Internationale Beziehungen : Nordkorea gibt Einblick in Atomprogramm

Mehrere Kisten voller Geheimdokumente über ihr Atomprogramm wurden amerikanischen Deligierten von Nordkorea ausgehändigt. Die USA erhoffen sich Erkenntnisse, Pjöngjang vor allem Wirtschaftshilfe.

SeoulIm Streit um die Offenlegung seines Atomprogramms hat Nordkorea erste Zugeständnisse gemacht. Ein US-Diplomat überquerte am Samstag mit umfangreichen Dokumenten über die nordkoreanischen Atomaktivitäten die Grenze nach Südkorea, berichtete ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP. Der Korea-Verantwortliche des US-Außenministeriums, Sung Kim, brachte mit seiner Delegation insgesamt sieben Kartons mit rund 18.000 Seiten Papier mit. Nach Angaben eines Vertreters des südkoreanischen Außenministeriums enthielten die Dokumente vor allem Informationen über die nordkoreanische Atomanlage Yongbyon. Die USA erhoffen sich davon vor allem Erkenntnisse über die Produktion und die Bestände von waffentauglichem Plutonium in Nordkorea.

Nach südkoreanischen Angaben beschreiben die Dokumente unter anderem den Betrieb von drei Anlagen im nordkoreanischen Atomzentrum in Yongbyon - dem dortigen Atomreaktor, einer Brennstofffabrik und einer Wiederaufarbeitungsanlage zur Plutoniumherstellung. Mit den Dokumenten sollen Nordkoreas Erklärungen zur Stilllegung seines umstrittenen Atomprogramm überprüft werden, hatte der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, am Donnerstag zu Beginn der Reise von Sung Kim gesagt. Zuvor hatte der kommunistische Staat die Frist, bis Ende 2007 sein Atomprogramm offenzulegen, verstreichen lassen.

Mit dem Überreichen der Dokumente könnten die festgefahrenen Sechs-Nationen-Gespräche, an denen neben den beiden Koreas, die USA, Japan, China und Russland teilnehmen, wieder angeschoben werden. Sollte das verarmte Land tatsächlich sein Atomprogramm vollständig offenlegen, kann es mit weiteren Energielieferungen und Wirtschaftshilfen rechnen. Washington hat dem Regime in Pjöngjang zudem die Aufhebung von Handelssanktionen und die Streichung von der Liste jener Staaten in Aussicht gestellt, die den Terrorismus fördern. US-Präsident George W. Bush möchte bis zum Ende seiner Amtszeit im Januar 2009 einen abschließenden Erfolg bei den Sechser-Verhandlungen zur Schließung der nordkoreanischen Atomanlagen erreichen. (saw/AFP/dpa)

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