Internationale Auszeichnung : Finne Ahtisaari bekommt Friedensnobelpreis

Das Nobelkomitee in Oslo hat den finnischen Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari mit dem Friedensnobelpreis 2008 ausgezeichnet. Der 71-jährige Diplomat wird für zahlreiche internationale Vermittlerdienste zur Beendigung von Kriegen und Konflikten geehrt.

Thomas Borchert[dpa]
Ahtisaari
Vermittler. Diesjähriger Friedens-Nobelpreisträger ist der 71-jährige Finne Martti Ahtisaari. -Foto: AFP

Helsinki/OsloMehrere Jahre galt Martti Ahtisaari als absoluter Top-Favorit für den Friedensnobelpreis - doch immer wieder scheiterte er knapp. Am Freitag hat der politisch wie auch körperlich schwergewichtige Ex-Präsident von Finnland den berühmten Preis aus Oslo doch noch bekommen. Und das, obwohl sein letzter großer Einsatz als Krisenmanager 2006 für das Kosovo nicht unbedingt von Erfolg gekrönt war. Im norwegischen Rundfunksender NRK sagte der 71-Jährige wenige Minuten nach der Mitteilung aus Oslo: "Natürlich bin ich sehr zufrieden mit der Entscheidung des Nobelkomitees. Und auch erfreut. Am allerwichtigsten von all meinen Einsätzen war natürlich der Einsatz bei der Unabhängigkeit von Namibia. Dort war ich über 13 Jahre engagiert. Aceh und Kosovo sind aber auch sehr wichtig gewesen."

"Ahtisaari ist einer der besten und erfahrensten europäischen Außenpolitiker", sagte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, nachdem Ahtisaari 1999 erfolgreich für UN und EU bei der Beendigung des Serbien-Krieges vermittelt hatte. Der Finne wurde 1937 im heute russischen Karelien geboren. Erste außenpolitische Erfahrungen sammelte er im diplomatischen Dienst seines Landes. Von 1977 bis 1981 arbeitete er als UN-Kommissar für Namibia, dann erneut bis zur Unabhängigkeit des südafrikanischen Landes 1990. Eine Schule mit Ahtisaaris Namen in der Hauptstadt Windhuk zeugt bis heute von der enormen Popularität des Finnen.

Schon früh internationale Erfahrung gesammelt

1991 bis 1993 lernte Ahtisaari als Chef einer "UN-Arbeitsgruppe Bosnien-Herzegowina" den Balkan-Konflikt zum ersten Mal hautnah kennen. Ein Jahr später nominierten ihn Finnlands Sozialdemokraten für das Amt des Staatspräsidenten, das bei den Nordeuropäern vor allem außenpolitisch mehr als nur Repräsentation bedeutet. Ahtisaari gewann die Direktwahlen, wurde aber in den folgenden Jahren nie recht warm mit seinem Amt. Und die Finnen auch nicht mit ihm, wie fast durchweg schlechte Umfragewerte zeigten. Gleich zu Beginn fiel Ahtisaari zweimal bei Staatsempfängen in Frack und viel zu engen Lackschuhen buchstäblich auf die Nase und musste das Land der tausend Seen und Saunen dick verpflastert repräsentieren. Irgendwann gab sich das, aber schon früh vor dem nächsten Wahltermin 2000 signalisierte Ahtisaari, dass er nicht wieder antreten wolle.

Er war noch Präsident, als ihn seine Mittlerdienste zwischen dem serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic und der internationalen Staatengemeinschaft positiv in alle Schlagzeilen brachten. Nach seiner Ablösung im höchsten finnischen Staatsamt durch die deutlich populärere Tarja Halonen gründete der Hobbyangler und Golfer seine "Crisis Management Initiative" (CMI), ein kleines Institut mit Büros in Helsinki und Brüssel. Von hier aus übernahm er zahlreiche Vermittleraufträge, so im Jahr 2000 die Überwachung einer Entwaffnungsaktion bei der irischen Untergrundorganisation IRA. Als sein größter Erfolg gilt die Beendigung des Bürgerkriegs in der indonesischen Unruheprovinz Aceh.

Als seinen eigenen Wunschkandidaten für den Friedensnobelpreis hat Ahtisaari den aus Ungarn stammenden US-Finanzmann und Milliardär George Soros benannt. Sein Liebling unter den bisherigen Preisträgern ist der südafrikanische Ex-Präsident Nelson Mandela.

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