Internationale Beziehungen : Bischöfe warnen Deutsche und Polen vor Ressentiments

In einer Erklärung zum 70. Jahrestag des deutschen Angriffs auf Polen, mit dem der Zweite Weltkrieg begonnen hatte, haben deutsche und polnische Bischöfe die Verbrechen des Krieges und die Vertreibungen verurteilt und zur gemeinsamen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit aufgerufen.

Claudia von Salzen

Berlin - In einer Erklärung zum 70. Jahrestag des deutschen Angriffs auf Polen, mit dem der Zweite Weltkrieg begonnen hatte, haben deutsche und polnische Bischöfe die Verbrechen des Krieges und die Vertreibungen verurteilt und zur gemeinsamen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit aufgerufen. „Auch wenn die Prozesse der Versöhnung in den vergangenen Jahrzehnten gute Früchte getragen haben, so sind die Erfahrungen des Krieges und der Folgezeit in den Beziehungen unserer Völker nach wie vor lebendig“, heißt es in der Erklärung der katholischen Bischofskonferenzen.

Eindringlich warnen die Bischöfe davor, durch Ressentiments und Stereotypen das mühsam gewachsene Vertrauen zwischen Polen und Deutschen zu untergraben: „Bei manchen gesellschaftlichen oder politischen Kräften besteht die Versuchung, die in der Geschichte geschlagenen Verletzungen propagandistisch auszubeuten und, gestützt auf einseitige geschichtliche Interpretationen, Ressentiments zu schüren.“ Damit kritisieren die Kirchenleute indirekt den Streit um das geplante Dokumentationszentrum zu Vertreibungen. Das heikle Thema Vertreibung wird in dem Papier deutlich angesprochen: „Die deutschen und polnischen Bischöfe verurteilen gemeinsam das Verbrechen des Krieges; einig sind wir uns auch in der Verurteilung der Vertreibungen“, heißt es darin. „Dabei verkennen wir niemals den inneren Zusammenhang und die Abfolge der Geschehnisse.“ Die Vertriebenen gehörten zu den „großen Verlierern“ von Hitlers Angriffskrieg.

Die Kirchenvertreter betonen auch, dass manche durch den Krieg entstandenen Verletzungen bis heute nicht geheilt seien, und rufen zum Dialog mit den Betroffenen auf. Dieser Umgang mit der Geschichte sperre die beiden Völker gerade nicht im „Gefängnis ihrer Erinnerungen“ ein, sondern hat nach Auffassung der Bischöfe eine heilsame Wirkung.

Der polnische Botschafter in Berlin, Marek Prawda, begrüßte die Botschaft der Bischöfe. „Man darf die Geschichte nicht instrumentalisieren“, mahnte er.

Die Erklärung erinnert auch an das aufsehenerregende Schreiben der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder von 1965. Der Brief endete mit den Worten: „Wir vergeben und bitten um Vergebung.“ Claudia von Salzen

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