mit Ehrfurcht. Vermutlich noch mehr Anstoß erregten die Speisegesetze, die nicht in eine Welt passten, in der Gastfreund, das Anbieten und Annehmen von Speisen und Geschenken, vielleicht zu den wichtigsten zwischenmenschlichen Tugenden gehörte."

Usw. usf.

Der Mann schreibt über die Zeit vor ein paar tausend Jahren! Aber woher sollen Sie das auch wissen.

Wenn Sie möchten, diskutieren wir das unter dem oben von Ihnen angeführten Artikel. Hier ist es doch eher off-topic.
Comment
von Chayal Chayal ist gerade offline | 9.11.2009 15:17 Uhr
Luther
hat auch viel geschrieben, dennoch war er ein schlimmer Antisemit. Sie realitivieren, sie verdrehen Geschichte mit der Absicht, die Juden sind ja selbst Schuld an Ihrem Unglück, wo bleiben dann die von Ihnen so viel gepriesenen Menschenrechte, die Sie wohl ALLEN zugestehen, mit Ausnahme einer Ethnie ?

1948 aus Israel geflohene Frau sagt
Wir hörten die Explosionen und die Schüsse von Gewehren zu Beginn des Sommers im Jahr der ‚Katastrophe'. Sie erzählten uns: Die Juden greifen eure Region an und es ist besser, wenn ihr euer Dorf verlasst und zurückkehrt, wenn die Schlacht vorüber ist. Und tatsächlich gab es einige unter uns aus Israel flohen, die ein brennendes Feuer im Herd hinterließen, die von ihrer Herde weggingen oder ihr Geld und Gold zurückließen, weil sie überzeugt waren, dass wir nach ein paar Stunden zurückkehren würden." (Asmaa Jabir Balasimah Um Hasan, eine Frau, die aus Israel geflohen ist, AI Ayyam, 16.05.06)

Der Sohn und Enkel eines Flüchtlings von 1948 bestätigte:
Ein arabischer Zuschauer rief das PA-Fernsehen an und berichtete, dass sein Vater und Großvater darüber geklagt haben, dass 1948 die arabischen Bezirksbeamten alle Araber angewiesen haben, Palästina zu verlassen oder man würde sie sonst als Verräter bezeichnen.

„Herr Ibrahim [Sarsur]. Ich spreche Sie als Moslem an. Mein Vater und Großvater haben mir erzählt, dass während der ,Katastrophe' unser Bezirksbeamter eine Verfügung herausgab, dass jeder, der in Palästina und in Majdel [in der Nähe von Askelon, Süd Israel] bleibt, als ein Verräter behandelt wird."

Die Antwort von Ibrahim Sarsur, arabisches Mitglied der Knesset und Oberhaupt der islamischen Bewegung in Israel stellte diese Aussage nicht in Frage: „Derjenige, der diese Verfügung erlassen und das Verbot zum Bleiben erteilt hat, trägt die Schuld, in diesem Leben und auch im zukünftigen, durch die ganze Geschichte hindurch bis zum Tag der Auferstehung." (PA TV, 30.04.99)

Comment
von hebold hebold ist gerade offline | 7.11.2009 8:03 Uhr
@rolando
Wer so denkt, hat aus dem Holocaust nicht viel gelernt.

Seltsam, seltsam. In Ihrem ganzen Kommentar fehlt jedes Wort zu den Raketen der Hamas. Aber es findet sich ganz, ganz viel zum Holocaust. Die Kriege der Araber? - Hats nicht gegeben. Die Terroranschläge? - Nicht der Rede wert. Israel und die Israelis, die sind an allem Schuld. Da frag ich mich doch wirklich, wer nichts aus dem Holocaust gelernt hat.
Comment
von arthur_dent arthur_dent ist gerade offline | 7.11.2009 10:33 Uhr
@Hebold
> Seltsam, seltsam. In Ihrem ganzen Kommentar fehlt jedes Wort zu
> den Raketen der Hamas.
Seltsam, seltsam. In Ihrem ganzen Kommentar fehlt jedes Wort zu Besatzung und Vertreibung der Palestinaenser durch Israel.
Massaker an Arabern, Terroranschlaege von durc Irgun & Co. bis zum Mossad, Mordanschlaege und Entfuehrungen im Ausland durch israelische Geheimdienstler - nicht der Rede wert.

Da frage ich mich was aus dem Holocaust gelernt wurde?
Comment
von beija_flor beija_flor ist gerade offline | 7.11.2009 13:43 Uhr
@ artur_dent


Zitat von rolando

Wer so denkt, hat aus dem Holocaust nicht viel gelernt.



Es ist besonders ekelhaft, wenn gefordert wird, die Opfer der Shoah hätten auch nur irgendetwas aus dem Holocaust lernen müssen.

Wenn sie etwas daraus gelernt haben, dann nur, dass sie auf keine Schwätzer hören müssen, die nicht mal mit ein paar Nazis in Guben und arabischen Großfamilien im Rollbergviertel fertigwerden, aber den Nahostkonflikt lösen wollen.

Aber mal andersherum gefragt: warum fragt sich niemand, warum die Palästinenser denn nichts aus der Besatzung gelernt haben?

Denn wer soviel Unrecht erleiden mußte, kann das doch nicht mir Unrecht vergelten?
Oder?
Comment
von rolando rolando ist gerade offline | 7.11.2009 17:00 Uhr
Was haben die Deutschen gelernt?
@artur_dent:
Mir geht es um die Frage, was die Deutschen und ihre Führer aus dem Holocaust gelernt haben und nicht um die wirklich zynische Frage, was haben die Opfer gelernt?`Viele deutsche Politiker und Meinungsmacher behaupten ja immer wieder, dass sie daraus gelernt haben und alles tun wollen, damit so etwas oder so etwas ähnliches sich nicht wiederholt.

Und da habe ich das Gefühl, dass man da oft ein paar flotte Sprüche gemacht hat und sich vor einer ehrlichen Analyse gedrückt hat. Statt dessen fand ein plakativer Wechsel des Feindbildes statt, oft verbunden mit einer Blindheit für die heutige Realität. Heute ist ein Grossteil der Bundestagsabgeorndeten Mitglied der deutsch-israelischen Gesellschaft. Glauben sie wirklich, all diese Leute hätten aus der Geschichte gelernt und seien jetzt die Vorhut für Freiheit, Gerechtigkeit und eine bessere Welt? Dann müsste man anders über den Nahost konflikt reden als Frau Merkel.
Comment
von arthur_dent arthur_dent ist gerade offline | 8.11.2009 2:53 Uhr
@beja_flor
> Es ist besonders ekelhaft, wenn gefordert wird, die Opfer der
> Shoah hätten auch nur irgendetwas aus dem Holocaust lernen
> müssen.
Nun, ich weiss nicht wo Sie diese _Forderung_ lesen.
Wo bleiben und blieben aber die Verurteilungen der israelischen Verbrechen durch die europaeischen Staaten und die USA?
Oder sind bestimmte Verbrechen doch nicht ganz so schlimm, je nach Taeter und Opfer und politischer Grosswetterlage?
Ist das die Lehre aus dem Massenmord des WKII?

> Wenn sie etwas daraus gelernt haben, dann nur, dass sie auf
> keine Schwätzer hören müssen, die nicht mal mit ein paar
> Nazis in Guben und arabischen Großfamilien im Rollbergviertel
> fertigwerden, aber den Nahostkonflikt lösen wollen.
Sie meinen Frau Merkel soll besser Schweigen?

> Aber mal andersherum gefragt: warum fragt sich niemand, warum
> die Palästinenser denn nichts aus der Besatzung gelernt
> haben?
> Denn wer soviel Unrecht erleiden mußte, kann das doch nicht
> mir Unrecht vergelten?
> Oder?
"... Es ist besonders ekelhaft, wenn gefordert wird, die Opfer ... hätten auch nur irgendetwas ... lernen müssen. "
Oder? :->
Ansonsten ist es legitimer Widerstand gegen eine Besatzungsmacht, genauso wie der Warschauer Ghettoaufstand, der Kampf der Resistance und der italienischen, griechischen, jugoslawischen und russischen Partisanen.

Oder sind das fuer Sie auch Terroristen?
Comment
von Chayal Chayal ist gerade offline | 7.11.2009 16:13 Uhr
So ?
Vertreibungen ? Und warum gibt es dann noch folgende Zeitungsausschnitte ?

1. „Die arabischen Staaten, die palästinensische Araber ermutigten, vorübergehend ihre Heimat zu verlassen, um die arabischen Invasionstruppen nicht aufzuhalten, haben ihr Versprechen nicht gehalten, diesen Flüchtlingen zu helfen“ /Jordanische Tageszeitung FALASTIN, 19.2.1949, aus /Fa/

2. „Wer brachte die Palästinenser als Flüchtlinge in den Libanon, wo sie in große Not kamen und mittellos waren - niemand anders als die arabischen Staaten selbst, einschließlich des Libanon“ /Muslimische Wochenzeitung KUL-SHAY, Beirut, 19.8.1951, aus /Fa/

3. „Der 15. Mai 1948 kam ... An diesem Tag rief der Mufti in Jerusalem die Araber von Palästina auf, ihr Land zu verlassen, denn die arabischen Armeen sind im Einmarsch und werden für sie kämpfen“ /Kairoer Tageszeitung AKHBAR EL YOM, 12.10.1963, aus /Fa/

4. „ .. Damit die tausendmal verfluchten Juden sich nicht in ihrer Feigheit vor ihrer völligen Vernich­tung an euch rächen, laden wir euch ein, unsere Gäste zu sein. Die Araber werden euch ihre Häuser und Herzen öffnen. Wir werden die Ungläubigen besiegen, wir werden die Giftschlangen zertreten. Ein durch eure Brüder gereinigtes Land wird euch aufs neue in Freude und Jubel empfangen.“ /Gi/ (Aufruf des ‚Oberkommandos der arabischen Freiwilligen‘ über den Sender Kairo am 16.5.1948, aus /Pf S.148)/

5. „Wir werden das Land über den Haufen schießen und alle Orte, wohin sich die Juden flüchten, zerstören. Solange Gefahr besteht, sollen die Araber ihre Kinder und Frauen in Sicherheit bringen; später wird ihnen das ganze Palästina gehören.“ /La/ (Erklärung des irakischen Ministerpräsidenten, die ab dem 16.3.1948 zwei Monate lang im Rundfunk ausgestrahlt wurde, aus /Pf S.143)/

Hier schreiben immer wieder die gleichen und den gleichen Mist, weder akzeptieren sie Fakten, noch lassen sie sich auf Nachdenken ein.
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 7.11.2009 19:29 Uhr
@Chayal - 1
1. Hm, überredet haben die die 1949 also. Lassen Sie mich raten: Per Rundfunkansage, so geht doch der Mythos, richtig? Es ist nur so, daß

a) die ethnische Säuberung 1947 begann und 1949 zu einem großen Teil abgeschlossen war und
b) selbst die zionistischsten unter den zionistischen Geschichtsklitterern diese Ansagen weder als Schellackplatte noch als Tonbandmitschnitt oder Transcript gefunden haben. Interessant ist auch, daß es eine jordanische Zeitung war, die das schrieb: Im Tauschgeschäft mit den Israelis (auch geschichtsträchtig "Nichtangriffspakt" genannt) ließen die sich die West Bank und Ost-Jerusalem geben und griffen auch nur dort ein, als die Hagana-IDF dort den imperialen Traum verwirklichen wollte. Ansonsten ließ die einzige Armee, die den Kolonialtruppen überhaupt etwas hätte entgegensetzen können, Palästina im Stich, von drei, vier mutigen Kommandeuren abgesehen.

2. Die ethnischen Säuberungen durch die neuen Kolonialherren begannen im Dezember 1947. Sie basierten auf den Plänen A (Elemichel, 1937), B (1946), C (1946/47) und letztlich Dalet (1948) und -- territorial -- dem Biltmore-Plan von 1942. Das Komitee zur Umbenennung arabischer Dörfer in israelische war bereits 1920 gegründet worden.

3. Zur Planung der Säuberungsaktionen wurden die sogenannten Village Files angelegt, die sämtliche Daten aller 1200 arabischen Dörfer in ganz Palästina enthielten. Die Erfassung der grundlegenden Daten war durch die Geheimdienstabteilung der Hagana Ende der 30er abgeschlossen worden, die Akten wurden unter Yossef Weitz, Ezra Danin und Yaacov Shimoni bis 1947 aktualisiert und systematisiert. Die Anregung zur Datenerfassung finden Sie hier: "The Bulletin of the Hagana Archives", issues 9-10, 'The Intelligence Service and the Village Files, 1940-1948' (2005). Beispiele für die Village Files finden Sie unter: Hagana Archives, S25/4131, 105/224 oder 105/227 usw. für jedes Dorf.
Comment
von Chayal Chayal ist gerade offline | 8.11.2009 14:15 Uhr
Nun Ihre Quellen....
Fortsetzung:

6. Der Generalsekretär der Arabischen Liga bemerkte 1951, dass sein Vorgänger Azzam Pasha „den Arabischen Völkern versicherte, dass die Besetzung von Palästinas und Tel Aviv so einfach sei wie ein Spaziergang ... und dass die Millionen, welche die Juden für den Landerwerb ausgegeben hätten und in die Entwicklung der Wirtschaft investiert hätten, eine leichte Beute sein würden, denn es würde ein Leichtes sein, die Juden ins Mittelmeer zu werfen.“ /Arutz Sheva_29.02.2004/

7. „Unsere Führer sind verantwortlich für die Flucht der Dorfbewohner, weil sie falsche und über­triebene Gerüchte von jüdischen Verbrechen und Greueltaten wie Mord an Frauen und Kindern verbreiteten, um die Araber aufzuhetzen ... Die Araber in Palästina wurden so lange in Furcht und Schrecken versetzt, bis sie flohen und ihre Häuser, Hab und Gut dem Feind überließen“ /Jordanische Tageszeitung AL URDUN, 9.4.1953, aus /Fa/

8. „seit 1948 fordern wir die Rückkehr der (paläs­tinensischen) Flüchtlinge, obwohl wir es sind, die sie zur Flucht zwangen ..“ /Khaled al-Asm, ehem. syrischer Premierminister, in seinen Memoiren 1973, Haschiwah 4-1993/

9. Nach einem Bericht des arabischen Instituts für Palästinensische Studien in Beirut (1969) wurde die Mehrheit der arabischen Flüchtlinge 1948 nicht vertrieben und 68% hätten das Land verlassen ohne einen israelischen Soldaten gesehen zu haben. /Pe S.13/

Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 8.11.2009 18:24 Uhr
@Chayal - 3
Au ja, Quellenwerfen. Jede einzelne von Ihnen bestätigt, daß die Arabische Liga die Palästinenser im Stich ließ und der Mythos des "Unabhängigkeitskriegs" mit dem "Überfall der Übermacht der Araber" eine Lüge ist. Ich bedanke mich für die Unterstützung. :-D

Da die Massaker nie stattfanden, erbitte ich eine Erklärung für folgenden Sachverhalte:

1. Um die Reaktion der Briten auf Vertreibung und Mord zu testen, entschied das Oberkommando der Hagana, das Dorf Balad al-Shaykh zu "räumen". (Filastin, 31.12.1947.) Als Befehlshaber wurde Haim Avinoam benannt. Sein Auftrag: "Das Dorf umzingeln, die größtmögliche Anzahl an Männern töten, die Immobilien zerstören, aber Frauen und Kinder nicht angreifen". (Milstein: "The History of the Independence War", vol. 2, p. 78.) Die Aktion dauerte drei Stunden, das Ergebnis waren mehr als 60 Tote. Nach der Auswertung legte Ben-Gurions Beraterstab fest, daß die Unterscheidung zwischen Männern, Frauen und Kindern eine unnötige Komplikation darstellte.

2. Parallel zu Balad al-Shaykh wurde zwei arabische Wohngegenden der Stadt Haifa, Wadi Rushmiyya und Hawassa, gesäubert. Das Prinzip war immer das gleiche: Bewohner raus, wenn er schnell laufen konnte, dann die Gebäude sprengen. (Ilan Pappé: "The Ethnic Cleansing of Palestine", p. 59 f.)

3. Die Irgun sprengte das Sarraya-Haus, den Sitz des Komitees der Palästinenser von Jaffa. Dummerweise waren die Menschen noch drin. 26 Tote. Danach griffen sie sich das Samiramis-Hotel in Qatamon und töteten neben anderen auch den spanischen Konsul. Alles nur Gerüchte, stimmt's? (Benny Morris: "The Birth of the Palestinian Refugee Problem", p. 50.)

4. Bis zum Jahreswechsel waren 15.000 Menschen aus Haifa auf der Flucht. Yossef Weitz auf dem Beratertreffen vom 31.12.1947: "Das reicht nicht!" Seine Frage: "Ist es jetzt nicht an der Zeit, sie loszuwerden? Warum diese Dornen weiter in unserer Mitte lassen, wenn sie eine Gefahr sind?" (Ben-Gurions "Diary", 31.12.1947).
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 8.11.2009 18:49 Uhr
@Chayal - 4
Der Text des "Langen Seminars" ist übrigens einsehbar in der privaten Sammlung Aharon Zislings in den Ha-Kibbutz Ha-Meuchad Archives.

Weiter im Text, wir waren bei Massakern:

5. Am 9.4.1948 war Deir Yassin fällig. Das Dorf hatte eine Nichtangriffsvereinbarung mit der Hagana. Deshalb wurden die Irgun und die Stern-Bande vorgeschickt. (Daniel McGowan/Matthew C. Hogan: "The Saga of the Deir Yassin Massacre, Revisionism and Reality".) Nachdem das Dorf mit Maschinengewehrfeuer eingedeckt worden war, geschah das, was der 12jährige, schwer verwundete Überlebende Fahim Zaydan schilderte:

"Sie holten uns einen nach dem anderen heraus; erschossen einen alten Mann, und als eine seiner Töchter weinte, wurde sie auch erschossen. Dann riefen sie meinen Bruder Muhammad, und sie erschossen ihn vor unseren Augen, und als meine Mutter schrie und sich über ihn beugte -- mit meiner Schwester Hudra auf den Armen, die sie gerade stillte -- erschossen sie sie auch." (Ebd.) Die Zahl der Opfer wird heute geschätzt auf 93 bis 170, wobei diejenigen nicht in der Liste erfaßt wurden, die im Kampf gefallen sind. Es interessiert Sie zwar nicht, aber unter den Opfern befanden sich 30 Säuglinge. (Ebd.) In der New York Times finden wir einen Brief von Albert Einstein und 27 anderen prominenten jüdischen Bürgern, der das Massaker verdammte (er schreibt dort von 240 Toten). Aufgrund des Aufruhrs schickte die Jewish Agency ein Entschuldigungstelegramm an König Abdullah. (NYT, 4.12.1948)

Das Geschehen wurde später per Lautsprecherwagen in anderen Dörfern verbreitet (also nicht von den Syrern). (Menachem Begin: "The Revolt", p. 164.)

6. Als nächstes waren die Dörfer Qalunya, Saris, Beit Surik und Biddu an der Reihe. Immer wieder das gleiche: Vertreiben, wer laufen konnte, dann Sprengung der Häuser. (Ebd.)

7. Am 12.4.1948 wurden die Einwohner von Khirbat Nasr al-Din massakriert, was viele Einwohner Tiberias' zur panischen Flucht bewegte. (Filastin, 14 April 1948.)
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 8.11.2009 19:25 Uhr
@Chayal - 5
8. Allein zwischen dem 30.3. und dem 15.5.1948 wurden 200 Dörfer eingeebnet. UN-Israel war damit fast araberrein. Mit Typhuserregern versetzte Wasserquellen, Brandschatzung, Plünderung, Vergewaltigung, alles ist nachzulesen in den israelischen Akten, die seit wenigen Jahren zugänglich sind, und in den Archiven des Roten Kreuzes. Es müssen sich eben nur Historiker finden, die sie lesen. Namen von Dörfern wie Abu Shusha, Abu Zurayq, Arab al-Fuqara, Arab al-Nufay'at, Arab Zahrat al-Dumayri, Balad Al-Shaykh, Damun, Khirbat al-Kasayir, Khirbat al-Manshiyya, Rihaniyya, Khirbat al-Sarkas, Khirbat Sa'sa, Wa'rat al-Sarris und Yajur stehen für plattgemachte Heimat, von der Landkarte radiert unter den Augen der britischen Truppen, UN-Abgesandten und ausländischen Reportern. Die sahen dann auch die Hetzjagden der Hashomer Ha-Tza'ir auf die Flüchtlinge. Obwohl die Zionisten der UN versprochen hatten, die arabischen Einwohner zu israelischen Staatsbürgern zu machen, wurden sie verjagt und umgebracht: "Unsere Armee marschiert vorwärts und erobert arabische Dörfer, und deren Einwohner fliehen wie die Mäuse." (Yossef Weitz: "My Diary", vol. 3, 21.4.1948.)

Ab dem 15.5. griffen sich die Menschenfreunde dann UN-Palästina.

Wir haben es hier nicht mit Reaktionen auf "besondere Umstände in Kriegszeiten" zu tun, sondern mit geplanten Säuberungen. Das weckt Erinnerungen. Blöderweise haben die Verantwortlichen zwar darauf geachtet, daß nur wenige Sitzungsprotokolle übrig blieben, dafür aber um so mehr in ihren Tagebüchern und Korrespondenzen geprahlt. (Ben-Gurion an Moshe Sharett: "Von Tag zu Tag dehnen wir unsere Besatzung aus. Wir erobern neue Dörfer und haben doch erst damit begonnen." (Ben-Gurion Archives, Correspondence Section, 23.02-30.1 doc. 113.) Dank gehe auch an Hagana und IDF, die die Befehle in ihren Archiven aufhoben, die Ihrer Meinung nach gar nicht existieren dürften.

Ich bin Ihre Lügen und Mythen leid. Schießen und weinen -- das zieht nicht mehr.
Comment
von titanic titanic ist gerade offline | 9.11.2009 1:29 Uhr
@klaus_weiss
"Ich bin Ihre Lügen und Mythen leid. Schießen und weinen -- das zieht nicht mehr."

Damit bringen Sie die mit allerlei Lügen und Legenden gerechtfertigte palästinensische Terrorpolitik in Nahost sehr zutreffend auf den Punkt, Herr Weiss.
Comment
von arthur_dent arthur_dent ist gerade offline | 9.11.2009 12:21 Uhr
@titanic
> Damit bringen Sie die mit allerlei Lügen und Legenden
> gerechtfertigte palästinensische Terrorpolitik in Nahost sehr
> zutreffend auf den Punkt, Herr Weiss.

Nun Titanic - wiederlegen Sie den genannten Fakten?

Oder gehen Sie wieder mal auf Tauchstation wenn es um historische Tatsachen geht?
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 7.11.2009 19:49 Uhr
@Chayal - 2
4. "Bis die Briten gingen, wurde keine jüdische Siedlung, wie entlegen auch immer, von Arabern betreten oder belagert, während die Haganah viele arabische Positionen einnahm und Tiberia, Haifa, Jaffa, Salad befreite. [...] Damit war am Schicksalstag der Teil von Palästina, in dem die Haganah operieren konnte, fast sauber von Arabern." (David Ben-Gurion, Rebirth and Destiny of Israel, p. 530.)

Sie setzen, wie alle, die Ihren Mist wiederkäuen, ein paar Jahre zu spät an. Weiter im Text:

5. Der British High Commissioner Lord Alan Cunningham beklagte sich, daß die Palästinenser darum bemüht waren, die Ruhe zu bewahren, während die Hagana alles tat, um die Lage eskalieren zu lassen. (Benny Morris: "The Birth of the Palestinian Refugee Problem", p. 55, note 11)

6. Kurz nach dem Treffen mit Cunningham berichtete Ben-Gurion der Jewish Agency Executive:

"Ich glaube, die Mehrheit der palästinensischen Massen akzeptiert die Teilung als vollendete Tatsache und glaubt auch nicht, daß es möglich ist, sie zu überwinden oder abzulehnen. [...] Die entscheidende Mehrheit von ihnen möchte nicht gegen uns kämpfen." (Israeli State Archives Publications: "Political and Diplomatic Documents of the Zionist Central Archives and Israeli State Archives, December 1947 - May 1948, Doc. 274, p. 460.)

Nur daß das klar ist: Zu der Zeit waren die ethnischen Säuberungen schon im Gange. Dennoch hielten sich die Palästinenser relativ zurück; das einzige, was für diese Zeit in den Archiven belegt ist, ist gelegentlich ein Angriff auf einen Konvoi in eine der abgelegenen Siedlungen in der Negev. (Rivlin/Oren: "The War of Independence", editorial remark, p. 9.) Diese Siedlungen waren von Ben-Gurion aus strategischen Gründen im Stich gelassen worden. Aufgrund des Berichts Ben-Gurions vor der JAE fragte deren Repräsentant Emile Najjar, an, wie er eine effektive Propagandapolitik verfolgen solle, wenn die Lage war, wie sie war. ("Political and Diplomatic Documents", Document 245, p. 410.)
Comment
von Chayal Chayal ist gerade offline | 8.11.2009 14:19 Uhr
Weiter im Text
Ihre Quellen sind genau so gut wie meine oder ?

9. Nach einem Bericht des arabischen Instituts für Palästinensische Studien in Beirut (1969) wurde die Mehrheit der arabischen Flüchtlinge 1948 nicht vertrieben und 68% hätten das Land verlassen ohne einen israelischen Soldaten gesehen zu haben. /Pe S.13/

10. „Die Palästinenser, die geflohen sind oder [von den arabischen Ländern] aufgefordert wurden, Israel zu verlassen – viele von ihnen waren als Arbeit suchende Nomaden erst eingewandert – diese Menschen hätten die von den Juden in den arabischen Ländern zurückgelassenen Plätze über­nehmen können. Es hätte zu einer humanitären Lösung des Flüchtlingsproblems kommen können, wie auch anderswo in der Welt. Es gab viele internationale Kommissionen. Es gab viele Vor­schläge seitens der Präsidenten der USA und ander­er Staatsoberhäupter, um das arabische Flüchtlings­problem zu lösen. [Aber es ist so, wie] die Araber in der Arabischen Liga jener Zeit sagten, „Wir wollen das als eine offene Wunde halten und die Menschen als Pfand gegen Israel gebrauchen.“ /Joan Peters (s.u.) in WorldNetDaily.com, zitiert in ARAB NATIONS PERPETUATED THE REFUGEE PROBLEM /Arutz Sheva-4.Febr.2001/

11.„Die palästinensischen Flüchtlinge im Libanon, denen schon lange viele Zivilrechte verweigert werden, darunter das Recht auf Arbeit, stehen nun vor einer neuen Schwierigkeit in ihrem gefahrvollen Leben.“ Unter einem neuen Gesetz, das von der Regierung im letzten Jahr (2002) erlassen wurde, verlieren palästinensische Araber das Recht auf eigenen Landbesitz. Und wer Land besitzt, kann es nicht weitervererben an seine Kinder.“ /Fa/ Zitat aus der JORDAN TIMES/.

Tatsache ist einfach:

Die arabischen Staaten weigern sich nach wie vor, die Verantwortung für die Flüchtlinge aus Palästina/ Israel zu übernehmen, die auf ihre Veranlassung das Land vor dem Krieg gegen Israel 1948 verliessen und diese zu integrieren.

Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 8.11.2009 19:41 Uhr
@Chayal - Verantwortung der arabischen Länder
Nun, zunächst einmal haben Sie recht. Die Jordanier schossen sogar auf die Flüchtlinge, die den Jordan überqueren wollten, weil sie nicht noch mehr im Land haben wollten. Die Libanesen haben ihre eigenen Erfahrungen gemacht, als die feinen Herren in Tel-Aviv im November 1949 Flüchtlingsdörfer im Süden des Landes säubern ließen. (Z. B. hausten dort die Überlebenden des Palmach-Angriffs auf Safad vom 29.4.1948.)

Nur die Reihenfolge war ein klein wenig anders. Erst fanden die ethnischen Säuberungen statt, dann versuchten die nicht koordinierten Truppen der Arabischen Liga OHNE die Jordanier mit veralteten Waffen wenigstens etwas zu retten, während die feinen Herren imperiale Träume schmiedeten:

"Wir werden einen christlichen Staat im Lebanon errichten, dessen Südgrenze der Fluß Litani sein wird. Wir werden Transjordanien brechen, Amman bombardieren und seine Armee zerstören, und dann fällt Syrien, und wenn Ägypten immer noch kämpft, werden wir Port Said, Alexandria und Kairo bombardieren. Das wird die Rache sein für das, was sie (die Ägypter, die Aramiten und Assyrer) unseren Vorvätern zu biblichen Zeiten antaten." (Ben-Gurions "Diary", 24.5.1948.)

Merken Sie was? Keinerlei Bezug auf irgendeinen arabischen Angriff, gegen den sich der kleine David verteidigen muß, sondern auf biblische Zeiten.

Seite : 1 2 3 >> (3 Seiten)

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 20 + 2 = 


Anzeige
Weitere Themen

Lafontaine hat Krebsoperation gut überstanden Lesezeichen hinzufügen

Linke-Chef Oskar Lafontaine hat seine Krebsoperation nach Parteiangaben gut ... mehr...

Bafögsätze sollen steigen Lesezeichen hinzufügen

Die Bundesregierung will zum 1. Oktober 2010 das BAföG erhöhen. mehr...

Wenn Obama anruft Lesezeichen hinzufügen

Von Thomas Gack, Brüssel, und Albrecht Meier, Berlin
Der neue Ratspräsident Van Rompuy ahnt, dass er in der Europäischen Union nicht ... mehr...

Entsorgungsfragen Lesezeichen hinzufügen

Von Reimar Paul, Göttingen
Umweltschützer befürchten, das Bundesamt für Strahlenschutz könnte seinen ... mehr...

Von Nord-Wasiristan bis Berlin Lesezeichen hinzufügen

Von Frank Jansen, Erfurt
Geheimdienste fürchten Anschläge im Zusammenhang mit der ... mehr...
Fotostrecken

Franz Müntefering (20 Bilder)

Die Feierlichkeiten zum 9. November (19 Bilder)

Das neue Bundeskabinett (16 Bilder)

Die letzten Wochen der DDR (23 Bilder)

Schwarz-gelbe Koalitionsverhandlungen (10 Bilder)

Oskar Lafontaines politisches Leben (18 Bilder)
Mauerfall 1989 - Foto: dpa
Lesen Sie hier persönliche Geschichten aus dem Wendejahr